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Mit frischen Socken auf großer Käfer-Tour

Hermann Zimmermann mit seinem Käfer-Cabrio.
Hermann Zimmermann mit seinem Käfer-Cabrio. © Foto: MZV
Holger Rudolph / 28.08.2017, 15:46 Uhr
Kränzlin (MZV) Auf einen Ausflug ins Blaue ließen sich am Sonntagvormittag die Teilnehmer der 22. Kränzliner Käfer- und Beetle-Ausfahrt ein. Bekannt war ihnen nur, dass das Ziel etwa 50 Kilometer weit entfernt liegt und frisch gewaschene Socken ohne Löcher mitzubringen sind.

Mathias Köppen zeichnete diesmal nicht für die Tourvorbereitung verantwortlich. Die Autos starteten zwar wie üblich vor seinem Kränzliner Saal, doch das Organisieren der Spätsommer-Ausfahrt, der zweiten im Jahr, überlässt er jeweils einem anderen Käfer-Fan. Köppen gab sich geheimnisvoll: "Ich weiß wirklich nicht mehr. Das macht diesmal alles der Hubert."

Nach und nach trafen immer mehr Oldtimer ein. Schließlich waren es 21Fahrzeuge. Bei den meisten handelte es sich tatsächlich um VW Käfer, auch einige Beetles, die Käfer-Nachfolger, waren dabei. Dass auch VW-Busse und eine Ente mit von der Partie waren, störte überhaupt nicht. Köppen: "Hauptsache Oldtimer, das Wichtigste aber ist, dass die Leute Spaß und gute Laune mitgebracht haben."

"Der Hubert" heißt mit vollständigem Namen Hubert Pahl, ist 65Jahre alt und seit seinem 18. Lebensjahr in den VW Käfer verliebt: "Meine Ehefrau Beate und ich sind heute mit einem blauen Käfer, Baujahr 1964, amerikanische Exportausführung, hier." Der Wagen habe schon mindestens 400000Kilometer auf dem Buckel, der überholte Motor aber erst 25000.

Pahl mag "Form und Sound unseres Käfers". Dieses Fahrzeug sei schon etwas ganz Besonderes: "Die Ästhetik des Autos ist einmalig. Die Kotflügel erinnern fast schon an weibliche Rundungen." Zu DDR-Zeiten bereiste das Paar per Käfer den halben Ostblock. Pahls fuhren damals nach Polen und Ungarn, sogar bis an das Schwarze Meer. Inzwischen ist es der dritte Käfer, mit dem die Eheleute auf Tour gehen. Der Autofan schwärmte: "Ich restauriere die Fahrzeuge selbst. Mein Vater war Schlosser. Von ihm habe ich mir einiges abgeschaut." Für die Tour am Sonntag hatte Pahl das Tharpaland in Sommerswalde bei Schwante ausgesucht. Friedrich August Richard Sommer, Leutnant a.D., hatte sich dort um 1890 eine einzigartige Wohnanlage errichten lassen. Bekannte Berliner Bauten, darunter Reichstag und Rotes Rathaus, entstanden dort deutlich verkleinert und leicht verändert ein zweites Mal.

Heute wird das Gelände von einer buddhistischen Glaubensgemeinschaft genutzt, die in den zurückliegenden Jahren mehrere Gebäude denkmalgerecht restaurieren ließ. Pahl: "Es wird heute eine einstündige Führung durch Park und Häuser nur für uns geben. Weil im Inneren der Gebäude aus Glaubensgründen keine Schuhe getragen werden dürfen, sind die Socken so wichtig. Anschließend werden wir in einer Gaststätte ganz in der Nähe zusammen essen."

Dass es diesmal noch ein paar mehr Autos als bei früheren Ausfahrten waren, lag nicht zuletzt daran, dass sich der VW-Käfer-Club Oranienburg mit sechs Fahrzeugen beteiligte. Der Vereinsvorsitzende Hermann Zimmermann freute sich über das Angebot der Kränzliner: "Es geht uns heute wie bei jeder unserer Touren um das Zusammensein mit Gleichgesinnten und die Traditionspflege." Zimmermann selbst fuhr sein Käfer-Cabrio 1302 aus dem Jahre 1971. Das Alter war dem sehr gut restaurierten Auto nicht anzusehen. Das nächste große Ereignis, bei dem die Oranienburger sogar Mitveranstalter sind, werde das Oldtimer-Treffen auf dem Kremmener Spargelhof am 10. September sein, erzählte Zimmermann: "Darauf freuen wir uns alle schon."

Kurz nach halb elf setzte sich der Tross in Bewegung. Es roch nach Öl und Benzin, ganz so wie es sich bei einer Oldtimer-Ausfahrt gehört. Lautes Hupen. Winke, winke aus geöffneten Fenstern. Und dann waren sie weg.

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