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Choriner Musiksommer mit Wetterkapriolen und anderen Veränderungen / Programm für 55. Saison steht

Neuer Intendant gesucht

Stimmgewaltiges Finale: Am Sonnabend begeisterte der Leipziger Thomanerchor mit seinem neuen Leiter Gotthold Schwarz beim Choriner Musiksommer.
Stimmgewaltiges Finale: Am Sonnabend begeisterte der Leipziger Thomanerchor mit seinem neuen Leiter Gotthold Schwarz beim Choriner Musiksommer. © Foto: Sören Tetzlaff
Viola Petersson / 29.08.2017, 06:10 Uhr
Chorin (MOZ) Regencape statt Sonnenschirm - der Choriner Musiksommer 2017 dürfte als Auflage der Wetterkapriolen in die Annalen eingehen. "Eine solche Saison habe ich noch nicht erlebt", sagt Geschäftsführer Lars Döbler, trotz der Launen Petrus aber mit den 19 Konzerten sehr zufrieden.

Die Partituren sind zugeklappt, die Notenständer eingepackt. Die letzten Töne sind verhallt. Am Wochenende fand der Choriner Musiksommer 2017 mit zwei Konzerten seinen Abschluss. Knapp 24 000 Gäste registrierte Geschäftsführer Lars Döbler bei der 54. Auflage, etwas weniger als im Vorjahr. Ein Rückgang, den er auf die Wetterkapriolen zurückführt. "Wir haben es nämlich vor allem bei den Kurzentschlossenen gespürt, die häufiger ausgeblieben sind, und eben auf der Wiese." Nicht bemerkbar gemacht habe sich der Rückgang in der Kasse. Die Besucher, so Döbler, hätten zu teureren Karten gegriffen. Trotz der Regengüsse - nicht eines der 19 Konzerte ist ausgefallen, keines wurde abgebrochen. Orchester, Solisten sowie Publikum - alle haben durchgehalten und das "Programm durchgezogen".

Das Catering habe sich erfreulicherweise gegenüber den Vorjahren verbessert. Es habe Angebote an zwei Standorten gegeben, wofür der Geschäftsführer dem Betrieb Brodowin dankt. Zumal das Unternehmen kurzfristig umdisponieren musste. Denn unmittelbar vor der Saisoneröffnung wurde die ehemalige Klosterküche, die als zweiter Standort vorgesehen war, gesperrt, bedauert Döbler.

Hochzufrieden zeigt sich ebenso Norman Reichelt, Vorsitzender des veranstaltenden Vereins. Für ihn war es die erste Saison im Amt. "Es war traumhaft", sagt der neue Vereinschef, der - so wie einst Gründungsvater Gunther Wolff - alle Konzerte besucht hat. "Da bin ich Traditionalist." Herausheben will er aus dem Programm keine Veranstaltung. Alle Klangkörper hätten "erstklassig" gespielt. Reichelt spricht von einem "sehr facettenreichen" Spielplan und einer "exzellenten Organisation" in Regie der Geschäftsstelle, die "über die Jahre perfektioniert wurde". Er nennt ein Beispiel: Während des Ludwig-Güttler-Konzerts sei es bei einem Gast zu Kreislaufproblemen gekommen. Der Rettungsdienst wurde sofort gerufen, Güttler unterbrach kurz für den Einsatz der Sanitäter.

Die 54. Auflage ist Geschichte. Eine große Pause gibt es beim Veranstalter aber nicht. Im November präsentieren Reichelt und Co. das Programm für 2018. Allzu viel wollen die Akteure noch nicht verraten. Klar ist hingegen: Howard Griffiths, von den Chorinern vor allem ob seiner launigen Moderationen geliebt, wird im Kloster seinen Abschied als Generalmusikdirektor des Brandenburgischen Staatsorchesters Frankfurt geben.

Darüber hinaus wird der Musiksommer im November ein neues Gremium vorstellen. Denn gerade konstituiert sich ein Kuratorium für die Klassik-Reihe. "Dieses Kuratorium ist eine Anregung von Schirmherr Wolfgang Thierse sowie einem unserer Sponsoren", so Reichelt. Thierse habe verschiedene Persönlichkeiten angesprochen und um Mitwirkung gebeten.

Darüber hinaus werde sich der Vorstand im Herbst mit der Nachfolge von Christoph Drescher, seit 2014 künstlerischer Leiter, beschäftigen. Dreschers Engagement endet 2019. Er habe soeben erklärt, es nicht fortsetzen zu wollen, da er verstärkt in seiner Heimat Thüringen unterwegs sei. Folglich müsse der Musiksommer einen neuen Intendanten suchen. Reichelt selbst hat, wie er sogleich versichert, keine Ambitionen.

Spannend werde das Jahr 2018 auch unter einem anderem Aspekt: Der Vertrag zwischen Eigenbetrieb Kloster und Land läuft aus. "Wir haben beim Amt Britz-Chorin-Oderberg bereits den Mietvertrag für 2018 angemahnt", so Döbler. Gleichzeitig wolle der Verein samstags wieder zum Konzertbeginn um 15 Uhr zurückkehren. "Wir bieten dem Kloster dafür eine Ausfallzahlung an."

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