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Am Tag des offenen Denkmals feiert die Kommunität Grimnitz die 300-jährige Geschichte der Oberförsterei

Einladung ins Erbe der Burg

Mitbewohner am Blumenbeet: Claus-Dieter Schulze, Renate Ellmenreich und Richard Tossavi (von links) sind nur drei von zwölf Menschen, die im Gebäudekomplex als "Kommunität Grimnitz e.V." zusammenleben. Hinten links im Bild ist das Hauptgebäude zu sehen, i
Mitbewohner am Blumenbeet: Claus-Dieter Schulze, Renate Ellmenreich und Richard Tossavi (von links) sind nur drei von zwölf Menschen, die im Gebäudekomplex als "Kommunität Grimnitz e.V." zusammenleben. Hinten links im Bild ist das Hauptgebäude zu sehen, i © Foto: MOZ/Marco Marschall
Marco Marschall / 29.08.2017, 06:44 Uhr
Joachimsthal (MOZ) Erst Forstverwaltung, dann Wohnungen und seit geraumer Zeit eine christliche Wohngemeinschaft - der Gebäudekomplex in der Grimnitzer Straße 11 hat viel zu erzählen. Am 10. September können Besucher mehr erfahren. Dann kommen auch Zeitzeugen zu Wort.

Die Kommunität Grimnitz bringt es noch nicht annähernd auf 300 Jahre. Erst Ende der 90er gründete sich die christliche Lebensgemeinschaft in Joachimsthal, kaufte Anfang der 2000er die alte Oberförsterei von der Treuhand und zog erst nach der Sanierung vor fünf Jahren dort ein. Auf ein historisches Areal. Schließlich sind in Teilen des Komplexes noch die Steine der mittelalterlichen Burg verbaut, die einst am Grimnitzsee stand.

Während der ungenutzte Herrschaftssitz verfiel, entstand in seinem Vorhof die Försterei. "Herrscher wollen jagen und darüber hinaus sollte sich der Holzeinschlag lohnen", erklärt der pensionierte Pfarrer Claus-Dieter Schulze (78), Mitbegründer der Kommunität. Die Folge war der Einsatz eines Försters, der fortan in Joachimsthal wirkte. 1718 sei mit dem Bau der Försterei begonnen worden. "Aber der Beschluss dazu ist bestimmt schon 1717 gefallen", sagt Schulze. Schließlich will er den Tag der offenen Tür aus Anlass des 300. Entstehungsjahrs nicht mehr verschieben.

Zum Tag des offenen Denkmals, am 10. September, wird auf den Hof eingeladen. Geplant sind eine Reihe interessanter Vorträge, eine Ausstellung und Gesprächsrunden. Selbstverständlich können auch die Gebäude mit den 700 Quadratmetern Wohnfläche besichtigt werden.

Etwa ein Dutzend Mitbewohner hat die Kommunität derzeit. Darunter Pfarrer Schulze, eine weitere ehemalige Pfarrerin, ein Biologe, afrikanische Flüchtlinge, eine frühere Botschaftsmitarbeiterin und eine alteingesessene Joachimsthalerin, die schon seit 50 Jahren dort lebt. Bereits 1962 nämlich wurde die Oberförsterei geschlossen, da ihre Mitarbeiter staatsfeindlicher Umtriebe verdächtigt wurden, und das Gebäude zu Wohnungen umgebaut.

Die DDR-Zeit soll am 10. September ab 15 Uhr im Rahmen einer Podiumsdiskussion genauer beleuchtet werden. Dann sollen auch Zeitzeugen zu Wort kommen.

Wer sich mehr für die Geschichte bis zur Kaiserzeit interessiert, sollte die Kommunität schon am Vormittag aufsuchen. Heimatforscher Dr. Jürgen Kutschke ist eingeladen und wird auf Claus-Dieter Schulzes Fragen zum Thema antworten.

Etwas später am Vormittag soll es um den berühmten Forstmeister Balduin von Hövel gehen. Er wirkte bis 1919 im Ort und kann sich anrechnen, den Kaiser zur Pirsch überredet zu haben. Bevor nämlich die Obrigkeit auf gut Glück durch die Schorfheide strich, wurde das Wild am Vortag der Jagd eingepfercht und zum Termin dem Herrscher vor die Flinte getrieben. "Hövel, der Wilhelm II schon als Jugendlicher kannte, überzeugte ihn, dass das nicht edel und eines Kaisers nicht würdig ist", berichtet Claus-Dieter Schulze. Nach dem Förster wurde unweit der Kommunität eine Straße benannt.

Am Tag des offenen Denkmals wollen der pensionierte Pfarrer und weitere Akteure die Geschichte des Komplexes nun wieder stärker ins Bewusstsein rücken. Dabei handelt es sich rechtlich übrigens um ein noch eher junges Denkmal. Erst vor zehn Jahren wurde es unter Schutz gestellt.

Glück für die Kommunität. Denn die bis dahin bereits errichtete Solaranlage auf dem Dach des Haupthauses genoss Bestandsschutz und durfte bleiben. Die Denkmalsbehörde wird seither in sämtliche bauliche Vorhaben einbezogen. So gab es für die Dachsanierung des Hauses rechts am Eingang zum Beispiel die Maßgabe auf der Innenhofseite Gauben zu errichten.

Im Innenhof soll die Veranstaltung am 10. September auch zum Großteil stattfinden. Bei schlechtem Wetter besteht die Möglichkeit, in einen Seminarraum umzuziehen. Von 11 bis 17 Uhr wird ins Erbe der Burg eingeladen.

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