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Hobrechtsfelde lädt zum Verweilen ein / Gemeinschaftshaus als Kleinod wiederbeleben

Grüne Weite am Stadtrand

Andrea Linne / 30.08.2017, 06:44 Uhr
Hobrechtsfelde (MOZ) Idyllischer geht es kaum. Nur das alte Pflaster in der Dorfstraße macht krachende Geräusche, wenn Autos die Hobrechtsfelder Dorfstraße zwischen Berlin-Buch und Schönow überfahren. Weiß leuchten die sanierten Fassaden an der alten Durchfahrung, links und rechts gesäumt von weiten Wiesen.

Generationen haben sich in der 200-Seelen-Gemeinde angesiedelt. Es sind Namen wie Lieke oder Lettow, die seit gut hundert Jahren auftauchen. Nie auf eigenen Schollen. Was früher zum Gut Hobrechtsfelde oder den Berliner Stadtgütern gehörte, ist heute verwaltungstechnisch der Gemeinde Panketal zugeschlagen. Die Häuser 1 bis 50 aber sind allesamt Eigentum der Genossenschaft Bremer Höhe.

Einige wenige Ausnahmen gibt es. So hat der Förderverein des Naturparks Barnim den alten Speicher übernommen. Die Agrar GmbH Gut Hobrechtsfelde lässt Wasserbüffel, Hochlandrinder und Fjord-Pferde auf den weiten Wiesen grasen. Sie leben im Freien und pflegen die Landschaft.

Doch entlang der Holperpiste tut sich einiges. In der Verträumtheit des Fleckens vor den Toren der Hauptstadt Berlin hat die Genossenschaft Bremer Höhe, die die Gebäude 2010 übernommen hat, schon 18 Wohnhäuser saniert. 24 gibt es insgesamt, Stück für Stück geht es voran.

Ulf Heitmann vom Vorstand der Genossenschaft sieht das Ganze gelassen. "Wir wollen im Einklang mit den Bewohnern sanieren und niemandem etwas überstülpen." Die meisten seien froh, schöne Bäder, trockene Fassaden und ausgebaute Dachböden zu bekommen. Einige Objekte aber stehen wie verwunschene, von Efeu überwachsene Hexenhäuschen da. Meist sehr alte Mieter würden einen Umzug nicht mehr überstehen oder einfach auch nicht wollen.

Dass die Berliner Genossenschaft Hobrechtsfelde übernommen hat, sei ein Zufall gewesen, erzählt Heitmann. Denn die Familien hatten selbst überlegt, eine Genossenschaft zu gründen. Doch in Absprache mit der Gesobau, die das Dorf von der Treuhand erworben hatte, konnte die im Jahr 2000 für ein Wohnviertel im Prenzlauer Berg gegründete Bremer Höhe 2010 einsteigen. Zahlreiche Hobrechtsfelder traten ein. Heute hat die Genossenschaft 700 Mitglieder.

Nummer 44 ist Dora Lieke. Sie steht in ihrem schönen Garten, die Bauernhortensie streckt sich in ganzer Pracht vor dem Häuschen aus. Ihre Kinder helfen der Seniorin, sie ist froh, in Hobrechtsfelde zu leben.

Gerade hat sie ihren 80. Geburtstag gefeiert. Gern lässt sie Gäste ein, erzählt von früher, auch von ihrem Mann, den sie gepflegt hat. "Die Genossenschaft war eine gute Lösung für uns", stellt sie fest.

Nach und nach wird nun saniert. Als Erstes nahm sich die Bremer Höhe das frühere Arbeiterwohnheim vor, das zeitweise auch als Lehrlingswohnheim diente. Es war komplett kaputt. Heute leben elf Erwachsene und elf Kinder hier, im Vorgarten baumelt Wäsche im Wind. Die abgebrannte Schnitterbaracke wurde 2013 für sechs Familien neu aufgebaut, einige Wohnungen sind auch behindertengerecht. Die ehemalige Schule ist zur Heimstatt für zwei Familien geworden. Der Blick über das Land ist weit. Alte Schuppen neben den Häusern, meist als Abstellräume genutzt, kommen später dran.

Liebevoll sieht die Toranlage zum alten Gut wieder aus. Dafür sind auch 10 000 Euro Fördermittel nach Hobrechtsfelde geflossen. Das Antlitz des alten Hobrecht ist in einer der Mauern verewigt. Aktuell wird in Haus Nummer 45 das Dach ausgebaut, eine Familie mit zwei Kindern will einziehen. Insgesamt 8,5 Millionen Euro sind aus Genossenschaftstöpfen bis dato in den Ort geflossen. Weitere sechs bis sieben Millionen Euro sind schon verplant.

Zunächst kommt das Gemeinschaftshaus dran. Heitmann zückt den Schlüssel. Der Saal, in dem einst große Tanzvergnügen und Familienfeiern stattfanden, ist noch in weiten Teilen erhalten. Die Malerei, die Kronleuchter, die Balustrade - alles soll wieder mit Leben gefüllt werden. 350 Quadratmeter für Vereine, Feste und sportliche Aktivitäten. Gefüllt mit Ideen der Mieter, die im Obergeschoss und in drei Neubauten entlang der Dorfstraße einziehen werden. 70 neue Panketaler sollen es sein. Im Gemeinschaftshaus spricht Heitmann von Cluster-Wohnen. Das sind offene Wohngemeinschaften, die einige Räume gemeinsam nutzen. Insgesamt könnten 2100 Quadratmeter Wohnfläche neu entstehen. Baustart ist im April 2018, wenn alle Genehmigungen bis dahin vorliegen.

Ob dann auch der Dorfteich vor dem Haus wieder Wasser führt, ist eher ungewiss. Der zugewachsene Pfuhl gehört der Gemeinde, könnte aber mit einer Zisterne und Pumpen volllaufen. Zurzeit hält nur der Linienbus 891 in der Wendeschleife vor dem zugemauerten G-Haus.

Einkaufen gehen die Einwohner in Panketal oder Berlin-Buch. Mit dem Helios-Klinikum liegt ein großer Arbeitgeber vor dem Ortseingangsschild. Drei bis vier Kilometer sind es zu den S-Bahnhöfen. Ein Fußballfeld wird bespielt. Kinder toben auf dem Spielplatz am Gut, während Pferde geruhsam grasen.

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