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Neue Rettungswache für kürzere Rettungswege

Vorläufig noch eine Wiese: Hier, in zweiter Reihe an der Ruppiner Chaussee in Kremmen, entsteht ab Oktober die neue Rettungswache. Der bisherige Rettungswagen ist in der Feuerwache untergestellt.
Vorläufig noch eine Wiese: Hier, in zweiter Reihe an der Ruppiner Chaussee in Kremmen, entsteht ab Oktober die neue Rettungswache. Der bisherige Rettungswagen ist in der Feuerwache untergestellt. © Foto: MZV
Marco Winkler / 30.08.2017, 18:35 Uhr - Aktualisiert 31.08.2017, 06:44
Kremmen (OGA) Die neue Rettungswache in Kremmen wird ab dem 4. Oktober an der Ruppiner Chaussee gebaut. Kosten: knapp eine Million Euro. Der Kreis reagiert mit dem Neubau auf zu lange Ausrückzeiten der Rettungswagen. Die Wache in Sommerfeld wird nicht wieder in Betrieb genommen.

Noch ist nicht viel zu sehen außer der wild wuchernden Wiese zwischen dem neuen Seniorenhaus, in das dieser Tage erste Bewohner einziehen, und der ebenfalls neu gebauten Mehrfamilienhäuser. Genau in dieser Lücke in zweiter Reihe an der Ruppiner Chaussee wird ab Anfang Oktober die neue Rettungswache in Kremmen entstehen. Bisher geschätzte Kosten: 950 000 Euro.

Mit der Wache reagiert der Kreis auf den im Juli beschlossenen Rettungsdienstbereichsplan. Dieser war nicht nur wegen der steigenden Anzahl an Rettungseinsätzen vonnöten. Waren es 2013 noch knapp 22 000, stieg die Zahl zwei Jahre später auf 23 500. Auch die gesetzlich vorgeschriebene Hilfsfrist konnte nicht mehr eingehalten werden. Die Hilfsfrist beschreibt die Zeit, die von der Notfallmeldung in der Integrierten Regionalleitstelle in Eberswalde und dem Eintreffen des ersten Rettungswagens am Einsatzort vergeht. Bei 95 Prozent aller Einsätze pro Jahr sollten 15 Minuten nicht überschritten werden. In Oberhavel war die Quote 2015 auf niedrige 91 Prozent gesunken.

Im Fall eines Mannes aus Hennigsdorf, der ein Wochenendgrundstück in Neu Ludwigsaue besitzt, wurde die Hilfsfrist am 12. August ebenfalls nicht eingehalten. Er wandte sich an diese Zeitung und beschreibt, dass er verzweifelt versucht habe, seine Adresse der Leitstelle zu beschreiben. Die Adressen in Neu Ludwigsaue seien nicht einfach zu finden, richtige Beschilderungen fehlen. Als seine Lebensgefährtin dort Mitte August ohnmächtig wurde, habe es mehr als eine halbe Stunde gedauert, bis der Rettungswagen eintraf. Die Freundin musste ins Krankenhaus gebracht werden.

Die Integrierte Regionalleitstelle Nord-Ost in Eberswalde organisiert und koordiniert die Rettungsdienste in den Landkreisen Barnim, Uckermark und Oberhavel. Sachgebietsleiter Sven Kobelt kann die lange Wartezeit in Neu Ludwigsaue nicht bestätigen. Der Alarm an das Fahrzeug sei um 7.45 Uhr erfolgt, um 8.05 Uhr sei der Rettungswagen der Wache Kremmen vor Ort gewesen. Jedoch erwies sich das vierminütige Telefonat mit dem betroffenen Hennigsdorfer als schwierig, so Kobelt. Er sei mehrfach aufgefordert worden, nur Fragen zu beantworten und sich während des Gesprächs nicht mit anderen Personen zu unterhalten. Kobelt rät, bei einem Notruf nur auf gestellte Fragen zu antworten (siehe Infokasten).

Der Kreis jedenfalls musste auf die schlechte Quote der Hilfsfristen reagieren. Als eine Maßnahme wurde der Neubau einer Rettungswache in Kremmener vorgeschlagen. Bisher wurde die Stadt von Sommerfeld und Staffelde aus angesteuert. Die Wache in Sommerfeld wird vom Netz genommen, die in Staffelde bleibt als zweiter Standort erhalten. Dieser habe sich für die Flächenabdeckung als erforderlich erwiesen, heißt es im Rettungsdienstbereichsplan.

Ein Rettungswagen war während einer Pilotphase schon in Kremmen stationiert - in der Feuerwache. Der Ort hat sich jedoch nicht bewährt, zu lang waren die Ausrückzeiten, zu kompliziert die Ausfahrten durch die Kernstadt. Im leicht außerhalb liegenden Baugebiet "An der Hörste" wurde - als Ersatz für die fehlende Rettungswache in Sommerfeld - ein neuer Standort entwickelt. Laut Kreissprecher Ronny Wappler liege die Baugenehmigung für das 1 200 Quadratmeter große Grundstück vor. Der Kreis hatte das Areal von der Kremmener Wohnungsbaugesellschaft gekauft. "Die Vorbereitungen laufen auf Hochtouren", so Wappler. Gingen erste Planungen von einem Rettungswagenstellplatz aus, wird die Kapazität nun auf zwei erhöht. "Vorerst wird das zweite Fahrzeug als Reserve in Kremmen stationiert", so Wappler. Gebaut werde ein Raumprogramm, wie es der Kreissprecher nennt, für ausreichend Personal. Bei Bedarf könne der zweite Rettungswagen "zukunftssicher in den Regelbetrieb überführt werden." Es gibt Sozial- und Aufenthaltsbereiche, die wegen veränderter Hygienevorschriften und Arbeitsschutzauflagen größer als bisher ausfallen. Zudem will der Kreis seine Fahrzeuge sukzessive umstellen - von einer Kastenwagenversion hin zu breiteren und modernen Kofferaufbauten. Alles, um die 15-Minuten-Marke nicht wieder zu überschreiten.

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