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Schäfer Maik Östreich ist verunsichert / Kalb und Schafe gerissen / Sichtungen des Räubers auf Dorfstraßen

"Die Angst vor dem Wolf wächst"

Tatjana Littig, Ralf Loock und / 30.08.2017, 19:29 Uhr
Görzig/Müllrose (MOZ) Der Wolf ist zwischen Oder und Spree seit Jahren heimisch. Es gibt kaum einen Wald, in dem er nicht gesichtet wurde. Die Population steigt stetig, in vielen Dörfern wird berichtet, dass die Räuber kaum noch Scheu vor menschlichen Siedlungen haben und nachts auf den Straßen unterwegs sind.

Vermutlich hat er am Sonntag wieder zugeschlagen. Dieses Mal bei Henning Leschke. Ein etwa einwöchiges Kuhkalb fand der Landwirt tot auf einer Weide in Groß Lindow/Schlaubehammer. Das Tier war gerissen worden. Ein Gutachter hat es untersucht. Vor gut zwei Wochen waren tote Tiere in Görzig zu beklagen. Die Leidtragenden: Die Schäfer Jörg Grafe und sein Nachbar Maik Östreich. Zuerst wurden bei Jörg Grafe zwei Muttertiere und vier Lämmer gerissen sowie ein weiteres Lamm verletzt. Einen Tag später fand Maik Östreich zwei tote Muttertiere und vier Lämmer sowie einen verletzten Herdenschutzhund auf seiner Koppel.

In den vergangenen drei Jahren hat Maik Östreich bei vier Übergriffen insgesamt 56 Tiere verloren. Der erste sei der heftigste gewesen mit mehr als 20 Schafen, berichtet er. Die Vermutung: Es war der Wolf. Beim jüngsten Vorfall waren drei von vier Herdenschutzhunde des Schäfers bei der rund 400 Tiere umfassenden Herde. Ein Hund habe nach dem Vorfall die Hinterbeine hinter sich hergezogen. Daraus schließt der 39-Jährige, dass ein Kampf stattgefunden hat. Illusionen macht er sich indes nicht: "Bei einer Stellfläche von 30 Hektar ist es für den Hund schwer, die Fläche zu überblicken." Entschädigt wird der 39-Jährige für seine Verluste nicht, weil er seinen Wolfsschutzzaun nicht vorschriftsmäßig errichtet hat. "Die Angst wächst", sagt er.

Von Angst weiß auch Jörg Grafe zu berichten. Wie schütze ich meine Tiere? Diese Frage treibt ihn um. 50 Tiere in zwei Herden hat der Schäfer. Die toten Tiere fand er rund 50 Meter von seinem Zaun und 35 Meter von einem Plumsklo entfernt. Daraus schließt er: "Der Wolf lässt sich vom Menschen nicht abhalten." Wie eine Lösung aussehen könnte, steht für ihn fest. "Der Wolf sollte zum jagdbaren Wild werden. Er ist intelligent und lernt schnell. Er sucht sich nicht nur eine Nische, sondern einen Platz", sagt er. Dass er in diesem und im kommenden Jahr keine Kinder fressen werde, steht für ihn fest, aber: "Wer ist verantwortlich, wenn meine Tiere ausbrechen?", fragt er. So wie am Dienstag zwischen Beeskow und Groß Rietz, als Kühe ausgebrochen waren. "Ich vermute, dass der Wolf Schuld war", sagt Matthias Schulze. Der Landwirt aus Görzig hat seine Kühe im Naturschutzgebiet Schwarzberge und Spreeniederung stehen. "Wir haben unsere Bedenken, wie lange das noch gut geht", sagt er.

Und eine andere Sorge treibt den 40-Jährigen um: Er hat drei Kinder zwischen anderthalb und fünf Jahren. Noch werden sie beim Spielen von Erwachsenen beaufsichtigt, aber was ist, wenn sie eines Tages alleine auf den Wiesen spielen wollen? "Welches Elternteil bleibt da ruhig?", fragt er.

Auch Schäfer Ronald Rocher aus Limsdorf verlor im Juni Tiere durch Wolfsrisse. Auf einer Wiese bei Petersdorf bei Bad Saarow wurden laut Zeugenangaben mehr als zehn Schafe getötet.

Beim Landesumweltamt laufen alle Fäden zum Thema Wolf zusammen, dort werden Meldungen über Sichtungen, gerissene Schafe sowie tote Wölfe gesammelt. Auf dieser Datenbasis hat das Amt eine Karte mit Wolfsnachweisen in Brandenburg gestaltet. Auch einem Laien fällt auf: Die Konzentration der Rudel im Süden, namentlich im Südosten Brandenburgs. Dort ist ein Kreis neben dem anderen vermerkt: Wolfsrudel in Müllrose, Sauen, Storkow, Märkisch Buchholz sowie in der Lieberose Heide und in Bärenklau. Der Wolf ist auch am Wirchensee im Schlaubetal aktiv, doch dort ist unklar, ob die Tiere ein Rudel bilden. Eine solche Einheit besteht üblicherweise aus Elterntieren, Welpen sowie einigen einjährigen Wölfen.

Da der Wolf keine natürlichen Feinde hat, hält ihn nichts auf Abstand. "Ich selber stand bereits zwei Mal im Wald einem Wolf gegenüber", berichtet Jäger Gert Schäfer aus Müllrose. Er kennt Berichte von Augenzeugen, die den Räuber nachts auf der Dorfstraße gesehen haben. Es sei Zeit zum Handeln, sagte er. Es gehe ihm nicht um Problemwölfe, die hohe Wolfspopulation sei das Problem. Nur wenn man den Wolf bejage, erfahre dieser, dass er sich lieber von menschlichen Siedlungen fernhalte solle.

Kommentare

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Hasso Isenhagen 17.09.2017 - 10:43:59

wenn sich doch endlich auch beim Wolf

Männer finden würden die den Umgang so pflegen wie beim Bär Bruno oder beim Wisent in Lebus. Aber nein, man spielt mit dem Feuer. Die Politik ist für den unsinnigen Wolfsschutz verantwortlich. Aber wenn dem ersten Menschen was passiert, dann wird man keinen Verantwortlichen Politiker finden sondern es wird eine allgemeine Schuldzuweisung zum Opfer beginnen. Und im Ergebnis wird noch rechter gewählt als jetzt schon.

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