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Anwohner bemängelt: wichtige Verbindungsstrecke nicht mehr nutzbar

Ärger um Lieper Brücke

Nur zu Fuß dürfte Steffen Weiß die Brücke im Hintergrund überqueren. Sie sei nicht mehr tragfähig, heißt es. Doch Landwirtschaftsfahrzeuge dürfen rüber.
Nur zu Fuß dürfte Steffen Weiß die Brücke im Hintergrund überqueren. Sie sei nicht mehr tragfähig, heißt es. Doch Landwirtschaftsfahrzeuge dürfen rüber. © Foto: MOZ/Julia Lehmann
Julia Lehmann / 31.08.2017, 07:50 Uhr
Liepe (MOZ) Steffen Weiß ist sauer. Seit Anfang August ist die Lieper Brücke für den Straßenverkehr gesperrt. An jeder Seite der Brücke stehen je drei rot-weiße Poller, die die Durchfahrt verhindern sollen. Dafür benötigt man entsprechendes Werkzeug und eine Sondergenehmigung.

Bei einem Ortstermin macht Weiß seinem Ärger Luft. Im Amt Britz-Chorin-Oderberg sei man ihm gegenüber nicht besonders auskunftsfreudig gewesen, als er sich über die Gründe für die Sperrung informieren wollte. "Das würde mich nichts angehen", hätte man ihm geantwortet. Der 54-Jährige, der nur hundert Meter von der Brücke entfernt auf Lieper Seite wohnt, ist in Sorge um seine Frau. Sie arbeite für die Volkssolidarität in der Pflege und müsse jeden Tag mehrmals nach Oderberg fahren, um Patienten zu versorgen. Mit der Sperrung der L 29 in Oderberg ab Dezember dieses Jahres gebe es keine direkte Verbindung für diese Strecke. Seine Frau müsse dann einen Umweg von etwa 25 Kilometern über Parsteinsee und Angermünde in Kauf nehmen. Das sei nicht tragbar, findet Steffen Weiß.

Solveig Spann, Leiterin des Ordnungsamtes Britz-Chorin-Oderberg, klärt auf: "Im November 2016 fand eine Brückenprüfung statt, die ergab, dass die Tragfähigkeit der Brücke nicht mehr gegeben ist." Ein Sachverständiger hatte ein Gefährdungspotenzial der 1968 erbauten Spannbetonbrücke festgestellt. Eine verkehrsrechtliche Anordnung erklärte die Sperrung zum 8. August. Das Schild mit der Tonnagebeschränkung auf neun Tonnen ist abmontiert, ein Verbotsschild für Kraftfahrzeuge und Motorräder wurde aufgestellt.

Im Ort Liepe aber selbst weist kein einziges Schild darauf hin, dass die Brücke geschlossen ist. Beim Landkreis Barnim kann eine Ausnahmegenehmigung für das Passieren der Brücke beantragt werden. "Das kann grundsätzlich jeder", sagt Solveig Spann. Allerdings müssen entsprechende Gründe gegeben sein. Für die Befahrung der Deichanlage auf der Bralitzer Seite sei eh eine Ausnahmegenehmigung notwendig, weiß Solveig Spann. Die sei aber beim zuständigen Landkreis Märkisch-Oderland einzuholen. Als offizielle Umleitung für die Sperrung der L29 war die Route über Bralitz eh nie angedacht, stellt Solveig Spann klar.

Denn Steffen Weiß hatte sich erhofft, dass seiner Frau wenigstens die Strecke über Falkenberg und Bad Freienwalde für die Umfahrung der Baustelle in Oderberg bleibt. Ihr Antrag auf eine Durchfahrtsgenehmigung sei allerdings abgelehnt worden, sagt Steffen Weiß. "Das ist wirklich eine Sauerei", so der ehemalige Mitarbeiter des Wasser- und Schifffahrtsamts (WSA)Eberswalde.

Wie man die Brücke ohne Genehmigung weiterhin nutzt, zeigt ein Jäger aus der Region. Er besitze nach eigener Aussage keine Erlaubnis, mit dem entsprechenden Werkzeug aber sei der mittlere Poller leicht umzulegen, die Brücke passierbar. Er finde es unmöglich, dass er für die Nutzung der Brücke sowie der Deichanlage auf Bralitzer Seite bei zwei Landkreisen jedes Jahr aufs Neue eine Genehmigung beantragen müsse. "Entweder sie schließen die Brücke für alle oder gar keinen", findet der Mann.

Da kommt ein Kleinwagen aus Liepe angefahren, darin eine Frau und ein Mann. Sie wollen zum Töpferwerk, seien nun aber verunsichert, ob sie auf demselben Weg denn auch wieder zurückkommen. Versprechen kann ihnen das niemand, sie nutzen die Gelegenheit trotzdem und schlüpfen mit dem Jäger über die Brücke.

Steffen Weiß verstehe nicht, warum große landwirtschaftliche Maschinen eine Genehmigung erhalten, wenn die Brücke doch nicht mehr tragfähig sei. Dass in der Tat riesige Maschinen die Brücke weiterhin nutzen, wird während des Besuchs klar. Zwei Landwirte machen neben Steffen Weiß Halt. Sie sind wütend. Es hagelt Vorwürfe: Weiß habe Fotos von ihnen gemacht, wie sie die Brücke überqueren. Diese wollen sie nun gelöscht wissen. Zwar würden beide eine Genehmigung für die Nutzung der Brücke besitzen, dennoch wollten sie nicht als Argument in dieser Angelegenheit herhalten. Nach ungehaltenem Dialog passieren die Männer die Poller und verschließen alles wieder hinter sich.

Wie lange die Brücke gesperrt bleibt, ist unklar. Aus Amtskreisen heißt es, es müsse ein Neubau erfolgen.

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