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40 neue Lehrlinge in Kunsterspring

Wichtige Ansprechpartnerin: Agnes Kuhn (rechts) hilft den neuen Azubis bei aufkommenden Fragen.
Wichtige Ansprechpartnerin: Agnes Kuhn (rechts) hilft den neuen Azubis bei aufkommenden Fragen. © Foto: MZV
Christian Schönberg / 04.09.2017, 18:06 Uhr
Kunsterspring (MZV) Elektriker und Fliesenleger wollen alle werden. So jedenfalls hieß es vor Jahren, sagt Dr. Ralf Gruner, Chef der Waldarbeitsschule Kunsterspring. Pustekuchen: Forstwirt ist anscheinend 2017 der angesagte Ausbildungsberuf. Fünfmal mehr Bewerbungen als Ausbildungsplätze beim forstlichen Landesbetrieb sprechen für sich.

Nach einem langwierigen Auswahlverfahren mit Tests und Motivationsgespräch sitzen nun am Montag 30neue Lehrlinge gemeinsam mit oder ohne Eltern in der Kantine der Waldarbeitsschule Kunsterspring. Zu ihnen gesellen sich noch Lehrlinge des Bundesforstbetriebs und der Stadtförstereien Perleberg sowie Bernau. Ebenfalls dabei sind drei junge Männer aus Afrika beziehungsweise Afghanistan. Als Asylbewerber haben sie eine halbjährige Einstiegsqualifizierung mit intensivem Sprachkurs erfolgreich absolviert.

Die 40 Azubis - darunter nur sehr wenige Frauen - werden in zwei Klasen eingeteilt. Eine beginnt gleich mit dem theoretischen Unterricht. Dabei wird die Waldarbeitsschule Kunsterspring vom Oberstufenzentrum Ostprignitz-Ruppin unterstützt.

Die Ausbildung gehört zu den vielseitigsten und anspruchsvollsten deutschlandweit. Davon ist Gruner überzeugt - und die hohen Bewerberzahlen unterstützen diese Einstellung. Kaum eine Ausbildungsstätte nennt sich noch Waldarbeitsschule. Für Gruner ist dieser Begriff Tradition und zukunftsweisend zugleich. Beispielgebend stehen dafür die Sonderausbildungen. Einmal kann man den Zapfenpflücker machen. An Baumstämmen hochkraxelnd werden Samen geerntet. Ebenfalls möglich: die Spezialausbildung als Forstmaschinen-Führer. Der Umgang mit den technologisch hochwertigen Geräten ist eine Wissenschaft für sich und verlangt neben Kraft und Geschick vor allem viel Köpfchen - in der Ausbildung heißt das: Wissbegier.

Eben diese Tugend verlangt Gruner von seinen Schützlingen. Es geht aber auch um Disziplin. Die Jugendlichen werden die Woche über im Kunsterspringer Internat sein. Da gelten strenge Regeln. Die Zimmer sind selbstständig sauber zu halten. Für Volljährige ist Alkohol erlaubt - aber nur in Maßen. Illegale Drogen sind auf dem Gelände Tabu. Das verlangt der Gesetzgeber und die Unfallvorschrift. "Wir sind also zweifach verpflichtet da stringent zu sein", sagt Gruner. Es habe Fälle gegeben, da habe der eine oder andere "uns verlassen müssen, wenn er nicht einsehen wollte, dass der Genuss von Gras und das Führen einer Motorsäge sich nicht miteinander verträgt".

Tatsächlich ist Arbeitssicherheit das A und O der Ausbildung. Die Forstwirtschaft gehört zu den Branchen mit hoher Arbeitsunfall-Gefahr. "Der Schutz von Leib und Leben ist unser höchstes Gut", so Gruner. "Und wir sind auch nicht wenig stolz, dass wir keine größeren Arbeitsunfälle in den vergangenen Jahren hatten."

Das Ziel der Ausbildung, die erfolgreiche Prüfung am Ende, bleibt aber der Kern der Lehrzeit. Engagement und Fleiß erwartet er deshalb von seinen Schützlingen. Und dem RA verriet Gruner am Rande, dass die Erfolgsquote in Kunsterspring beachtlich ist: "Wir haben eine Bestehensquote von 80 bis 90 Prozent", sagte er. Aber selbst die, die es dann nicht geschafft haben, bekommen dann immer noch eine zweite Chance - die doch noch oft den Erfolg bringt.

Ansprechpartnerinnen sind für die Azubis vor allem Ausbildungsleiterin Agnes Kuhn und die Chefin des Schul-Heims, Sylvia Strähnz. Kuhn verwies auf die wichtigste Formalie: das Führen eine Berichtshefters. Dort wird alles aufgeführt, was, wann und wo gelernt wurde. Die Vollständigkeit des Hefters ist wichtig, um bei der Prüfung zugelassen zu werden, so Kuhn. Krankheitstage, wie auch immer sie zustande kommen, können zum Problem werden: "Wer ein Sechstel der Ausbildungszeit krankheitsbedingt gefehlt hat, kann im Regelfall nicht zur Prüfung zugelassen werden." Ausnahmen müssen extra geprüft werden.

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