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Wahlkampf mit dem Thema Wolf

Mario Borchert (2.v.li.), unabhängiger Direktkandidat des Wahlkreises 56, lud am Samstag zur Podiumsdiskussion zum Thema Wolf nach Stölln ein.
Mario Borchert (2.v.li.), unabhängiger Direktkandidat des Wahlkreises 56, lud am Samstag zur Podiumsdiskussion zum Thema Wolf nach Stölln ein. © Foto: Jürgen Ohlwein
Jürgen Ohlwein / 04.09.2017, 18:09 Uhr
Stölln (MOZ) Am Samstag lud der unabhängige Direktkandidat des Wahlkreises 56, Mario Borchert, zu einer Wahlkampfveranstaltung ins Lilienthal-Centrum Stölln ein. Der Wahlkreis 56 erstreckt sich über Prignitz, Ostprignitz und das nordwestliche Havelland. Mit dem Wahlkampfthema "Wolf" will der unabhängige Kandidat in den Bundestag einziehen. Dort will er dem Thema auf oberster politischer Ebene Gehör verschaffen.

Eingeladen zur Podiumsdiskussion hatte Borchert betroffene Landwirte, politische Vertreter und Naturschützer. "Leider haben die Vertreter und Direktkandidaten der großen Parteien die Einladung nicht angenommen. Das ist sehr schade und zeigt, dass sich die Politik lieber aus der Diskussion um den Wolf heraushält. Um so wichtiger ist es für mich das Thema nach Berlin in den Bundestag zu tragen", erklärte Borchert.

An der Seite von Mario Borchert diskutierten Martin Wandrey, Direktkandidat B'90/Die Grünen, der Landesvorsitzende der FDP Brandenburg, Axel Graf Bülow, der Kreisbauernverbandsvorsitzende Potsdam-Mittelmark, Jens Schreinicke, der Wolfsbeauftragte des Bauernbundes, Frank Michelchen und der Landesgeschäftsführer des Bundes für Umwelt und Naturschutz (BUND), Axel Kruschat. Moderiert wurde die Podiumsdisskussion von Gregor Beyer, Geschäftsführer des "Forums Natur Brandenburg". Im Publikum befanden sich fast ausschließlich betroffene Landwirte und Jäger.

Während der Veranstaltung ging es gesitteter zu als beim Wolfsplenum im April dieses Jahres in Potsdam, wo Naturschützer und Betroffene stark aneinander gerieten. Das lag auch daran, dass der Großteil des Publikums in Stölln Landwirte und Jäger waren.

Mario Borchert bezog in seiner Eröffnungsrede klar Stellung zur Regulierung der Wolfsbestände. Er erklärte, dass der Wolf als anpassungsfähiges Großraubtier im Brandenburger Land schon längst flächendeckend anzutreffen sei. "Deshalb müssen die Wolfsbestände unserer Lebenswirklichkeit und der von uns geschaffenen Kulturlandschaft angepasst werden und nicht umgekehrt", erklärte Borchert. "Zunächst müssten erst einmal unabhängige Sachverständige feststellen, ob der Wolf in Brandenburg überhaupt noch vom Aussterben bedroht ist. Wenn nicht, müssen Wolfsgebiete sowie Wolfsausschlussgebiete und Bestandsobergrenzen festgelegt werden. Für eine rechtliche Durchsetzung muss der Wolf ins Jagdrecht aufgenommen werden", so Borchert weiter. Er forderte eine sofortige Konfliktlösung mit Fachwissen statt Wunschdenken.

Die Worte von Borchert fanden bei den beiden betroffenen Landwirten, Jens Schreinicke und Frank Michelchen, Zuspruch. Nach Schreinickes Meinung würde zu einem Wolfsmanagementplan nicht nur eine Zählung, sondern auch eine Regulierung der Population gehören. Ebenfalls betroffen ist der Wolfsbeauftragte des Bauernbundes, Frank Michelchen. "Ich bezeichne mich als Naturschützer. Ich bin Bauer, Imker und Fischer. Ich bin der Meinung, dass die Wolfspopulation in den nächsten Jahren explodieren wird", sagte Michelchen. Er sieht den Wolf als eine Bedrohung seiner Existenz. "Noch mehr Prävention können wir Landwirte uns nicht leisten - wir müssen die Wölfe im Notfall abschießen dürfen."

Anders sah das Axel Kruschat, Geschäftsführer des Bundes für Umwelt und Naturschutz (BUND) Brandenburg: "Sicherlich geht es in der Auseinandersetzung mit den Wolf primär um die Mutterkuhhaltung. Wenn aber die 26 Kälber, die 2016 von Wölfen gerissen wurden, die Mutterkuhhaltung in Brandenburg in Gefahr bringen können, dann stimmt mit der gesamten Branche etwas nicht. Außerdem sei das Entnehmen (Abschuss) von Problemwölfen schon gesetzlich geregelt. Wenn ein Wolf wiederholt wolfsgeschützte Weideanlagen überwindet, gilt er bereits jetzt als Problemwolf und kann abgeschossen werden", erklärte Kurschat. Er bekräftigte aber auch, wie wichtig die Weidetierhaltung für den Natur- und Umweltschutz sein.

Im Brandenburg soll es 22 Rudel geben, man rechnet mit 200 einzelnen Wölfen. Laut Landesamt für Umwelt gab es insgesamt 244 registrierte Wolfsrisse im Jahr 2016. Im Jahr 2015 lag die Zahl noch bei 97.

Auch die anwesenden Jäger plädierten für die Aufnahme des Wolfes ins Jagdrecht. So seien rechtliche Grundlagen für die Entnahme des Wolfes gegeben. Zum jetzigen Zeitpunkt rät Frank Wilke, Vorsitzender des Jagdverbandes Nauen, allen Jägern vom Abschuss von Wölfen deutlich ab.

Die EU weist den Wolf als streng geschützt aus, erlaubt aber die Entnahme von Problemwölfen unter strengen Auflagen. "Sicherlich gibt es auch die Möglichkeit Maßnahmen zur Regulierung auf nationaler Ebene zu schaffen. Nur muss man dann eventuell mit Klagen rechnen, weshalb die Politik davor zurückschreckt", meinte Borchert.

Die betroffenen Weidetierhalter und Landwirte erklärten nach der Podiumsdiskussion ihre Ängste und Nöte, die der Wolf ihnen bereitet. Einige haben Angst um ihre Zukunft und sind der Meinung, wenn jetzt nicht etwas passiere, geht es mit der ökologischen Weidetierhaltung den Bach herunter.

Insgesamt war Mario Borchert mit der Veranstaltung zufrieden. "Das Ziel, eine Diskussion anzuregen, ist gelungen. Die Akzeptanz des Wolfes als Großraubtier wird nur gelingen, wenn die direkt Betroffenen, die Landnutzer, die Land-/Forstwirte und Jäger, bei allen Entscheidungen mit eingebunden werden."

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