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Ein Herz für Schwalben

Schwalben willkommen: Eine entsprechende Plakette wird künftig die Hauswand von Gabriele Kind und Wolfgang Schwentke zieren. Die Nabu-Schwalbenbeauftragte Yvonne Schuldes (rechts) brachte auch Blumen und eine Urkunde mit nach Leegebruch.
Schwalben willkommen: Eine entsprechende Plakette wird künftig die Hauswand von Gabriele Kind und Wolfgang Schwentke zieren. Die Nabu-Schwalbenbeauftragte Yvonne Schuldes (rechts) brachte auch Blumen und eine Urkunde mit nach Leegebruch. © Foto: MZV
Tilman Trebs / 07.09.2017, 17:11 Uhr
Leegebruch (OGA) Seit drei Jahren leben Gabriele Kind und Wolfgang Schwentke auf ihrem Leegebrucher Grundstück mit einem Dutzend Rauchschwalben in trauter Eintracht. Nun wurden sie für ihre Tierliebe und auch für ihre Hilfe mit der Schwalbenplakette des Naturschutzbundes (Nabu) ausgezeichnet. Denn für die Vögel wird das Leben in der Region immer schwieriger.

Jeden Morgen dreht Gabriele Kind eine Runde übers Grundstück und schaut nach dem Rechten. Mehrere Schwalbennester gibt es dort inzwischen - drei in der Garage für die Rauchschwalben und eines an der Hauswand für die Mehlschwalben. "Ich gucke, ob alle im Nest sind, ob es ihnen gut geht", sagt die 67-jährige Leegebrucherin. Fällt ein Junges aus dem Nest, setzt sie es wieder rein. Geht es der Brut schlecht, wird er aufgepeppelt. Oft sitzt Gabriele Kind aber einfach nur mit ihrem Mann im großen Wintergarten und schaut den Untermietern zu. "Das sind schon unterhaltsame Zeitgenossen", sagt sie.

Und wohl auch Glücksbringer. Das glaubt Gabriele Kind, seit ihre Mutter Ende der 1960er- Jahre schwer erkrankte. Der Arzt bereitete die Familie auf das Schlimmste vor. "Ich baute damals ein Schwalbennest an unser Haus. Als ich meiner Mutter davon berichtete, sagte sie zu mir: Dann werde ich wieder gesund." Zwei Wochen später konnte die Mutter die Klinik verlassen. Die Schwalben blieben nur einen Sommer.

Vor drei Jahren erlitt Gabriele Kind einen Schlaganfall. Als sie in der Klinik lag, kamen die Schwalben wieder, bauten sich ein Nest in der Verkleidung der Steuerung der Garagentür. "Als mein Mann mir davon berichtete, wusste ich, ich werde wieder gesund. Natürlich ist das Aberglaube, aber ein schöner."

Diesmal kamen die Schwalben zurück. Jeden Sommer aufs Neue. Das Leegebrucher Paar, das bis zur Rente beim Bahnbauer Bombardier in Hennigsdorf arbeitete und bis vor 15 Jahren dort auch im Stadtteil Nord in einer Plattenbauwohnung lebte, begann, sich der Tiere anzunehmen, las Bücher, studierte im Internet, gab ihnen ein Zuhause.

Ein Einsatz, für den die Schwalbenbeauftragte, Yvonne Schuldes, nur Lob übrig hat. "Ich wäre froh, wenn sich mehr Menschen so einsetzen würden", sagt sie. Denn sowohl die Rauch- als auch die Mehlschwalben haben es zunehmend schwerer, in der Region zu leben. Mit jedem Weg, der begradigt wird, verschwinden die für die Schwalben so wichtigen Pfützen. "Bei Neubauten wird leider nicht daran gedacht, als Ausgleich Lehmpfützen an den Wegen anzulegen. Damit könnte schon viel zum Schutz der Art erreicht werden", sagt die Expertin. Hinzu komme, dass Häuslebauer oft keine Schwalben im Garten haben wollen, Nester entfernen, obwohl das verboten ist. "Sie wollen in der Natur leben, aber nicht mit der Natur", beklagt Schuldes. Dabei suchten die Schwalben die Nähe zum Menschen. "Sie mögen umtriebige Umgebungen. Außerdem halten Schwalben natürliche Feinde, zum Beispiel Marder, fern." Stallungen, in denen Schwalben gern ihre Nester bauen, werden auf den Dörfern immer weniger. Ein Problem stellt laut Schuldes auch die Landwirtschaft dar. "Durch den Einsatz von Pestiziden gibt es auf den Feldern immer weniger Insekten, und damit weniger Nahrung für die Schwalben."

Den Insektenhunger der Vögel können sich Gartenbesitzer durchaus zu Nutze machen. "Wer Schwalben im Garten hat, hat weniger Probleme mit Mücken", weiß Yvonne Schuldes. Gabriele Kind und Wolfgang Schwentke wissen das auch. Sie wollen ihre Vögel nicht mehr missen. In den nächsten zehn Tagen werden sich die Schwalben auf den Weg in den Süden machen. Ihre Rückkehr wird ab Mitte April erwartet.

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