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Leegebrucher Bauausschuss erörtert Entwässerungsprobleme

Gemeinsam gegen Wassermassen: Die Leegebrucher standen und stehen im Kampf gegen den Jahrhundertregen zusammen und griffen vereint zum Besen.
Gemeinsam gegen Wassermassen: Die Leegebrucher standen und stehen im Kampf gegen den Jahrhundertregen zusammen und griffen vereint zum Besen. © Foto: MZV
Friedhelm Brennecke / 07.09.2017, 19:09 Uhr
Leegebruch (OGA) Noch lange nicht sind die teils gravierenden Schäden, die Stark- sowie Dauerregen Ende Juni und Juli in Leegebruch hinterlassen haben, beseitigt. Das gilt sowohl für Privathaushalte als auch für die Gemeinde. Die Birkenallee bleibt auch Wochen danach noch immer gesperrt.

"Solange der Pegel des Schichtenwassers dort nicht auf 60 Zentimeter unter Straßenoberkante gefallen ist, muss die Birkenallee gesperrt bleiben", betonte Bauamtsleiter Norman Kabuß in der jüngsten Sitzung des Bauausschusses. Das haben Gutachter empfohlen. Aktuell liegt der Pegel bei 45 Zentimetern.

An sieben Schadensstellen auf und an Straßen, an Schächten und Gräben werde noch immer gearbeitet. Ein Bypass sei am Wiesenweg gelegt worden. Ein Durchlass in der Karl-Marx-Straße sei entfernt worden, eine Überquerung noch immer nicht möglich. Erst wenn Pflasterarbeiten dort beendet seien, könne der Überweg wieder freigegeben werden, sagte Kabuß.

Dass das vorhandene Entwässerungssystem bei 250 Litern Starkregen pro Quadratmeter in nur zehn Stunden wie am 29. Juni quasi kollabieren musste, hätte nicht verhindert werden können. So seien 2 900 Kubikmeter Wasser an einem Tag durch das Abwassernetz geströmt, durch das normalerweise 600 Kubikmeter täglich fließen. Der stellenweise Zusammenbruch des Abwassersystems sei sicher für viele eines der schwerwiegendsten Probleme gewesen. Allein mit 42 000 Euro schlage sich für die Gemeinde das Aufstellen der erforderlichen Dixi-Toiletten nieder, so Kabuß.

Der Jahrhundertregen habe aber auch einige Schwachstellen bloßgelegt, die bei ausgetrockneten Gräben in den vergangenen Jahren niemand auf dem Schirm gehabt habe, räumte Kabuß ein. Das betreffe Notfall- und Gefahrenabwehrbedarfspläne ebenso wie das Beschaffen von Material. "Hier haben wir sofort nachgebessert und uns mit mehr Pumpen und Schläuchen eingedeckt", sagte Kabuß. Auch Messpunkte wurden unterdessen gesetzt. Außerdem habe das Ingenieurbüro, das bereits voriges Jahr mit der Erstellung eines Generalentwässerungsplans für Leegebruch beauftragt wurde, inzwischen eine Menge Daten vorlegen können, die für den weiteren Umgang mit dem Thema unerlässlich seien.

Richtig Entlastung der prekären Pegelstände habe jedoch erst der Bypass gebracht, den der Wasser- und Bodenverband "Schnelle Havel" Anfang August am Pinnower Nordostkanal gelegt habe. "Nach dieser Maßnahmen floss erstmals mehr Wasser aus Leegebruch ab, als aus Germendorf, Oranienburg und Oberkrämer in unsere Gemarkung geströmt ist", sagte Kabuß und belegte das mit eindrucksvollen Fotos. Die zeigten verkrautete Gräben, überschwemmte Wege unter dem Durchlass der B 96 und einen verstopften Einlass in den Oranienburger Kanal. "Da konnte also gar nichts abfließen", sagte Kabuß und versicherte, sich künftig nicht mehr allein auf Zusagen anderer Verantwortlicher verlassen zu wollen.

Durch die hohen Wasserstände seien zudem große Teile der Straßenbeleuchtung in Mitleidenschaft gezogen worden. "Wir sind da noch nicht überall mit den Reparaturen hinterhergekommen", bat Kabuß um Verständnis. Alles soll aber in den nächsten Wochen komplett wieder instand gesetzt werden.

Die Mitglieder der Feuerwehr und die Mitarbeiter des Bauhofs seien wegen des Jahrhundertregens über Wochen im Dauereinsatz gewesen und an die Grenzen ihrer Belastbarkeit gestoßen. Ihnen gebühre genau wie den vielen freiwilligen Helfern benachbarten Wehren, dem Technischen Hilfswerk und anderen Institutionen großer Dank.

"Alles das zeigt uns doch deutlich, dass Leegebruch allein mit solchen Ereignissen nicht fertig werden kann. Wir sind auf Mithilfe der Nachbargemeinden und des Landkreises angewiesen", sagte Bauausschussvorsitzender Martin Hinze (CDU). Kabuß versicherte, dass die Gemeinde mit den Nachbarn in Sachen Entwässerung in Kontakt stehe und gemeinsam nach Lösungen für ein zuverlässigeres Abfließen des Wassers gesucht werde.

Das betreffe im Osten sowohl den Pinnower Nordostkanal als auch den Oranienburger Kanal, die eine Teilmenge des Wassers aus dem Moorgraben aufnehmen müssten. Im Süden sei der zu klein dimensionierte Durchlass unter der Autobahn ein Nadelöhr, das erweitert werden müsse. Dorthin ergießt sich der Moorgraben, der zuvor aber noch mit dem Wasser des Hauptgrabens und des Grabensystems der Wiesen und Felder westlich der Gemeinde gespeist wird.

"Wir müssen strikt an der Thematik dranbleiben, die noch bestehenden Schwachstellen nach und nach beseitigen, um bei künftigen Starkregenfällen besser gerüstet zu sein", forderten Hinze und weitere Mitglieder des Bauausschusses.

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