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Im Wald bei Lanke finden sich die zerstörten Bunker der Kriegsmarine und U-Boot-Flotte

Besuch in der Vergangenheit

Hans Still / 12.09.2017, 06:44 Uhr
Lanke (MOZ) Nicht Metallisches anfassen, unbedingt auf Löcher im Boden achten und schön bei der Gruppe bleiben - mit diesen Anweisungen stimmt Wolf-Dieter Holz vom Team Delta am Sonntag die Teilnehmer einer Bunkerbesichtigung bei Lanke auf die Tour ein.

Der Tag des offenen Denkmals lebt von seinen facettenreichen Angeboten. Nicht immer sind es vor dem Verfall gerettete Fachwerk- oder Herrenhäuser, die nach liebevoller Wiederherstellung einen Charme versprühen, der mit Neubauten nur selten erreicht werden kann.

Knapp einhundert Gäste nutzten am Wochenende beispielsweise das Angebot, im Wald zwischen Ladeburg und Lanke alte Bunkeranlagen der Kriegsmarine des Deutschen Reiches zu besichtigen. "Bereits 1938 begannen die Planungen für die Führungsstelle der Marine. Die Wahl fiel übrigens auf Lanke, weil es in Biesenthal ein Hauptverstärkeramt mit Fernkabel in alle Richtungen gab", erweist sich Tourführer Holz von Beginn als Experte. Er ist Mitautor des Buches "Deckname Koralle" und gehört zum festen Team der Arbeitsgemeinschaft zum Erhalt von Stollen und Bunkeranlagen. "Uns geht es um den Erhalt der Anlagen und die Bewahrung des Wissens. Den Verfall können wir maximal aufhalten", erklärt Holz das Anliegen der 13 Aktiven in dieser Arbeitsgemeinschaft.

Doch zurück zum Ziel der Begehung: "Hier arbeiteten und lebten früher bis zu 2000 Menschen", sagt Holz und verblüfft seine Zuhörer. Sämtliche, für eine kleine Stadt notwendige, Infrastruktur befand sich versteckt im Wald und nur teilweise an der Oberfläche. Funker und Mitarbeiter der Stabsbereiche besetzten die Funkzentrale, die ab 1943 unter dem Kommando des Befehlshabenden der U-Boote und Seekriegsflotte, Großadmiral Karl Dönitz, stand. Sportstätten, Frisör und Sauna, alles Nötige war offenbar da, wenngleich heute kaum noch etwas davon zu sehen ist. "Nach der Wende herrschte hier ein unvorstellbarer Vandalismus, alles wurde zerschlagen, abgebaut, umgelagert, anderweitig verwertet", verdeutlicht Holz.

An Beispielen mangelt es nicht. Alte Baracken der DDR-Volkspolizei, eingefallene Garagen und natürlich die Weiten der heute noch begehbaren Bunkeranlagen illustrieren das gigantische Maß der Zerstörung.

Als Erste legten nach dem Kriegsende die Russen Hand an die Anlagen. Wie im Potsdamer Abkommen festgelegt, waren militärische Anlagen der Nationalsozialisten zu zerstören. Das Ergebnis dieses Vorhaben zeigt sich beispielsweise am Flak-Bunker, zu dem ein großer Lageraum gehörte. Der Hochbunker vom Typ T 750 beherbergte bis zum Kriegsende 250 Soldaten und wurde so konstruiert, dass selbst bei einem Bombentreffer die Druckwellen niemals das Innere des Bunkers gefährden konnten. "Nach dem Krieg haben die Russen gerechnet, wie der Bunker zu sprengen sei. Aber dann wurde doch alles rein geworfen, was sich so fand. Minen, Bomben, sonstige Fundmunition - am Ende klappte es nicht mit der vollständigen Sprengung", berichtet Holz. Ein Jahr später legten 1947 die Russen erfolgreich nach, damals seien dann sogar im entfernten Lanke einige Dächer abgedeckt worden. Die verschobenen Betonblöcke gestatten den Blick auf zweieinhalb Meter dicke Wände und drei Etagen.

Am viergeschossigen Nachrichten- und Fernmeldebunker übernimmt der Wandlitzer Jürgen Haase die knapp 20 Personen umfassende Gruppe. Etwas Überwindung ist gefordert, über eine fünf Meter lange Steigleiter geht es hinab in die erste Ebene unterhalb der Erde. L-förmig aufgebaut, erstreckt sich der Bunker unter der Erde über zwei Etagen mit einer horizontalen Ausbreitung von 80 Metern. Tropfnasse Wände und raumhohe Schuttberge bestimmen den ersten Eindruck. Im Schein der Taschenlampen werden auch etliche Fledermaus-Schlafplätze sichtbar, die allerdings kaum noch angeflogen werden. "Das ist ein bundesdeutsches Fledermausprojekt. Aber nachdem hier vom NABU die Einfluglöcher herstellt wurden, vernässt der Bunker immer mehr. Die Feuchtigkeit macht alles kaputt, die Fledermäuse bleiben auch seit Jahren weg", schildert Haase.

Wer Rudimente alter Nachrichtentechnik erwartet, nach Stromaggregaten oder der früheren Ausstattungen der Großküche unterhalb der Erde sucht - Fehlanzeige in allen Punkten. Zerstört, gestohlen... Einzig Reste der WC-Anlagen bestehen noch wie auch einige alte Heizungsrohre samt Ausdehnungsgefäß."

Gesendet wurde nach Berlin mittels einer 2m-Band UKW-Antenne und per Kabel über Biesenthal. Zum Empfang gab es früher auf einem Mast zwei 14 Meter hohe Antennen. "Die U-Boote tauchten zum Senden kurz auf, dann mussten sie sich ja gleich wieder vor den Gegenern in Sicherheit bringen", erläutert Haase Details aus der Vergangenheit.

Später, im Lager vom Team-Delta, beantworten die Experten weitere Fragen. Die Hobby-Historiker, das wird deutlich, wollen sich trotz der ständigen Rückschläge durch den Vandalismus und Sammlern von Kriegsdevotionalien nicht unterkriegen lassen.

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