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Kinder geben Nachhilfe in Roboterkunde

Warten auf "Robo": Der zehnjährige Tobias (r.) erklärt Theodor (11) und Mutter Mareike Hinz auf dem Tablet, wie der Roboter namens Dash funktioniert. Die elfjährige Marie geduldet sich derweil, bis sie an die Reihe kommt.
Warten auf "Robo": Der zehnjährige Tobias (r.) erklärt Theodor (11) und Mutter Mareike Hinz auf dem Tablet, wie der Roboter namens Dash funktioniert. Die elfjährige Marie geduldet sich derweil, bis sie an die Reihe kommt. © Foto: MOZ/Simon Rayß
Simon Rayß / 13.09.2017, 06:40 Uhr
Lichterfelde (MOZ) In der Grundschule Lichterfelde sind die Kinder und ihre Eltern am Montag auf eine "Reise durch die Mediengalaxie" gegangen. Im Rahmen eines Projekttages haben sie sich gemeinsam Aufgaben aus den digitalen Weiten gestellt und auch gelernt, wie sie einen Roboter bedienen.

Mit den modernen Medien ist das so eine Sache. Viele Kinder sind beim Bedienen von Smartphone, Tablet oder Laptop fixer als ihre Eltern. Andere Mütter und Väter wissen gar nicht, was der Nachwuchs so alles an Medien konsumiert, was die Kinder an Apps nutzen und welche Webseiten sie besuchen. "Die Eltern sind zum Großteil echt verzweifelt", sagt Verena Ebel. "Da heißt es: miteinander ins Gespräch kommen."

Genau das wollen sie und ihre Mitstreiter vom Berliner Verein Metaversa erreichen. Einer der Wege, diesen Austausch zu initiieren, ist die sogenannte Reise durch die Mediengalaxie - ein Aktionstag, den die Medienpädagogen an Schulen in Berlin und Brandenburg veranstalten. Am Montag an der Grundschule Lichterfelde, finanziert von der Gemeinde Schorfheide.

Je ein Vereinsmitglied gesellt sich am Vormittag zu den Klassen vier, fünf und sechs. "Jeder redet intensiv über die eigene Mediennutzung", erklärt Verena Ebel. Dabei geht es um Chancen und Gefahren, um Privatsphäre, Datenschutz, aber auch um Etikette beim Kommunizieren im Internet.

Verena Ebel übernimmt die vierte Klasse. "Außer fünf Leuten haben da alle ein Smartphone", sagt sie. "Nächstes Jahr sind es dann nur noch zwei oder einer." Entwicklungen wie diese spiegeln sich auch im eigentlichen Kern der "Reise durch die Mediengalaxie" wider: der Tour entlang der Stationen, an denen es Aufgaben zu erledigen gilt. Im Fall der Lichterfelder Schule sind es zwölf Stationen, jeweils vier pro Klasse, die die Kinder selbst vorbereiten.

Die Stationen widmen sich digitalen Plattformen wie YouTube, kulturellen Phänomenen wie der Lust am Selfie und technischen Finessen wie der Virtuellen Realität. "Wir machen das seit sechs Jahren", erklärt Vereinsmitglied Michael Lange. "Das Konzept ist gleich geblieben." Aber: "Die Inhalte verändern sich."

So war zu Beginn noch eine Station zum Thema SMS dabei. "WhatsApp gab's damals noch nicht", sagt Lange. Laut Verena Ebel nutzen beinahe alle Kinder der vierten Klasse aus Lichterfelde diese Kommunikationsplattform. Und: "Sie spielen unglaublich viel Computer."

Das mediale Vorwissen sollen die Schüler beim Vorbereiten der Stationen hinterfragen und gleichzeitig ihrer Kreativität freien Lauf lassen. Am Nachmittag ist dann alles bereit für einen Besuch der Eltern, mit denen sich die Kinder gemeinsam auf die "Reise" begeben.

Während einige Schüler die Stationen betreuen, stellen sich andere gemeinsam mit ihren Eltern den Aufgaben, die es zu bestehen gilt - jedes Mal belohnt durch einen Stempel im "Mediengalaktischen Reisepass", wie ein blaues Begleitpapier heißt. Am Ende gibt es Urkunden für die Teilnehmer.

In der Schule Lichterfelde herrscht am Nachmittag reger Betrieb. Die Teams bahnen sich ihren Weg von einem Stand zum anderen, die über die zwei Etagen des Hauses verteilt sind. Schulleiter Hans-Dieter Weiß hat so einen Andrang gar nicht erwartet. "Das Projekt wird sehr gut angenommen von den Eltern", sagt er. "Die machen alle mit." Aus gutem Grund: "Die Eltern freuen sich, ihre Kinder einmal so selbstständig zu erleben", wie Michael Lange erklärt.

Zum Beispiel die elfjährige Marie aus Lichterfelde: "Es ist sehr interessant, den Leuten alles zu erklären", sagt sie. "Erst war es ungewohnt, dann ging's aber." Neben der Standbetreuung macht sie auch selbst eine Runde durchs Getümmel. Bei Tobias (10) bekommt sie einen kurzen Einblick ins Programmieren von Robotern.

In zwei Minuten müssen die Teams einen kleinen blauen Roboter namens Dash durch einen Parcours lotsen, alles aus der Ferne über die Eingaben in ein Tablet. "Das macht Spaß", sagt Tobias. Ihm hat es der rollende Geselle angetan: "Den wünsch' ich mir zu Weihnachten", erklärt der junge Lichterfelder.

Im Roboter-Steuern probieren sich auch Mareike Hinz und ihr Sohn Theodor aus - ohne größere Probleme: "Ich fand's irgendwie logisch", sagt die Mutter. Der Aktionstag gefällt ihr gut: "Es ist schön, dass sie Kinder und Erwachsene zusammenbringen." Sie selbst weiß gut Bescheid, was ihren Nachwuchs im Internet interessiert: "YouTube vor allem", sagt sie. "Die Kinder haben zu Hause eine Stunde W-Lan." Eine Stunde, in der die Eltern auch mit dabei sind.

Kontakt zum Verein übers Internet: www.metaversa.de

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