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Wenn Mund-zu-Mund-Propaganda wirkt

Wachsamen Auges: Hans-Ulrich und Grit Peters im Gänsegehege, in dem Nandus auf Hunderte der weißgefiederten Vögel Acht geben.
Wachsamen Auges: Hans-Ulrich und Grit Peters im Gänsegehege, in dem Nandus auf Hunderte der weißgefiederten Vögel Acht geben. © Foto: MOZ/Patrizia Czajor
Patrizia Czajor / 13.09.2017, 06:58 Uhr
Löhme/Seefeld (MOZ) Den Erfolg seines Hofladens verdankt Hans-Ulrich Peters aus Löhme vor allem seiner Kundschaft. Die kommt nicht nur aus der unmittelbaren Umgebung. Auch Berliner schauen vorbei, um Gans, Geflügel oder Rind nicht im Supermarkt, sondern direkt beim Bauern zu kaufen.

Nicht nur Personen - sogenannte VIPS - verfügen über einen eigenen Personenschutz. In diesen Genuss kommen auch die Gänse von Hans-Ulrich Peters. Das Beste ist, dass seine fünf Nandus das sogar ganz ohne Bezahlung machen. Mit geradezu strengem Blick wachen die grau gefiederten Laufvögel über die Gänse des Bauern aus Löhme wie andere Tiere über die eigenen Jungen. Der Aussage des Bauern nach zu urteilen, auch mit Erfolg. "Seitdem haben sich keine Füchse mehr an die Gänse herangetraut", schildert Peters, während er in einem Hemd über der dunkelgrünen Latzhose das weitläufige Gehege überquert, dort wo über tausend Gänse wild und wie aufgescheucht herumwatscheln.

Gerade jetzt möchte der 66Jahre alte Landwirt keinen seiner Vögel mit dem reinweißen Gefieder an Wildtiere verlieren. Immerhin stehe in einigen Monaten auch Weihnachten vor der Tür. Dann bricht laut Peters in seinem Hofladen nämlich das "Stoßgeschäft" an. "Mittlerweile verkaufen wir in diesem Zeitraum etwa 1300 Gänse", sagt er.

Das Geschäft lief jedoch nicht von Beginn an so gut. Als er vor 25 Jahren seinen Hofladen eröffnet hat, seien es vielleicht 50Weihnachtsgänse gewesen, die bei ihm über den Ladentisch gegangen seien. "Man braucht zwei bis drei Jahre Puste", fügt der Landwirt hinzu und hält dabei kurz inne, als führe er sich diese schwierige Phase noch einmal vor Augen. Genau genommen ist der jetzige Hofladen sogar der zweite Anlauf von Peters, wie er nach einer kurzen Pause einräumt, als sei es ihm gerade erst wieder eingefallen. "Den ersten musste ich nach zwei Jahren wieder schließen", erzählt er.

Angefangen hat der Bauer zunächst mit dem Verkauf von Eiern. Schließlich kamen Gans, Huhn, Ente, Rind und Pute hinzu. "Ente und Geflügel sind gerade bei asiatischen Kunden sehr beliebt", ist Peters schon früh aufgefallen. An den asiatischen Feiertagen im Januar sowie im Februar verkaufe er etwa 500 bis 600 Hühner in der Woche.

Den Erfolg seines Hofladens, glaubt er, verdanke er vor allem den Käufern selbst. Er ist sich sicher: "Wir leben von einer sehr guten Mund-zu-Mund-Propaganda." Gerade bei dem Verkauf seiner Weihnachtsgänse hat sich diese als unglaublich effektiv erwiesen. "Die Leute schwärmen davon", versichert er nicht ganz ohne Stolz. Und um auch noch die zu locken, die nicht unbedingt wissen, wie so eine Gans überhaupt zubereitet wird, gäbe es beim Kauf auf Wunsch noch ein Rezept dazu.

Als große Hilfe hat sich außerdem die Kooperation mit seinem Sohn erwiesen, der seinen Betrieb außerdem mit Freilandschweinen und Hähnchen beliefert. Dass seine Lebensmittel viel teurer sind als im Supermarkt, findet Peters hingegen nicht. Aber gerade für Schweinefleisch aus der Freilandhaltung oder eine Gans muss man seiner Beobachtung nach durchaus draufzahlen. "Immerhin ist die Haltung mit deutlich mehr Aufwand verbunden", rechtfertigt er den höheren Betrag.

Diese Art der Aufzucht betreibt Peters vor allem aus Überzeugung. Ihm ist wichtig, dass etwa seine Rinder sich draußen an der frischen Luft frei bewegen können, sich bei Regen aber auch in ihren Stall zurückziehen können, den der Landwirt mit Strohliegeflächen ausgestattet hat. Wichtig ist ihm in diesem Zusammenhang nicht allein die tiergerechte Haltung.Bei der Verarbeitung des Fleisches verzichtet er außerdem bewusst auf Zusatzstoffe wie Pökelsalz. "Dann ist die Wurst, die zu Mettwurst oder Salami verarbeitet wird, eben grau", sagt er unverblümt. Von seinen Kunden scheint dieses Modell gut angenommen zu werden. Selbst einige Berliner statteten ihm, wie er sagt, immer wieder einen Besuch ab.

Einen zweiten Hofladen betreibt seine Schwester Grit Peters seit 2004 auch im Ortsteil Seefeld. Dort ist die Produktpalette noch um regionale Lebensmittel wie Senf aus Klosterfelde, Äpfel aus Biesenthal oder Obstwein aus dem Havelland erweitert worden.

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