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Keine Unregelmäßigkeiten am Ketziner CO2-Speicher

Prof. Magdalena Scheck-Wenderoth und Projektleiter Dr. Axel Liebscher informierten während einer Wissenschaftlerkonferenz über den Verlauf der Forschungsarbeiten.
Prof. Magdalena Scheck-Wenderoth und Projektleiter Dr. Axel Liebscher informierten während einer Wissenschaftlerkonferenz über den Verlauf der Forschungsarbeiten. © Foto: Balzer
Wolfgang Balzer / 13.09.2017, 19:19 Uhr
Ketzin/Havel (MOZ) Nach dem in den Jahren zwischen 2008 und 2013 mehr als 67 000 Tonnen überwiegend lebensmitteltaugliches Kohlenstoffdioxid (CO2) in den Ketziner Untergrund injiziert wurden, ist der Speicher mehr als vier Jahre kontinuierlich auf Ausbreitung des CO2 im Untergrund und auf Dichtheit mit modernsten geochemischen und geophysikalischen Methoden überwacht worden. Die Ergebnisse wurden am Mittwoch in Ketzin/Havel auf einer internationalen Konferenz mit den beteiligten Forschern vom Geoforschungszentrum (GFZ) Potsdam und aus mehreren europäischen Ländern vorgestellt und ausgewertet.

Wie der Leiter des internationalen Ketziner Forschungsprojektes am Rande der Konferenz sagte, konnte mit dem Ketziner Forschungsspeicher gezeigt werden, dass sich das klimaschädigende CO2 sicher in die Tief bringen und dort auch speichern lässt. Die mächtigen Schichten aus Tongestein über dem Speicherhorizont bilden eine zuverlässige Abdichtung. Wie er auf Nachfrage bestätigte, hat sich die Gasblase mit einer Ausdehnung von anfangs 300 mal 600 nicht weiter ausgedehnt und ist auch nicht, wie vorher berechnet, gewandert. Letzte Messungen hätten ergeben, dass sie geringfügig geschrumpft ist. Das sei ein natürlicher Prozess, da sich das CO2 nnach und nach im Salzwasser löse. Deshalb könne man aus heutiger Sicht davon ausgehen, dass der Speicher über hunderte von Jahren durch diesen natürlichen Prozess kontinuierlich noch sicherer werde, sagte Liebscher.

Die in den vergangenen Jahren mehrfach geäußerte Befürchtung, dass Salzwasser in die grundwasserführenden Schichten gedrückt werden könnte, schloss der Projektleiter praktisch aus. Die über dem Speicherhorizont liegende und 80-90 Meter dicke Gesteinsschicht verhindert als Barriere die Versalzung der oberflächennahen nutzbaren Grundwasservorkommen.

Im Speichergebiet werde der Boden, auch über der Deckschicht, überwacht. Bisher gäbe es keine Veränderungen, weil das Deckgestein nach oben abdichte. So bestehe keine Gefahr für das Grundwasser, so der Projektleiter. Inzwischen sind auch das Injektionsrohr und die vier Überwachungsrohre herausgezogen und die Bohrlöcher verfüllt worden. Auch an den Rohren selbst und an den Betonummantelungen wurden keine Veränderungen festgestellt, die auf eine Gefahr hindeuten könnten. Mit der mehrjährigen Überwachung endet das Ketziner Forschungsprojekt Ende 2017 und der Speicher, der für eine industrielle Nutzung zu klein ist, kann beim Bergbauamt abgemeldet werden. Allerdings kann sich der Projektleiter vorstellen, nach mehreren Jahren von der Erdoberfläche aus erneut Messungen zu machen. Wie er sagte, hänge das von den Finanzierungsmöglichkeiten ab.

Der Ketziner CO2-Speicher ist der einzige in der Bundesrepublik. Im Gegensatz zu anderen Ländern wie Australien, den USA und Norwegen ist politisch gegenwärtig nicht in Sicht, dass diese ausgereifte Technologie in der Bundesrepublik zum Erreichen der Klimaschutzziele genutzt wird. Wie Reinhard Hüttl, Wissenschaftlicher Vorstand des GFZ, in Ketzin/Havel sagte, wurde hier der Gesellschaft eine Option aufgezeigt, wie der CO2-Eintrag in die Atmosphäre zu reduzieren ist. "Es ist allerdings Sache der Politik, zu entscheiden, ob dieser Schritt beschritten werden soll", sagte er und verwies darauf, dass es in Deutschland erhebliche Widerstände gäbe; in anderen europäischen Ländern wie Norwegen dagegen würden weitere derartige Projekte in großem Maßstab geplant.

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