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Samson Pujul ist Wachmann in der Gemeinschaftsunterkunft Bliesdorf und teilt mit vielen Bewohnern dieselbe Geschichte

Vom Flüchtling zum Flüchtlingshelfer

Sorgt gerne für Sicherheit und Ordnung: Samson Pujul dreht jeden Tag seine Runden und vergewissert sich, dass die Menschen in der Asylbewerberunterkunft Bliesdorf gut miteinander auskommen
Sorgt gerne für Sicherheit und Ordnung: Samson Pujul dreht jeden Tag seine Runden und vergewissert sich, dass die Menschen in der Asylbewerberunterkunft Bliesdorf gut miteinander auskommen © Foto: Tim Benesch
Tim Benesch / 14.09.2017, 07:00 Uhr
Bliesdorf (MOZ) In den 1990er-Jahren, sind Samson Pujul und seine Familie als Flüchtlinge aus Serbien nach Deutschland gekommen. Sie flohen vor dem Jugoslawienkrieg. Heute ist Samson Pujul (31) selbst Sicherheitskraft in einer Gemeinschaftsunterkunft für Flüchtlinge - in Bliesdorf.

"Ich habe das Gleiche durchgemacht wie viele der Menschen hier. Ich kann sie verstehen", sagt Samson Pujul und beginnt seine Geschichte zu erzählen. Mit den Flüchtlingen in der Asylbewerberunterkunft, dem ehemaligen Ausbildungszentrum ÜAZ, verbindet ihn eine Gemeinsamkeit: Auch er floh mit seiner Familie vor mehr als 20 Jahren aus einem Land, in dem der Krieg wütete - Jugoslawien. Kurz nach dem Ausbruch der Auseinandersetzungen 1991, entschieden seine Eltern mit den Kindern das Land zu verlassen und in Deutschland eine neue Heimat zu suchen.

Was es bedeutet, in einer Flüchtlingsunterkunft zu hausen, weiß Samson Pujul gut. Zwei Jahre lebte er mit seinen Geschwistern und Eltern in einer solchen Einrichtung in Kunersdorf. Heute arbeitet er als Wachmann in der Bliesdorfer Unterkunft. Seine Motivation? Die Flucht, die Angst, die Erfahrung selbst in einer solchen Unterkunft gelebt zu haben, berichtet Samson Pujul.

Bevor er nach Bliesdorf kam, war er bereits vielen Tätigkeiten nachgegangen: "Ich war Verkäufer, Bauarbeiter und so weiter. Ursprünglich habe ich Koch gelernt." Das Gefühl, dass Richtige zu tun, hatte er jedoch erst, als er sich vor sechs Monaten bei der Security Agentur Bad Freienwalde (SABF) bewarb und in der Asylbewerberunterkunft zu arbeiten begann. "Hier habe ich gemerkt, dass ich mit dem Herzen dabei bin", sagt der heute verheiratete Mann. "Selbst wenn ich frei habe, bin ich häufig hier", sagt er und unterstreicht, wie gerne er seiner Arbeit nachgeht und welch gutes Verhältnis er zu seinen Kollegen hat.

Das schlechte Bild der Flüchtlinge, das in Wriezen weit verbreitet ist, teilt der gebürtige Serbe nicht: "Ich arbeite mit ihnen zusammen. Sie sind Menschen wie alle anderen auch." "Und", fügt er hinzu, "ich sehe, dass sie sich bemühen. Sie machen Sprachkurse, gehen zum Bewerbungstraining und viele folgen einer Arbeit. Außerdem sind sie dankbar, dass sie in Deutschland sein dürfen."

Der Schichtdienst des 31-Jährigen dauert zwölf Stunden. Seine Aufgaben sind vielfältig. "In erster Linie sorge ich mit den anderen Sicherheitskräften dafür, dass nichts passiert. Das heißt, dass die Leute keinen Ärger machen und miteinander auskommen. Wir gehen regelmäßig unsere Runden und kontrollieren, ob etwas kaputt gemacht oder entwendet wurde", sagt er und ergänzt: "Natürlich fällt auch Papierkram wie die Erstellung von Dienstplänen an." Samson Pujul und Kerstin Grimm, Leiterin und zugleich Vertreterin des Berliner Betreibers Pro Shelter, sind sich einig: "Es ist sehr ruhig bei uns."

In der Flüchtlingsunterkunft in Bliesdorf leben zirka 100 Menschen. Sie kommen aus den verschiedensten Ländern wie Afghanistan, Tschetschenien, Pakistan, Iran, Libanon und anderen. "Alle Bewohner können sich bei uns frei bewegen. Sie müssen sich nur an bestimmte Regeln halten", sagt Kerstin Grimm.

Im täglichen Umgang mit den Bewohnern ist Professionalität ebenso erforderlich wie Respekt. Andreas Schneider, Inhaber und Geschäftsführer der Security Agentur Bad Freienwalde, macht klar: "Freundschaft sollte im Wachgewerbe vermieden werden." Andreas Schneider weiß, wovon er redet. "Ich habe auch mal als kleiner Wachmann angefangen", erzählt er. Freundschaft könne zur Bevorzugung führen und damit eine neutrale Verrichtung der Arbeit verhindern.

Samson Pujul ist seiner Meinung. "Einmal wurde ich gefragt, welcher Religion ich angehöre. Das steht aber nicht zur Debatte. Ich habe einen Auftrag zu erfüllen. Auf keinen Fall darf man private Bindungen eingehen. Das heißt aber nicht, dass ich die Menschen hier nicht gerne haben darf."

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