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Auf dem alten Friedhof in Breslack stehen 111 historische Gräber / Ortsvorsteher Gerhard Kotte will Anlage erhalten und aufwerten

Grabsteine erzählen Kulturgeschichte

Über ein Jahrhundert Zeitgeschichte: Dieser Grabstein aus Sandstein stammt aus dem Jahr 1913, dennoch ist die Inschrift noch sehr gut erhalten. Begraben liegt hier der frühere Mühlenbesitzer August Lenk.
Über ein Jahrhundert Zeitgeschichte: Dieser Grabstein aus Sandstein stammt aus dem Jahr 1913, dennoch ist die Inschrift noch sehr gut erhalten. Begraben liegt hier der frühere Mühlenbesitzer August Lenk. © Foto: MOZ/Hubertus Rößler
Hubertus Rößler / 15.09.2017, 06:45 Uhr
Breslack (MOZ) Friedhöfe und alte Grabstätten haben für viele Menschen etwas Faszinierendes. Das Oder-Spree Journal hat Geschichten rund um Friedhöfe recherchiert - heute in Breslack.

Der kleine Ort Breslack hat momentan rund 200 Einwohner - und zwei Friedhöfe. Auf dem neuen, der sich an der Ortseinfahrt von Wellmitz kommend befindet, werden seit 1958 die Breslacker beerdigt. Und dann gibt es an der ehemaligen Schule noch den alten Friedhof, auf dem seitdem keine neuen Gräber mehr hinzukamen - aus Platzgründen. "Wir haben insgesamt 111 Gräber auf dem alten Friedhof - so etwas findet man in der ganzen Region sonst nirgendwo", sagt Gerhard Kotte. Der 69-Jährige ist seit 2006 Breslacks Ortsvorsteher und setzt sich seit vielen Jahren für den Erhalt des alten Friedhofs in dem Neißemünder Ortsteil ein. "Wenn wir diese Grabsteine verlieren würden, ginge auch ein Stück Kulturgeschichte verloren." Die hohe Zahl der Gräber kommt daher, dass Breslack nach dem Krieg knapp 500 Einwohner hatte - vor allem durch den Zuzug von Flüchtlingen.

"Vor neun Jahren haben wir Rüttelproben gemacht, um die Standfestigkeit der Grabsteine zu ermitteln. Wo es notwendig war, wurde anschließend das Fundament verstärkt. Das Gleiche haben wir nun auch wieder vor - die wackligen Steine wurden bereits hingelegt und müssen nun wieder befestigt werden", berichtet Kotte. Im Großen und Ganzen seien die historischen Steine aber erstaunlich gut erhalten. "Einige sind aus Sandstein, da ist häufig die Schrift verwittert. Doch wir haben schon mit der Breslacker Restauratorin Dorothee Schmidt-Breitung gesprochen und sie hat uns zugesagt, dass sie die Schrift erneuern könnte."

Der älteste Grabstein stammt aus dem Jahr 1873. In jenem Jahr verstarb der Tischlermeister Friedrich Gustav Lenk - Sohn des Mühlenmeisters, wie auf dem Grabstein vermerkt ist. "Auf den meisten Grabsteinen stand früher der Beruf wie Mühlenmeister oder Landwirt. Und bei einigen Frauen finden wir den Zusatz ,Jungfrau'. Dies bedeutet, dass diese Frauen jung und unverheiratet gestorben sind und der Zeit entsprechend also noch keinen Mann hatten", erklärt Gerhard Kotte. Der jüngste Grabstein stammt aus dem Jahr 1963, obwohl es zu diesem Zeitpunkt schon seit sechs Jahren den neuen Friedhof gab. "In jenem Jahr verstarb Martha Dammaschk, deren Mann Hermann bereits 1957 in einem Familiengrab auf dem alten Friedhof beerdigt wurde. Daher wurde diese Ausnahme gemacht."

Auch sieben Soldatengräber befinden sich auf dem alten Friedhof. Der Ortsbeirat hat neben der Pflege und Sicherung der Gräber noch weitere Projekte im Auge: "Wir sind froh, dass hier regelmäßig der Rasen gemäht und die Hecken geschnitten werden. Weniger gefällt uns, wenn Kinder hier spielen. Das kann zum einen aufgrund der teils wackligen Steine gefährlich sein und ist zum anderen auch nicht dem Ort angemessen. Für die Zukunft planen wir daher, einige Schilder aufzustellen, auf denen das Spielen untersagt wird", sagt Gerhard Kotte und ergänzt: "Die kleine Friedhofskapelle ist über die Jahre zugewachsen, man kann nicht einmal mehr die Türe öffnen. Das wollen wir ändern, damit die Breslacker und unsere Besucher sehen können, was sich darin befindet." In dem kleinen Raum steht noch die originale Holztrage, mit der früher die Särge vom Haus des Verstorbenen durch das Dorf zum Friedhof getragen wurden.

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