Das Nachrichtenportal für Brandenburg
Startseite Märkische Onlinezeitung - MOZ.de

Land entlastet Havelländer Verband

Wasserfläche statt Wiese: Die Gewässerregulation allein reicht offenbar nicht, um bei Starkregen-Ereignissen die Überschwemmung von Agrarflächen zu verhindern.
Wasserfläche statt Wiese: Die Gewässerregulation allein reicht offenbar nicht, um bei Starkregen-Ereignissen die Überschwemmung von Agrarflächen zu verhindern. © Foto: MZV
Christian Schönberg / 15.09.2017, 18:31 Uhr
Fehrbellin (MZV) Das Landesamt für Umwelt hat den Rathenower Wasser- und Bodenverband (WBV) "Untere Havel-Brandenburg/Havel" von jeder Mitverantwortung für das Hochwasser im Rhinluch freigesprochen. Das teilte Behördensprecher Thomas Frey auf RA-Nachfrage am Freitag mit.

Der WBV ist mit seinen Gewässern zwischen dem Rhinluch und den Hauptabfluss-Strömen Havel und Elbe zwischengelagert. Dem Verbandsvorsteher vom "Rhin-/Havelluch", Jens Winter, war bei Fahrten aufgefallen, dass nach Starkregen-Ereignissen Wehre dort nicht gezogen waren und Schöpfwerke nicht auf Volllast fuhren, was die Überschwemmungssituation im Rhinluch verschärft haben soll(RA berichtete).

Doch auch als später alle Wehre gezogen waren, änderte sich die Hochwassersituation nicht, so Frey. "Das hat die Auswertung der erhobenen Wasserstandsaufzeichnungen ergeben", sagte er.

Auch der Betrieb des Schöpfwerks Kleßen, auf das die Luchbauern ihre Hoffnung gerichtet hatten, kann "keine Vorflut für die Entwässerung des Rhin- und Havelluchs schaffen", gab Frey zu bedenken. Kleßen liegt zwischen Rhinow und Friesack und der Einfluss des mit Pumpen versehen Werks endet laut Frey bereits im Bereich Friesack - also weit vor dem Rhinluch.

Als Niederungsgebiet ist Letzteres schlichtweg schwer zu entwässern, wenn solche Regenmassen wie beim Rekordregen-Tief Rasmund Ende Juni und darauf folgenden Starkregen-Tagen niedergehen, so die Einschätzung des Umweltsamtes. Das Gefälle ist so gering, dass in solchen Fällen - auch bei allen Anstrengungen der Gewässerverbände - sich eine lang andauernde Hochwasser-Situation nicht vermeiden lasse: "Nach fachlicher Einschätzung des Umweltamtes hätte es also keine Maßnahmen gegeben, die die dramatischen Überschwemmungen landwirtschaftlicher Böden hätten verhindern können", so Frey.

Prekär fürs Rhinluch: Wegen des nach wissenschaftlicher Mehrheitsüberzeugung menschengemachten Klimawandels dürften Starkregen-Ereignisse in künftigen Sommern gehäuft auftreten. Je wärmer Luftmassen werden, desto mehr Wasser können sie aufnehmen beziehungsweise speichern. Treffen diese mit gasförmigem Wasser aufgeladenen Luftmassen auf kalte, kondensiert der Wasserdampf und kommt als Regen nieder. Deutlicher aufgeheizte Luft schüttet also mehr Niederschlag aus als weniger warme. "Mit der Wiederholung solcher Ereignisse muss daher gerechnet werden", schätzt Frey ein.

Wie dem entgegengewirkt werden kann, wird noch zu überlegen sein. Zwar ist geklärt, dass dem Havelländer WBV keine Versäumnisse nachzuweisen sind. Aber insgesamt ist das Sammeln von Mängeln und Defiziten im Fall des Hochwassers noch nicht abgeschlossen - auch was den WBV "Rhin-/Havelluch" betrifft, wie das Umweltamt explizit betont. Die Behörde bemühe sich um eine möglichst objektive Gesamtschau - und will deshalb Daten von allen Verbänden sammeln. Erst nach deren Auswertung, die noch Zeit in Anspruch nimmt, können Vorschläge zur Verbesserung von Starkregen-Lagen gemacht werden.

Kommentare

Um einen Kommentar zu schreiben, melden Sie sich bitte oben rechts an. Falls Sie noch keinen Login haben, registrieren Sie sich bitte.

Alle Leserkommentare geben ausschließlich die persönlichen Ansichten und Meinungen des Autors wieder und sind keine redaktionelle Meinungsäußerung. Für die Richtigkeit und Vollständigkeit der Inhalte übernimmt die Redaktion keinerlei Gewähr.

Ihr Kommentar zum Thema

Kommentartitel
Name
(öffentlich sichtbar)
Email
(wird nicht veröffentlicht)
(Ihr Name wird auch in der Zeitung veröffentlicht. Die Adresse wird nicht veröffentlicht.)
© 2017 MOZ.de Märkisches Medienhaus GmbH & Co. KG