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Wenn die Arbeit dem Hobby entspricht

Dr. Volkmar Richter
Dr. Volkmar Richter © Foto: Wolfgang Balzer
Wolfgang Balzer / 15.09.2017, 19:34 Uhr
Ketzin/Havel (MOZ) Volkmar Richter (71) ist gelernter Schweinezüchter, Mathematiker und Informatiker. Er kandidiert erstmalig für seine Partei für den Bundestag, ist Ortsvorsitzender der FDP in Ketzin/Havel, seit 2014 Vorsitzender der FDP im Havelland und Angehöriger das Präsidiums der Landes-FDP. Als berufener Bürger gestaltet er die Ketziner Kommunalpolitik mit. Volkmar Richter ist verheiratet und hat drei erwachsene Kinder.

Angesichts dieser Fülle von Parteiämtern, kommunalpolitischer Aufgaben und seiner Mitarbeit an einem EU-Projekt als Professor für Informatik an der TU Bratislava und Leiter des Labors für Systementwicklung und Test in Ketzin/Havel wirkt Volkmar Richter im Gespräch doch recht entspannt. Allerdings steht der PC vor ihm immer einsatzbereit, bleibt aber für die eine Stunde ausgestellt.

Die Datenverarbeitung begleitet ihn seit seinem Studium so gut wie täglich. Volkmar Richter lebt seit seiner Arbeitsaufnahme 1969 beim Organisations- und Rechenzentrum der damaligen VVB Tierzucht in Ketzin/Havel und war als Projektleiter, Statistiker und Systemprogrammierer maßgeblich am Aufbau der Datenverarbeitung und -nutzung für die Tierzucht in der DDR beteiligt. 1988 ergab sich für ihn die Chance einer beruflichen Weiterentwicklung. An der Hochschule Anhalt wirkte der Bundestagskandidat als Professor für Betriebssysteme, davon sieben Jahre als Dekan. "Ich lasse mir ungern vorschreiben, was ich zu denken habe", blickte er auf die Zeit in der DDR zurück. Deshalb habe er bereits in der DDR mit dem Eintritt in die Liberaldemokratische Partei Deutschlands geliebäugelt. Daraus wurde es aus beruflichen, persönlichen und auch familiären Gründen nichts.

Allerdings hat er auch zeitweilig mit seiner Partei gehadert. Das Führungsgespann Rößler/Brüderle beurteilte er als zu altbacken und über den Slogan zur Wahl 2013 "Keine Sau braucht die FDP" habe er sich richtig geärgert. Volkmar Richter ist absolut davon überzeugt, dass in der Gesellschaft eine liberale Kraft gebraucht wird. Er setze sich in seinen Parteiämtern besonders für die Rechtsstaatlichkeit ein. Als Beispiel nannte Volkmar Richter den mehrmaligen Kauf von Daten-CD. Für ihn sei das grenzwertig und er wünschte sich, dass es ohne solche Aktionen geht. "Man solle mehr Vertrauen in die Bürger setzen", sagte er seine Meinung und forderte Datenschutz durch aktives Handeln der Politik. Zur aktuellen Diskussion in der Stadt und den umliegenden Gemeinden zu den in Planung befindlichen weiteren Windenergieanlagen auf der Nauener Platte und speziell um Ketzin/Havel vertritt er den Standpunkt, dass bis zur Klärung möglicher gesundheitlicher Probleme, beispielsweise durch Infraschall, und die Nichtspeicherbarkeit des Stromes kein weiterer Ausbau erfolgen sollte. Es sei ein großer Fehler gewesen, dass in der über die Standorte entscheidenden Planungsgemeinschaft Berlin-Brandenburg nur Vertreter aus Gemeinden mit über 10.000 Einwohnern vertreten seien. So wäre zu sehen, welche Gebiete als Windeignungsgebiete ausgewiesen werden. In der Ketziner Kommunalpolitik wirkt Volkmar Richter mit, weil er der Meinung ist, dass die Stadt viel ungenutztes Potential habe, beispielsweise das neue Wohngebiet Baumschulwiese. Man könne versuchen, Ketzin/Havel als Fischerdorf zu erhalten, aber wenn die Stadt sich entwickeln soll, muss hier Wohnraum geschaffen werden. Er könne sich vorstellen, dass ehemalige und inzwischen nicht weiter verfolgte Projekt Wasserstadt Ketzin/Havel noch einmal aufzugreifen. Möglich wäre es seiner Meinung nach, die Fläche von der verlängerten Bergstraße bis zur Hühnerfarm als Wohngebiet zu entwickeln. Sollten Gesetze im Wege sein, könne man die auch ändern, das beträfe gleichfalls die Landesplanung, nannte der Politiker seinen Standpunkt und ist sich der damit verbundenen Probleme voll bewusst. Große- und Kommunalpolitik, nationale und internationale Forschungsarbeit, die gesundheitlich beeinträchtigte Ehefrau betreuen, ist das denn alles mit 71 Jahren zu schaffen? "Such dir ne Arbeit, die deinem Hobby entspricht, dann brauchst du nicht arbeiten" scherzte er. Und außerdem habe er nie vorgehabt, sich mit 65 hinzusetzen und aus dem Fenster zu gucken. Und ernsthaft: " Ich brauche die sozialen Bezüge". Bleibt trotzdem noch ein wenig Freizeit? "Ja morgens zum Rasieren", lacht Volkmar Richter. Der weitere Tagesverlauf sei dann aber ausgebucht, sagte er in aller Ruhe. Und außerdem entfalle jetzt das Rasenmähen. Er habe sich einen Mähroboter angeschafft. Nur eins bedauert der FDP-Politiker: Für sein Hobby Fotografie bleibe zu wenig Zeit. Und da zum nächsten Termin noch ein wenig Zeit blieb, führt er mit sehr berechtigtem Stolz zu seiner Fotogalerie mit unendlich schönen und teils auch originellen Naturaufnahmen. Und da ist dann auch noch so ein recht umfangreiches kleines Museum im Hause mit zahlreicher Fototechnik aus mehreren Jahrzehnten, angefangen mit der Perfekta aus den Fünfzigern für 25 Mark bis zur modernen Digitaltechnik.

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