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Ketziner Kirchen im Fokus

Ortschronist Helmut Augustiniak führte zur Eröffnung durch die Ausstellung im Ketziner Seniorenzentrum.
Ortschronist Helmut Augustiniak führte zur Eröffnung durch die Ausstellung im Ketziner Seniorenzentrum. © Foto: Wolfgang Balzer
Wolfgang Balzer / 18.09.2017, 19:28 Uhr
Ketzin/Havel (MOZ) Warum hat die Etziner Kirche keinen Turm, wie entstand die Königsloge in der Paretzer Dorfkirche, war die Tremmener Kirche eine Wallfahrtskirche, wer ist der Enthauptete in der Falkenrehder Kirchengruft? Alles Fragen, die Helmut Augustiniak, langjähriger Ortschronist in Ketzin/Havel, in seiner neuen Ausstellung im Ketziner evangelischen Seniorenzentrum zu beantworten versucht.

In übersichtlicher Form stellt er die acht Kirchen in der Stadt und das in den sechziger Jahren im evakuierten Dorf Knoblauch abgetragene Gotteshaus in Bildern und mit kurzen prägnanten Informationen zu ihrer Geschichte vor. Nun wurde sie für die Hausbewohner und die zahlreichen Gäste eröffnet.

So erfährt der Besucher, dass die Etziner Kirche zwar einst einen Turm hatte, der aber 1945 in den letzen Tagen des Zweiten Weltkrieges bis auf die Turmmauern zerstört wurde und 1948 durch ein Satteldach ersetzt und der über den Taufstein schwebende Taufengel erst 1980 wiederentdeckt und restauriert wurde. Gutenpaaren hat seine Dorfkirche den Nauener Brüdern Martin, Matthias und Klaus Ronneborn zu verdanken.

Sie ließen diese 1359 als Zufluchtskirche bauen. Bis heute nicht klären konnte der Ortschronist die Geschichte des großen steinernen Sühnekreuzes, wie er zur Eröffnung der Ausstellung sagte. Es wäre eine Besonderheit für Ketzin/Havel und seine Ortsteile, sagte er. Eine von mehreren Vermutungen ist, dass es nach der Ermordung des 1387 im Ort als Pfarrer eingesetzten Brandenburger Domherrn Wilhelm von Berge aufgestellt wurde.

Die denkmalgeschützte Paretzer Dorfkirche ist ebenso wie das Schloss und das Dorf selbst ein Besuchermagnet. Helmut Augustiniak erzählt in der Ausstellung auch, dass nach dem Erwerb des Dorfes durch Friedrich Wihelm III. die Kirche 1797/98 umgebaut, die Königsloge angebaut, und 1820 auf Befehl des Königs das von Johann Gottfried Schadow 1811 geschaffene Tonrelief "Apotheose der Königin Luise von Preußen" angebracht wurde. Noch immer birgt die Tremmener Dorfkirche mit ihren markanten Zwillingstürmen viele Geheimnisse, die wohl kaum noch zu lüften sind, denn die Unterlagen wurden bei dem Großbrand 1794 vernichtet.

Eines dieser Geheimnisse ist, wozu einst die in dieser Gegend ungewöhnliche Außenkanzel diente. Woher die tiefen Kratzspuren in der Außenwand unter der Außenkanzel stammen, ist auch noch nicht ganz eindeutig, aber man ist sich ziemlich sicher, dass sie von Pilgern stammen, die das Pulver in ihre Nahrung mischten und sich davon Heilung versprachen.

Die Ausstellung kann täglich im Seniorenzentrum besichtigt werden. Wer mehr über die Geschichte der neun Ketziner Kirchen erfahren möchte, kann in der Begleitbroschüre nachlesen, die in der Ketziner Tourist-Information erhältlich ist.

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