Das Nachrichtenportal für Brandenburg
Startseite Märkische Onlinezeitung - MOZ.de

Wasserpumpe in Kunow aufgestellt / Projekt aus Bürgerbudget / Anwohner vom Schmuckstück begeistert

Rückkehr der Schwengelpumpe

Michael Dietrich / 19.09.2017, 06:03 Uhr
Kunow (MOZ) Der Schwedter Ortsteil hat wieder eine handbetriebene Wasserpumpe. Viele Anwohner schauten zu, als die tonnenschwere Holzpumpe an ihren Platz schwebte. Sie ist ein Geschenk der Stadt, auserwählt von Schwedter Bürgern, gebaut von einem Kunower.

"Da kann sich die Stadt 'ne Eins für anschreiben", entfährt es dem 79-jährigen Werner Mundt aus Kunow spontan. Vor seinem Hof an der Dorfstraße 22 steht seit Donnerstag eine nagelneue Handschwengelpumpe aus Eiche. Genau an der Stelle, an der bis vor knapp zehn Jahren die Reste einer der historischen Pumpen über einem noch funktionstüchtigen Brunnen vor sich hin witterten. Mundt, der die Eisenteile rettete und die Pumpenrekonstruktion über das Bürgerbudget beantragte, durfte als erster den Schwengel bedienen. Fünfmal pumpte er, dann plätscherte es aus dem gusseisernen Hahn.

Der Nachbau ist natürlich nicht originalgetreu, vielmehr hat Pumpenbauer Mike Schmiedl seiner neuen Wahlheimat ein richtiges Schmuckstück hingezaubert. Einen mächtigen Eichenstamm verwandelte er in der Werkstatt des Brunnenbaubetriebes SBU in Schwedt zum Holzschaft. Er fräste ein Goethe-Zitat hinein, das aussieht, als stünde es auf einem historischen Schriftstück. Den eisernen Kopfdeckel krönt ein Greiff, der an die pommersche Vergangenheit von Kunow erinnern soll. Den alten Handschwengel verlängerte Schmiedl und schmückte ihn mit einer Eule.

"Meine Frau und ich rufen uns gegenseitig ,Eule'", erklärt Werner Mundt, "das ist nicht böse gemeint, eher ein Kosename, weil wir doch Eulenfiguren sammeln." Jetzt erinnert die Eule auf dem Pumpenschwengel für immer an "Eule", den Initiator der Kunower Dorfpumpe.

Es dauerte anderthalb Stunden, bis Michael Buhl und Bernd Krüger von SBU das Pumpengestänge montiert und die Wasserpumpe am Kranhaken herabschweben lassen.

Nachbarn schauen vorbei und halten das Ereignis mit Tablet-Kamera fest, auch Norbert Lipke, der vor seinem Hof eine alte Pferde-Häckselmaschine ausgestellt hat, schaut sich das Spektakel an. Alle loben das neue Schmuckstück.

"Lass bloß kein Eisenteil in den Brunnen fallen", warnte Mike Schmiedl, der sich natürlich nicht nehmen ließ, beim Aufstellen dabei zu sein, "das kostet sonst einen Kasten Bier!" Seinen früheren Kollegen fiel nichts in den 22 Meter tiefen Schacht, dafür passierte ihnen kurz vor der Endmontage ein anderes Malheur. Kolben, Pumpengestänge und Steigrohr waren schon komplett und mit der Pumpe verschraubt, da schauen die beiden verdutzt auf eine Dichtungsscheibe, die nicht eingebaut ist, sondern neben ihnen liegt. Also musste noch einmal aufgeflext und eingefädelt werden.

Mike Schmiedl ist erst vor kurzem von Vierraden nach Kunow gezogen. Der Autodidakt hatte bei SBU elf solcher Holzpumpen gebaut. Mittlerweile arbeitet er für eine Firma in der PCK Raffinerie. Für das Bürgerbudget-Projekt in seiner neuen Heimat ließ sich Schmiedl aber nicht lange bitten. Noch einmal, diesmal nach Feierabend, stellte er sich an die denkmalgeschützte Drehbank bei SBU und ließ die Schwengelpumpe nach Kunow zurückkehren.

Leserforum

Um einen Kommentar zu schreiben, melden Sie sich bitte oben rechts an. Falls Sie noch keinen Login haben, registrieren Sie sich bitte.

Alle Leserkommentare geben ausschließlich die persönlichen Ansichten und Meinungen des Autors wieder und sind keine redaktionelle Meinungsäußerung. Für die Richtigkeit und Vollständigkeit der Inhalte übernimmt die Redaktion keinerlei Gewähr.

Ihr Kommentar zum Thema

Kommentartitel
Name
(öffentlich sichtbar)
Email
(wird nicht veröffentlicht)
(Ihr Name wird auch in der Zeitung veröffentlicht. Die Adresse wird nicht veröffentlicht.)
© 2017 MOZ.de Märkisches Medienhaus GmbH & Co. KG