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In Dahmsdorf praktiziert Jan Sommer (B'90/Grüne) wofür er steht: Bodenschutz, Tierwürde und Artenvielfalt

Kandidat Jan Sommer: Lebt die Politik, die er vertritt

Kandidiert für den Bundestag: Jan Sommer
Kandidiert für den Bundestag: Jan Sommer © Foto: MOZ/Gerd Markert
Gabriele Rataj / 19.09.2017, 06:40 Uhr
Dahmsdorf (MOZ) Am 24. September wählen die Märkisch-Oderländer ihren Favoriten für den Bundestag. Im Wahlkreis 59 (Märkisch-Oderland/Teile des Barnim) bewerben sich acht Direktkandidaten. Die MOZ stellt sie vor. Heute: Jan Sommer für Bündnis 90/Die Grünen.

Jan Sommer lebt die Politik, die er vertritt: Eine Landwirtschaft ohne Gifte und Massentierhaltung. Dieser Anspruch ist sein Alltag. Auf einer Fläche, die seit Jahrzehnten keine Ackergifte sah, von Jan Sommer und seiner Partnerin Carmen Becker inzwischen ebenso behandelt wird und als 1. Brandenburger Schutzacker für Ackerwildkräuter öffentlich gewürdigt wurde. Oder mit Gemüse für den Hofverkauf und dem Anbau alter Getreidesorten. "Man kann Beispiel sein im Umgang mit Tieren und Boden. Das versuchen wir", sagt der studierte Landwirt. Auch in der Zusammenarbeit mit der Hochschule für nachhaltiges Wirtschaften in Eberswalde, "wo wir gut nachgefragte Kurse geben". Doch es gebe dringende Fragen, die es auf Landes-, auf Bundesebene zu regeln gelte. Über schonenderen Umgang mit Boden hinaus beispielsweise dieser als Spekulationsobjekt. Und solche lösten sich nicht von allein.

Seinen politischen Anfang sieht Jan Sommer in seiner Berliner Studentenzeit 1996/97, als die landwirtschaftliche Fakultät an der Humboldt-Uni abgewickelt werden sollte. Die Demos mit dem Trecker in den Ferien sind ihm noch in Erinnerung. Später die Diplomarbeit zur EU-Osterweiterung, für die er in Brüssel EU-Politiker befragte und so mit dem Grünen-Abgeordneten Graefe zu Baringdorf in Berührung kam. Drei Jahre war er dessen Büroleiter, "wo ich Politik auf ganz verschiedenen Ebenen kennen lernte".

Das müsse man können, ist seine Erkenntnis, man müsse die Unterschiede sehen zwischen den Gruppen und diese dennoch einbeziehen, um auf politischem Wege Zukunftsfragen angehen zu können.

Hier schlägt Jan Sommer den Bogen zu Zielen, die auf seinen Wahlplakaten ins Auge stechen: Artenvielfalt statt Ackergiften, Bodenschutz und Tierwürde, bunte Bauernhöfe, lebendige Dörfer. Dieser Weg müsse mit allen in der Landwirtschaft - ob kleiner Hof, GbR oder Genossenschaft - solidarisch gegangen werden, und über Parteigrenzen hinweg getragen, ist seine Auffassung zu strukturellen Wandlungen. Als Rückwärtswende versteht Jan Sommer einen Strukturwandel indes nicht, sondern eher als Sein-Handwerk-modern-Verstehen. Natürlich besäße der WaldPferdeHof Dahmsdorf auch einen Traktor. "Was ist wo am besten, lautet die Frage seiner Einsatzmöglichkeiten. Wichtig ist immer, wie es dem Boden geht." Auch Landwirtschaft-digital 4.0 könne ein Hilfsmittel sein, aber letztlich brauche eine Pflanze den Boden.

Verbieten oder Anordnen seien keine Option. "Soll ein Betrieb auf Ackergifte verzichten, dann muss er auch dazu befähigt werden und das bedeutet Aufwand", spricht sich Jan Sommer für finanzielle und zeitliche Rahmenbedingungen aus. Dazu müssten Fördertöpfe anders gestaltet werden, brauche es Zuschussförderung für ökologisch Erzeugtes, müssten Win-Win-Situationen bis hin zu Kita- und Schulspeisung geschaffen werden.

Zur Person:


■ Geboren 1970 in Düsseldorf. Nach dem Abitur leistete er Zivildienst in Aachen.
■ Er studierte Agrarwissenschaften an der Humboldt-Uni Berlin, agierte als Büroleiter des Grünen-Abgeordneten Graefe zu Baringdorf am EU-Parlament und baute in Berlin den Informationsdienst "Keine Gentechnik" auf.
■ 2007 begann er als Forstunternehmer mit Rückepferden, ab 2009 mit seiner Partnerin in Dahmsdorf den Demeter-Bauern- und Waldpferdehof aufzubauen.
■ Er ist Mitglied des Kreistages MOL für Bü. 90/Die Grünen.

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