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Ex-Kantor erhält Kirchenverbot

Dietmar Stehr / 19.09.2017, 18:33 Uhr
Lindow/Gransee (MZV) Weil er zum evangelischen Gottesdienst in Lindow ein T-Shirt mit der Aufschrift "Homo,Ehe'? Nein!!" tragen wollte, hat der Granseer Ex-Kantor Martin Schubach ein Kirchen-Hausverbot ausgesprochen bekommen.

Schubach selbst machte den Fall am Dienstag öffentlich. Demnach ließ er sich das T-Shirt eigens herstellen, um im Sommer seine ablehnende Haltung zur "Ehe für alle" in die Öffentlichkeit zu tragen. Unter anderem lief er damit über den Kirchentag in Berlin und besuchte schließlich auch mit seiner Familie einen Gottesdienst in der Lindower Kirche.

Dort fühlte sich laut Pfarrer Holger Baum ein Besucher vom T-Shirt-Aufdruck herabgewürdigt. Daraufhin sei Schubach aufgefordert worden, das Kleidungsstück abzulegen. Als er sich weigerte, wurde der Granseer des Hauses verwiesen, während seine Familie bleiben durfte. Ob das Hausverbot Bestand hat, darüber wird am morgigen Donnerstag der Lindower Gemeindekirchenrat entscheiden.

Martin Schubach sieht schon jetzt seine Meinungsfreiheit verletzt. "Wenn der Bundestag aus meiner Sicht etwas Absurdes beschließt, muss ich damit nicht einverstanden sein." Als Diskriminierung gleichgeschlechtlicher Partnerschaften versteht er seinen Protest nicht. "Das geht nicht gegen Menschen, sondern gegen eine nicht funktionierende Institution."

Holger Baum verteidigte indes das Hausverbot. Die Kirche sei eine Gemeinschaft von Schwestern und Brüdern, in der jeder Mensch so sein solle, wie er ist. "Wir wollen Herrn Schubach seine Meinung nicht verbieten. Wir wollen aber auch nicht, dass er andere ausgrenzt oder verletzt", so Baum unter Verweis auf das Gebot der Nächstenliebe.

Zum September vorigen Jahres hatte Martin Schubach bereits seine Stelle als Kreiskantor des evangelischen Kirchenkreises Oberes Havelland und als Kirchenmusiker in Gransee aus Protest dagegen aufgegeben, dass die Landeskirche die Trauung gleichgeschlechtlich Lebender erlaubte. Seitdem ist er arbeitsuchend.

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