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Namentliche Abstimmung der Gemeindevertreter von Küstriner Vorland zum Norma-Vorhaben

Klares Votum für Discounter

Ulf Grieger / 20.09.2017, 07:32 Uhr
Manschnow (MOZ) Die Gemeindevertretung von Küstriner Vorland hat mehrheitlich der Bauanfrage von Norma-Expansionsleiter Bastian Rudelt zugestimmt, auf dem Areal zwischen den Bundesstraßen einen neuen Markt zu bauen. Er wird eine Verkaufsfläche von 1000 Quadratmetern haben.

Die Frage "Wie hältst du es mit dem Norma-Markt?" war in den vergangenen Monaten zur Gretchenfrage im Amt Golzow avanciert. Insbesondere seit sich die Gemeindevertretung im Mai 2016 gegen die Neubaupläne ausgesprochen hatte, weil sie den Befürchtungen der ansässigen Unternehmen Rechnung tragen wollte. Es bildete sich die Bürgerinitiative "Pro Norma", in sozialen Netzwerken wurde für den Discountmarkt geworben. Das führte dazu, dass sich im Laufe der Zeit auch die Stimmung innerhalb der Gemeindevertretung immer mehr zu Gunsten des Marktneubaus änderte. Demnach war das Misstrauen so groß, dass die Gemeindevertreter Peter Kunert und Rüdiger Strissel eine namentliche Abstimmung verlangten. Raimar Wendland, der zu den Eigentümern der von Norma auserkorenen rund einen Hektar großen Fläche gehört, erklärte sich bei der Abstimmung für befangen. In der Debatte verließ er demonstrativ sine Platz.

In der Bürgerfragestunde machte Fontana-Chef Klaus Henschel seine Bedenken gegen den Marktneubau deutlich. Er forderte, dass im Falle einer Ansiedlung von Norma die Geldzuflüsse an die Gemeinde klar zu regeln seien, um die finanzielle Situation von Küstriner Vorland zu verbessern. Andere Bürger wiederum verwiesen auf vergleichbare Kommunen wie Joachimsthal, wo verschiedene Einkaufsmärkte nebeneinander Bestand haben. Auch in Letschin oder Lebus sei das so. Mit der Ansiedlung eines weiteren Marktes würden mehr Menschen nach Manschnow gelockt, gaben sich viele überzeugt.

Norma-Expansionsleiter Bastian Rudelt erläuterte, dass der Bau des 1000 Quadratmeter großen Norma-Marktes der erste Schritt sei. Es sei geplant, weitere Anbieter wie Getränkehändler, Bäcker oder andere perspektivisch mit auf dem Gelände anzusiedeln. Rund 115 Pkw-Stellflächen sind vorgesehen, wobei es sowohl von der B112 als auch von der B1 Zufahrten geben soll. Rudelt rechnet für das Bauantragsverfahren und die Änderung der Flächennutzungspläne mit einem halben Jahr und dann noch einmal für die Realisierung mit einem Jahr. Die Eröffnung könnte so grob geschätzt in anderthalb Jahren erfolgen. Sämtliche Kosten für das Bebauungsplanverfahren werde der Investor, in diesem Fall direkt die Norma Lebensmittelhandels Stiftung & Co KG mit ihrer Blumberger Niederlassung, übernehmen. Einnahmen für die Gemeinde fließen zum einen aus der Einkommenssteuer der Beschäftigten. Bei der Projektvorstellung im Mai 2016 hatte er von sechs Mitarbeitern gesprochen. Zum anderen werde der Discounter auch in Manschnow Gewerbesteuern zahlen.

Erneut reagierte Rudelt auf die Befürchtung ansässiger Unternehmen. Er betonte, dass Norma kein Vollsortimenter sei wie Edeka und kein Fachmarkt.

Bei der namentlichen Abstimmung stimmten Thomas und Gudrun Wurl, Detlef Bräuning und Gisela Henschel gegen den Beschluss. Wolfgang Sauer enthielt sich der Stimme. Die übrigen Gemeindevertreter stimmten für den Antrag. Das wurde von den Gästen mit Applaus belohnt.

Die Baufläche des Norma-Marktes hat für das Oderbruch eine historische Bedeutung. Dort stand eine Wiege der Gemüseproduktion unter Glas im Oderbruch. 1906 begann Willem van Spronsen mit der Produktion des Treibhausgemüses an der damaligen Reichsstraße 1, die Küstrin mit Berlin, aber auch Königsberg / Ostpreußen mit Aachen verband. Der letzte Van Spronsen, Marinus, hatte 1953 aus Protest gegen die Zwangskollektivierung das Oderbruch verlassen. Die Gärtnerei kam zur LPG "Pascha Angelina", die nach der ersten sowjetischen Traktoristin benannt worden war. Bis zu 15 Beschäftigte arbeiteten in dem flacheren Gewächshaus für Gurken und dem höheren für Tomaten. Bis zur Wende gehörte die Gärtnerei zur Kooperativen Abteilung Pflanzenproduktion (KAP) und war danach dem Verfall preisgegeben. Vor siebeneinhalb Jahren wurde der Schornstein gesprengt.

Kommentar

Wird der Wirtschaftsstandort Manschnow durch den neuen Norma-Markt gestärkt? Viel spricht dafür. Die Konzentration verschiedener Einkaufsmöglichkeiten auf dem Areal an den beiden Bundesstraßen dürfte den Kundenstrom verstärken und für Synergien sorgen.Die Befürchtungen von ansässigen Produzenten und Händlern, dass die Kaufkraft der Region für sie nicht mehr ausreichen könne, können durch mehr Kunden ausgeräumt werden.Und doch bleibt ein schaler Beigeschmack. Denn das künftige Norma-Areal war einmal als "Klein Holland" Produktionsstätte des Gartenbau-Pioniers Willem Van Spronsen. Dort wurde nicht so billig wie möglich verkauft, sondern der günstige Produktionsstandort Oderbruch vor den Toren der Millionenmetropole Berlin genutzt. Dass nun per Flächennutzungsplan-Änderung traditionelles Gärtnerland in Kaufhalle und Parkplatz verwandelt wird, dürfte auf lange Sicht keine Stärkung sein. Ulf Grieger

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