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Spreebrücke Briescht muss saniert werden / Tropenholz fault / Geschätzte Kosten: 400 000 Euro

Marodes Wahrzeichen

Tatjana Littig / 21.09.2017, 07:17 Uhr
Briescht (MOZ) Die Zugbrücke in Briescht prägt das Ortsbild. Nach historischem Vorbild wurde sie 1992 im Auftrag des Landkreises erbaut. 50 bis 70 Jahre soll sie halten - tut sie aber nicht. Das tropische Holz hat faulige Stellen. Die Gemeinde rechnet mit Kosten in Höhe von 400 000 Euro.

Seit zwei Jahren beobachtet Lars Reinicke vom Taucher Bauamt die Spreebrücke in Briescht ganz genau. Es ist noch immer eine schöne Brücke, gar keine Frage, doch in diesem Jahr hat er die Handbremse gezogen. Von zwei Koryphäen auf dem Gebiet der Tropenhölzer hat er ein Gutachten zum Zustand der Zugbrücke erstellen lassen. Kosten für die Gemeinde: 10 000 Euro. Drei Tage im Juni waren die beiden Männer dafür mit einem wissenschaftlichen Mitarbeiter und entsprechenden Gerätschaften vor Ort. "Ich habe eine Überwachungs- und Verkehrssicherungspflicht", begründet Lars Reinicke den Schritt.

Wer die Brücke genau betrachtet, der erkennt, dass die vergangenen 25 Jahre nicht spurlos an ihr vorübergegangen sind. Der Bohlenbelag weist an verschiedenen Stellen Ausplatzungen auf, mühelos kann Lars Reinicke ein Messer durch faulige Stellen schieben. Einige Traghölzer unter der Fahrbahn haben Querrisse, die durch Feuchtigkeit entstanden sind. Ein Pfahl, der im Wasser steht, ist im Umfang geschrumpft. Trotzdem besteht Lars Reinicke darauf: "Die Tragkonstruktion der Brücke ist grundsätzlich gut."

Baustellen gibt es an der Zugbrücke dennoch zur Genüge: Aus Sicht des Sachbearbeiters müssten der Bohlenbelag und die Schrammborde ausgetauscht werden. Zwischen Bohlenbelag und Tragkonstruktion schwebt ihm eine Bitumenbahn und eine Blechabdeckung vor, um die Tragkonstruktion in Zukunft vor Wasser von oben zu schützen. Zudem sollen die Waagebalken, die für das Öffnen der Brücke verantwortlich sind, eine Abdeckung erhalten und der bereits angesprochene Pfahl durch Hölzer verstärkt werden.

Die Gemeinde rechnet mit Kosten in Höhe von 400 000 Euro - eine Hausnummer, die nicht so einfach zu stemmen ist. Zahlen verdeutlichen das: Tauche ist in der Haushaltssicherung. Der Gemeinde stehen für 2017 investive Schlüsselzuweisungen in Höhe von 135 000 Euro vom Land zur Verfügung. Für Instandhaltung der Infrastruktur sind in der Zeit 500 000 Euro vorgesehen. Woher das Geld für die Brücke kommen soll? Lars Reinicke zuckt mit den Schultern. "Die Gemeinde prüft Fördermöglichkeiten", erwidert er.

Auf einem Schild an der 72 Meter langen Zugbrücke steht geschrieben: "Die Lebensdauer der Brücke beträgt 50 bis 70 Jahre und entspricht somit der Lebensdauer einer Stahlbetonbrücke." Wie es zu dieser Fehleinschätzung kommen konnte? Bei der Konzeption der Brücke habe man sich auf Gutachten zu Tropenholz aus den 80er-Jahren verlassen und dabei das Mikroklima vor Ort nicht bedacht, erklärt Lars Reinicke. "Wenn man hier morgens lang kommt, ist es wie in einer Waschküche. Dampf steigt von unten auf", schildert er. Die Folge: Das Holz trocknet nie richtig durch - und dadurch fault es hier und dort.

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Brigitte Schmidt 21.09.2017 - 18:15:11

Fehleinschätzung kostet den Steuerzahler mehrere 100.000 €

Mal wieder eine "Fehleinschätzung" die den Steuerzahler richtig Geld kostet, das man an derer Stelle sicher besser einsetzen könnte. Wer ist verantwortlich für diese Fehleinschätzung? Mal wieder keiner ... Aber das ist ja nicht das erste Mal. (Beim BER ist das doch genauso.) Wenn hier das Geld zum Fenster rausgeschmissen wird und keiner war's ist das ja wohl eher die Regel. "Wie es zu dieser Fehleinschätzung kommen konnte?" Natürlich wie immer - Beamte (Sesselpupser) die ja eh nichts zu verlieren haben. Ihre Pensionen sind gesichert. Zahlen nicht in die Rentenkasse ein - was kostet die Welt. "Ich habe eine Überwachungs- und Verkehrssicherungspflicht", begründet Lars Reinicke - aber die kostet doch auch Geld (Geld vom Steuerzahler). "Die Gemeinde prüft Fördermöglichkeiten" - Die guten alten Fördermöglichkeiten. - Da fehlen mir schlichtweg die Worte.

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