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Hoffnungslose Situation fürs Herrenhaus

Das über 300 Jahre alte Herrenhaus in Hohennauen steht seit Ende der 1980er leer und verfällt. Rettung ist weiter nicht in Sicht.
Das über 300 Jahre alte Herrenhaus in Hohennauen steht seit Ende der 1980er leer und verfällt. Rettung ist weiter nicht in Sicht. © Foto: weber
Simone Weber / 21.09.2017, 16:35 Uhr
Seeblick/Hohennauen (MOZ) Das ehemalige Herrenhaus am Hohennauener Ortseingang, aus Richtung Rathenow, ist durch hoch gewachsene Bäume weitgehend verdeckt. Dadurch bleibt auf 100 Prozent biologische Weise die Sicht auf diesen Schandfleck verwehrt. Das unter Denkmalschutz stehende Gebäude ist nur noch eine Ruine, das Dach ist teilweise eingefallen. Aufkeimende Hoffnungen, dass eine Rettung durch kommunales Engagement möglich sei, sind seit dieser Woche wieder zerstört.

Seit Ende der 1980er Jahre steht das etwas mehr als 300 Jahre alte Herrenhaus nun schon leer. Anfang der 1990er Jahre verkaufte die damals noch eigenständige Gemeinde Hohennauen die Immobilie (inklusive Park) an einen Berliner Unternehmensberater. Nach Sanierung sollte das Gebäude als Bildungsstätte genutzt werden und den Tourismus ankurbeln. Nachdem der Eigentümer in wirtschaftliche Schwierigkeiten geriet, waren auch die erhaltenen Fördermittel weg. Der Verfall setzte sich fort, der Park verwildert zusehends.

Nun ist der Eigentümer verstorben. Sein Sohn, der Erbe der Immobilie, bot sie nun der Gemeinde, der der Hohennauen gehört, für einen symbolischen Euro zum Kauf an. Darüber wurde am Dienstag in Gemeindevertretersitzung diskutiert.

"Die Geschichte des Herrenhauses ist lang und auch die der mehreren Versuche der Rettung und Neunutzung", so Amtsdirektor Jens Aasmann (SPD). "Bei einem Kauf muss die Gemeinde bedenken, dass sie als neuer möglicher Eigentümer zunächst für die Sicherungspflicht beim Gebäude zuständig wäre. Ein Gutachten, das die Gemeinde tragen müsste, würde 1.000 bis 1.500 Euro kosten."

In Gesprächen des Amtes Rhinow räumte die Untere Denkmalschutzbehörde beim Landkreis keinen Spielraum bei den Denkmalschutzauflagen ein. Da der bisherige Eigentümer dazu nicht in der Lage war, sprang der Landkreis bei der derzeitigen Sicherung des Grundstücks ein.

"Es tut weh zu sehen, wie das Herrenhaus verfallen ist", waren sich Bürgermeister Ulf Gottwald (Gemeinde Seeblick) und Ortsvorsteherin Margrit Czoski (Hohennauen) einig. Und Gemeindevertreterin Alexandra Czoski meinte: "Die Kosten für eine Einzäunung wären für unsere kleine Gemeinde zu teuer". Und weiter sagte sie: "Die Frage wäre auch, wie man das Gebäude nutzen will. Und selbst ein Abriss würde teuer werden." Amtsdirektor Aasmann sieht, auf Grund des aktuellen Zustands, keine Perspektive für eine Sanierung und Nutzung des Herrenhauses. "Für einen Wiederaufbau des Gebäudes ist es 15 Jahre zu spät", stimmte auch Gemeindevertreter Patrick Höffler zu.

Die Ernüchterung ist groß. Vor einigen Wochen noch hatte ein Besuch von Landrat Lewandowski (CDU) noch etwaige Hoffnungen genährt, dass das Herrenhaus noch zu retten sein könnte (BRAWO berichtete). Einige Sätze im betreffenden beitrag über den Landratsbesuch führten zu mehreren Anrufen von Bürgern im Amt Rhinow, die es begrüßten, dass endlich etwas mit der Ruine passiere. "Das ehemalige Herrenhaus wurde nach Kriegsende als Schule und Kinderheim genutzt. Von 1951 bis 1959 bin ich selbst hier zur Schule gegangen", erinnerte sich Doris Augstein, die in der Zeitung davon las und deswegen zur Gemeindevertretersitzung kam. "Später zog das Kinderheim in das neue Schloss in der Pareyer Straße. Bis 1986 diente das Herrenhaus noch als Schule."

Die gebürtige Hohennauenerin setzte sich damals für den Neubau der heutigen Kleinen Grundschule ein, sammelte Unterschriften dafür. So entstand das neue Schulgebäude direkt neben dem alten Herrenhaus. "Auch wenn die Gemeinde Haus und Grundstück jetzt geschenkt bekäme, würde sie damit auch die Verantwortung dafür übernehmen", so Doris Augstein weiter. "Wenn ein Erhalt des Herrenhauses nicht möglich ist, sollte man sich davon trennen. Auch wenn es weh tut." So entschieden sich auch die Gemeindevertreter gegen den Kauf des Herrenhauses und des dazu gehörigen Parks. Der Verfall setzt sich also fort. Da denkmalgeschützt, kommt ein Abriss nicht in Frage.

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