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Mit Müllers Kindern zum Team

Julia Lehmann / 22.09.2017, 06:40 Uhr
Hohenfinow (MOZ) Sich gegenseitig zuhören, sich tolerieren und wertschätzen - Kinder müssen soziale Kompetenzen wie diese in ihrem Leben erst erlernen. Schule und Elternhaus benötigen da manchmal Unterstützung. Die Thementage von Katharina Klatt können da aushelfen.

Die Müllerskinder haben einen Streit. Das gefällt der Mühlenmuhme gar nicht. Die belegt die Kinder mit einem Fluch, den nur freundlicher und fairer Umgang miteinander aufheben kann. Das ist der Kontext, den Sozial- und Erlebnispädagogin Katharina Klatt mittels Einspielungen aus dem Lautsprecher geschaffen hat, um die Falkenberger Grundschüler zu animieren.

Sie sind am Montag zu Katharina Klatt auf den Hof der Wassermühle Hohenfinow gekommen, um spielerisch soziale Fähigkeiten wie Teamarbeit, Achtsamkeit und Konfliktfähigkeit zu trainieren. Auch Selbst- und Lebensvertrauen, Toleranz und Demokratiefähigkeit sind Kompetenzen, die bei den Drittklässlern entwickeln werden sollen. Katharina Klatt führt diesen Thementag aktuell mit allen Klassen der Falkenberger Grundschule durch. Um das Ganze unterhaltsamer zu machen, bedient sich die 51-Jährige bei Legenden aus der Region.

"Sozial kompetent zu handeln, bedeutet, im Spannungsfeld zwischen den eigenen Zielen und Forderungen der Gemeinschaft zu vermitteln (...)", schreibt Katharina Klatt auf ihrer Internetseite. Über zwei Stunden hinweg absolvieren die Schüler schwieriger werdende sogenannte kooperative Abenteuerspiele, in denen diese Reibungspunkte geschaffen werden. "Ich halte es für zu spät, mit der Erarbeitung solcher Fähigkeiten erst in der siebten Klasse zu beginnen", sagt Katharina Klatt.

Skifahren allein kann für Ungeübte zur Herausforderung werden. Zu fünft auf einem Paar zu fahren hingegen, erfordert genaue Absprache, damit es gelingt. Nur durch Rücksichtnahme auf den anderen kann es gelingen, sich auf den Skiern vorwärts zu bewegen. In Teams aufgeteilt, müssen sie den rechten oder linken Skier jeweils gleichzeitig anheben, damit es klappt. Katharina Klatt lässt die Kinder ein Weile üben. Unter lautem Gelächter plumpsen sie immer wieder übereinander. Einem Jungen scheint genau das am meisten Spaß zu machen. Immer wieder versetzt er seinem Vordermann einen kleinen Schups, damit die ganze Gruppe wie in einer Kettenreaktion umfällt.

Die Sozialpädagogin ordnet eine kurze Pause an. "Was hat euch denn geholfen, vorwärtszukommen?", will sie wissen. "Wenn einer die Ansagen macht", sagt ein Mädchen. Auf andere hören, das sei für Kinder dieses Alters besonders schwierig, sagt Katharina Klatt am Rande des Thementages. "Sie sind noch sehr auf sich bezogen", erklärt die gebürtige Plauerin. Damit die Kinder lernen, mehr auf die Bedürfnisse ihrer Mitschüler zu achten, hat Klassenlehrerin Marion Karas nach einem ersten Thementag in Hohenfinow einen Klassenrat ins Leben gerufen, den die Schüler selbstständig ein Mal im Monat auswerten. Wünsche und Sorgen können vorab in einen Briefkasten gesteckt werden, die dann besprochen werden. Außerdem wurden Klassenregeln erarbeitet.

Marion Karas wünscht sich eine Sache für ihre Klasse besonders. "Die Kinder, die sehr auffällig sind, sollen lernen sich zurückzunehmen und die eher schüchternen von den anderen mitgenommen werden." Durch das gemeinsame Lösen von Aufgaben, für die sonst im Schulkontext kaum Zeit bleibt, können sich die Kinder neu ausrichten, lautet das erklärte Ziel. Sich aufeinander verlassen, sich loben und ausreden lassen - all das trainiert Katharina Klatt auch in Übungen wie dem Bilden des Buchstaben X mit den eigenen Körpern oder dem Transport einer "Bombe" mittels eines selbst gesponnenen Spinnennetzes. Nur ein Mal fällt die Bombe auf den Boden. Für die Befreiung der Müllerskinder hat es trotzdem gereicht. "Juhu, wir sind erlöst", schallt es aus dem Lautsprecher.

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