Das Nachrichtenportal für Brandenburg
Startseite Märkische Onlinezeitung - MOZ.de

Leistungspflügen und Erntekronen

Heute sieht es idyllisch aus. Früher war die Feldarbeit harte Arbeit, die für das überleben sorgte.
Heute sieht es idyllisch aus. Früher war die Feldarbeit harte Arbeit, die für das überleben sorgte. © Foto: MZV
Erhard Herrmann / 22.09.2017, 07:23 Uhr
Fohrde (MZV) Zwei Tage lang wurde in Fohrde der Kreiserntetag gefeiert. Begonnen wurde er mit dem typischsten Arbeitsschritt in der Landwirtschaft, dem Pflügen. Beim Kreisleistungspflügen ging es um das beste Ebenmaß, die Ideallinie, den deutlich erkennbaren Furchenkamm, bei gleichmäßiger Einhaltung einer geforderten Tiefe von 20 Zentimetern zu halten. "Denn ein gutes Pflügen spart nicht nur Unkrautvernichtungsmittel, sondern ist auch die Grundlage für einen guten Ertrag", ist allen Landwirten klar. Aber trotz guter Arbeit und viel Hightech bei den Arbeitsgeräten geben die Erträge eigentlich keinen Grund, um zu feiern. Betrachtet man den gesamten Getreide- und Rapsbereich, haben die Brandenburger Bauern aller Voraussicht nach rund 45 Millionen Euro weniger Erlös in ihren Taschen als 2016. Und dieses war schon ein schweres Jahr. Somit ist es die dritte enttäuschende Ernte hintereinander. Grund waren die Wetterkapriolen. Der Süden Brandenburgs hatte durch ausbleibende Frühjahrsniederschläge äußerst geringe Erträge zu verzeichnen. Während den Norden des Landes recht gute Ergebnisse erwarteten, aber wegen der überfluteten, durchnässten Felder die Ackerkulturen nicht geerntet werden konnten. Eine andere Schwierigkeit betrifft die Qualitäten. Durch die anhaltende Feuchtigkeit kann viel vom Getreide nicht mehr für Brot vermarktet werden und musste zu Tierfutter verarbeitet werden. Unberechenbares Wetter und schwankende Preise bedeuteten in den letzten Jahren das aus vieler Betriebe. Alleine im Landkreis Potsdam-Mittelmark ist die Anzahl von 768 landwirtschaftliche Betriebe im Jahre 2003 auf nur noch 519 gesunken. Kleinste Betriebe mit wenigen Hektar sind mittlerweile ganz von der Ackerfläche verschwunden. Dennoch, Brandenburg bleibt ein Agrarland. Schließlich sind in der brandenburgischen Landwirtschaft rund 38.900 Personen davon 15.900 in Vollzeit beschäftigt. Die Betriebe mit Tierhaltung sorgen mit 532.000 Rindern, 803. 000 Schweinen, 78.000 Schafe n und 8,4 Millionen Hühnern für genügend Nachschub auf den Erzeugerhöfen und in den Supermärkten. Also doch ein Grund, um den Kreiserntetag zu feiern! Schließlich gehört es seit vielen Jahrhunderten dazu, dass das Einbringen der Ernte gefeiert wird. Denn die Arbeit musste und muss heute noch immer erledigt werden, ganz unabhängig vom Ertrag. Höhepunkt des Kreiserntefestes war sicherlich der große Festumzug. Zuerst marschierten die Teilnehmer in der Kleidung und mit Arbeitsmitteln von damals durch das Dorf. Anschließend folgte eine lange Schlange mit alten Traktoren und modernen Erntemaschinen. Hinzu kam der leckere Landfrauen-Kuchen, Kartoffelpuffer, Milchshakes und Herzhaftes aus der Hofgastronomie für jeden Geschmack war etwas dabei. "Weiblich, ländlich, kreativ" - wichtiger Aktivposten waren wieder einmal die Landfrauen. Sie können mehr als nur Kuchenbacken oder die Erntekrone binden. Obwohl schon über 100 Jahre aktiv, ist die Landfrauenbewegung heute zeitgemäßer denn je. Wichtig vor allem: Bei den Landfrauen geht es nicht nur um die Landwirtsfrau, sondern um jede Frau vom Land, ganz gleich welchen beruflichen Einschlag sie hat. Bei den Landfrauen ist zudem eine Mischung aller Altersklassen gewünscht. Die bunte Vielfalt von Jung und Alt macht das Miteinander gerade so interessant und lehrreich für alle. Sie sind ein Garant dafür, dass die Dörfer als lebendige Orte erhalten bleiben.

Leserforum

Um einen Kommentar zu schreiben, melden Sie sich bitte oben rechts an. Falls Sie noch keinen Login haben, registrieren Sie sich bitte.

Alle Leserkommentare geben ausschließlich die persönlichen Ansichten und Meinungen des Autors wieder und sind keine redaktionelle Meinungsäußerung. Für die Richtigkeit und Vollständigkeit der Inhalte übernimmt die Redaktion keinerlei Gewähr.

Ihr Kommentar zum Thema

Kommentartitel
Name
(öffentlich sichtbar)
Email
(wird nicht veröffentlicht)
(Ihr Name wird auch in der Zeitung veröffentlicht. Die Adresse wird nicht veröffentlicht.)
© 2017 MOZ.de Märkisches Medienhaus GmbH & Co. KG