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Bahnhof in Hohen Neuendorf ist Hochburg für Fahrraddiebe

Am Bahnhof werden sehr häufig Fahrräder gestohlen.
Am Bahnhof werden sehr häufig Fahrräder gestohlen. © Foto: Soeren Stache
Heike Weißapfel / 22.09.2017, 20:33 Uhr
Hohen Neuendorf (OGA) Eine Hochburg für Kriminalität ist die Stadt innerhalb des Präsidiumsbereichs nicht. Doch einen Schwerpunkt für Fahrraddiebstähle listet die Statistik der Polizei auf: Kaum überraschend ist es der S-Bahnhof Hohen Neuendorf.

Der Eindruck ist nicht nur subjektiv: Alle paar Tage steht mindestens eine Meldung über einen Einbruch oder versuchten Einbruch in Hohen Neuendorfer Stadtteilen im täglichen Bericht der Polizei. Hohen Neuendorf liege vor den Toren Berlins in einem sogenannten kriminal-geografischen Verflechtungsraum, berichtete Hennigsdorfs Wachenleiter Stefan Boye in der vergangenen Woche im Bauausschuss der Stadt aus der jüngsten Statistik, die das laufende Jahr noch nicht berücksichtigt.

Eklatant zugenommen haben die Fälle in den vergangenen zwei Jahren demnach aber trotzdem nicht. Allerdings weist die Statistik von 2015 zu 2016 generell eine leichte Erhöhung auf. Boye verglich die Zahlen: Im Bereich der gesamten Polizeiinspektion, die unter anderem alle S-Bahngemeinden und Hennigsdorf umfasst, waren 2015 noch 13 023 Fälle erfasst worden, im Jahr 2016 waren es 13 525. Im Revierbereich Hennigsdorf gab es darunter 2016 eine leichte Erhöhung von 6 071 auf 6 083 Fälle. In Hohen Neuendorf wurden im vergangenen Jahr 1 507 Anzeigen aufgenommen, im Jahr 2015 waren es 1 439. Die Aufklärungsquote war 2016 mit 41,1 Prozent im Revierbereich geringer als 2015 mit 50,2 Prozent.

Es gab 2016 in Hohen Neuendorf eine registrierte Straftat gegen das Leben: Dabei wurde gegen einen Pflegedienst wegen Totschlags ermittelt, weil ein Patient ums Leben gekommen war. Zwölfmal ermittelte die Polizei zu Delikten gegen die sexuelle Selbstbestimmung und 175 Straftaten waren mit Gewalt verbunden. Insgesamt sticht wieder die Zahl der Diebstähle hervor: 663 Fälle wurden 2016 gemeldet. Die Zahl der Einbrüche ist von 92 im Jahr 2015 auf 158 im vergangenen Jahr gestiegen. Dies sei allerdings eine Besonderheit der Statistik, erläuterte Boye die Abweichung. Diese verzeichne ausschließlich die abgearbeiteten Fälle. Da im Herbst 2015 eine Sonderkommission für Einbrüche eingesetzt worden war, seien viele der 2015 geschehenen Taten erst 2016 "geschlossen" worden und tauchten damit im Folgejahr statistisch auf. "Im Mittel liegt die Zahl seit Jahren bei 125 Einbrüchen pro Jahr", so Stefan Boye. "Es ist trotzdem diejenige, die uns die größten Sorgen macht." Im Mehrjahresvergleich zeigt sich dann, dass sich die Zahlen bei dieser Summe einpendeln: 126 Fälle waren es 2013, 124 im Jahr 2014, was allerdings gegenüber 2011 (40 Fälle) und 2012 (69) eine Steigerung bedeutet.

Wie viele der Täter aus dem Ort selbst kommen, konnte Stefan Boye nicht sagen. "Gewerbsmäßig" oder besonders dreist handelnde Einbrecher seien aber oft nicht aus der jeweiligen Kommune selbst, sagte er auf Nachfrage. Übrigens sei die Villengegend von Stolpe kein "Hauptangriffspunkt" für Einbrecher. Kriterium der Täter sei eher, ob das Haus gerade leer stehe.

Jede zweite Tat ist ein Diebstahlsdelikt. 663 Diebstähle aller Art kamen im vergangenen Jahr in Hohen Neuendorf zur Anzeige. Insgesamt sei die Zahl der Diebstähle in den Städten seines Revierbereich im Vergleich mit anderen Kommunen hoch, so Boye. Zu den 158 erfassen Diebstählen aus Wohnungen kommen 173 Fahrraddiebstähle. 15 Autos wurden gestohlen, 58-mal brachen Diebe in Autos ein. In Büros und Firmen wurde 19-mal eingebrochen.

Vor allem am Hohen Neuendorfer S-Bahnhof würden Fahrräder gestohlen, und leider sei die Aufklärungsrate dieser Taten gleich Null. In den Ausschüssen würden gerade verschließbare Boxen oder ein Parkhaus für Räder diskutiert, sagte dazu der Ausschussvorsitzende Oliver Jirka (Bündnis 90/Die Grünen). Ob so die Sicherheit erhöht werden könnte, sei fraglich, erklärte Boye. Persönlich schließe er sogar sein Fahrrad im eigenen verschließbaren Schuppen zusätzlich noch an. In Falkensee seien Fahrraddiebstähle am Bahnhof durch Video-Überwachung "punktuell" zurückgegangen. "Das kann Täter abhalten, muss es aber nicht." Wichtig sei, das Rad nicht nur mit "Geschenkbändern", also leicht aufknackbaren Schlössern zu versehen, sondern mit robusten Exemplaren, so der Wachenchef.

Mit 430 bilden Erwachsene den weitaus größten Teil der Tatverdächtigen. 40 waren Heranwachsende zwischen 18 und 21 Jahren, 53 Tatverdächtige waren zwischen 14 und 18 Jahre alt, 16 Kinder kamen mit dem Gesetz in Konflikt. Die meisten Straftaten werden mit 438 von deutschen Tatverdächtigen verübt, 64  hatten andere Pässe und 37 Tatverdächtige waren Zuwanderer oder Asylbewerber.

"Was können wir als Bürgerinnen und Bürger denn selbst noch besser machen?", wollte die Stadtverordnete Jutta Lindner (SPD) wissen. Das Wichtigste für Zeugen sei, die Polizei schnell zu informieren, "und nicht zweieinhalb Stunden" später", so Boye. Zudem riet er dazu, sich nicht zu sehr von den Nachbarn abzuschotten und die Präventionsangebote der Polizei zu nutzen. Allgemeingültige Aussagen zu Alarmanlagen und Verriegelungen zu treffen, sei schwierig. "Ein Täter, der nicht in wenigen Minuten im Haus ist, lässt in der Regel davon ab."

Die Landtagsabgeordnete Inka Gossmann-Reetz (SPD), die Vorsitzende des Polizeibeirats ist, bezeichnete die Einsatzzeiten der Polizei im Kreisgebiet als "grandios", weil die Beamten rasch vor Ort seien. Sie sagte: "Respekt, was hier geleistet wird! Wir haben eine gute reagierende Polizei, die nicht auf der Wache sitzt, sondern im Einsatzwagen."

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