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Heimatgeschichtsinteressierte waren im historischen Ortskern von Dahlwitz-Hoppegarten unterwegs

Dorfspaziergang mit Blick in die Gruft

Reinhard Pfeiffer / 26.09.2017, 06:00 Uhr
Hoppegarten (MOZ) Zur zweiten Führung durch den alten Ortskern von Dahlwitz-Hoppegarten hatten sich 15 an der Ortsgeschichte interessierte Teilnehmer am Treffpunkt vor dem Friedhof eingefunden. Bevor die Tour begann, wurde einiges zur Entstehung des Dorfes Dahlwitz berichtet.

Beim Start am Friedhof fanden die Gräber von Engländern, die als Jockeys auf der Galopprennbahn gearbeitet hatten, besonderes Interesse. Es sind prächtige Gräber, die davon künden, dass die Jockeys gut verdient hatten. Dann ging es die Rudolf-Breitscheid-Straße hinab. Jutta Sachtleber vom Kulturverein Grünes Tor wusste fast zu jedem Haus etwas zu erzählen, und ob der Fülle der Daten kam man nur langsam voran.

Jedoch dieser Umstand sollte sich nun wieder als Glücksfall herausstellen, denn als die Kirche aus dem 14. Jahrhundert erreicht war, bekamen die Wissbegierigen Einlass ins Gotteshaus. Als ganz besondere Gunst durfte nun auch die Gruft besichtigt werden. Hier ruhen die sterblichen Überreste des Samuel von Marschall, der 1732/33 die Kirche erweitern ließ. Für solche Besuchertouren waren die Särge mit Schildern versehen worden. Ganz "hautnah" kam man dann der Vergangenheit, als einer der Särge geöffnet wurde und manch einer sah mit Schaudern das verblichene Gebein.

Das helle Tageslicht ließ diese Gefühle alsbald weichen und gleich nebenan erreichten die Spaziergänger den Wirtschaftshof derer von Treskow. Heinrich von Treskow hatte nach dem Erlöschen der Familie von Marschall das Rittergut Dahlwitz erworben und erwies sich als tüchtiger Unternehmer. Er ließ 1856 eine Brennerei errichten, die jedoch keinen Schnaps brannte, sondern Industriealkohol. Eine Dampfmaschine von Borsig aus Berlin erzeugte schon 1896 Strom. Neben der Brennerei gab es noch eine Molkerei und ein großes Magazin.

Bedauernd erklärte Jutta Sachtleber, dass man dieses Magazin nicht besichtigen könne, da es sich in Privatbesitz befände. Just in dem Augenblick hielt ein Auto und der Besitzer, Stefan Ziesecke, lud alle ein, einen Blick ins Innere des Gebäudes zu werfen. Das wurde begeistert begrüßt und man konnte den gewaltigen Kornboden bestaunen, an dessen Decke noch die Transmissionen von 1896 zu sehen sind. Daneben die Strohscheune, von der es heißt, sie sei verflucht. Brannte sie doch dreimal ab. Übrigens wurde der gesamte Wirtschaftshof aus Rüdersdorfer Kalkstein erbaut, da Herr von Treskow einen Privatbruch besaß.

Nun ging es in den Lenné-Park und zum Herrenhaus. Der Park wurde von Peter Joseph Lenné 1821 im Auftrag von Graf Hacke erschaffen. Das jetzige Herrenhaus, von Treskow 1856/58 erbaut, schaut recht bescheiden aus. Treskow war sparsam, er ließ das alte Herrenhaus abbrechen und verwendete die Ziegel, um sein Neues zu errichten. Nach der Bodenreform 1945 wurden die von Treskows enteignet und das Herrenhaus ein Kinderheim für Kriegswaisen. Seit 2004 laufen die Sanierungsarbeiten und es erstrahlt äußerlich schon in neuer Pracht. Leider sei noch kein Nutzer in Sicht, hieß es. Nicht eingeplant auf der Tour war die Besichtigung eines typischen Boxenstalls aus der Jahrhundertwende, dessen einwandfreier Zustand überraschte. Und so waren aus den geplanten anderthalb Stunden wie im Flug drei geworden.

"Es war ein Vergnügen, eine so interessierte Gruppe durch die Geschichte unseres Ortes zu führen", sagte Jutta Sachtleber. Sie versprach, dass der Rundgang durch die Alte Berliner Straße nachgeholt werde. "Darauf freue ich mich schon", sagte sie und die anderen stimmten zu.

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