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Freiwillige Feuerwehr Steinhöfel klagt über mangelnde Einsatzbereitschaft / Ortswehren werben um neue Mitglieder

Im Notfall zu spät

André Bülow, Gemeindewehrleiter Steinhöfel, am 22.09.17 in den Räumen der Freiwilligen Feuerwehr Beerfelde.
André Bülow, Gemeindewehrleiter Steinhöfel, am 22.09.17 in den Räumen der Freiwilligen Feuerwehr Beerfelde. © Foto: MOZ/Annemarie Diehr
Annemarie Diehr / 26.09.2017, 07:06 Uhr
Beerfelde (MOZ) Nachwuchssorgen und mangelnde Tageseinsatzbereitschaft plagen die Freiwilligen Feuerwehren im Landkreis. In der Gemeinde Steinhöfel wirbt die Wehr jetzt aktiv um neue Mitglieder. Von der Verwaltung fühlt sie sich dabei im Stich gelassen.

Seit zehn Jahren arbeiten Beerfelde und Jänickendorf in Sachen Brandbekämpfung zusammen - in Feierlaune ist Orts- und Gemeindewehrführer André Bülow kurz vor dem Jubiläum im Oktober nicht. "Das Personal ist unser Handicap", sagt der 49-Jährige. Zwar zähle die Freiwillige Feuerwehr der Gemeinde Steinhöfel 160 Mitglieder, einsatzbereit seien von diesen tagsüber aber gerade einmal 27.

Im Notfall zu wenig, wie in der vergangenen Woche eine Brandschutz-Übung in der Heinersdorfer Grundschule zeigte. Der Brand im Computerraum war zwar nur simuliert - "zum Glück", sagt Bülow. Doch er offenbart ein Problem: "Nach 45 Minuten waren neun Kameraden vor Ort - bei 23 eingeschlossenen Kindern". Der Gemeindewehrführer schüttelt den Kopf.

"Der demographische Wandel hat alle getroffen und ist gerade für die Tageseinsatzbereitschaft fatal", sagt Detlfef Korn, Vorsitzender des Kreisfeuerwehrverbandes. Der kilometerweit entfernte Arbeitsplatz, der verhindert, dass Kameraden im Notfall rechtzeitig vor Ort sind, ist für Bülow nur das offensichtlichste Problem. "Bei den Fachanforderungen sehe ich schwarz." Zeit- und teilweise kostenintensive Aus- und Weiterbildungsmaßnahmen schrecken auch den Nachwuchs ab. "Wenn wir fünf im Jahr halten können", sagt Bülow über die 85 Mann starken Jugendwehren, "ist das gut."

Um auf die Situation der Wehren aufmerksam zu machen, ist die Gemeindewehrführung in die Offensive gegangen: Aufrufe an potentielle Mitglieder im Amtsblatt, Wettkämpfe, Tage der offenen Tür. Nur die Verwaltung, sagt Bülow, sei bisher auf keinen der Vorschläge zur Mitgliedergewinnung eingegangen. "Eine Aufwandsentschädigung wäre denkbar, um neue Kameraden zu werben und die vorhanden zu halten." Bülow denkt nicht unbedingt an Geld, sondern an Gutscheine für Schwimmhalle, Kino oder Fitnessstudio. "Und ich würde mir wünschen, dass die Gemeinde von sich aus um neue Kameraden wirbt."

Bei der jüngsten Gemeindevertretersitzung hat Bülow sein Anliegen persönlich vorgetragen und den Vertretern vorgeworfen, für die Umsetzung der im Brandschutzbedarfsplan festgeschriebenen Schutzziele fehle es an Konzepten. "Die Haushaltsplanung ist eigentlich das Konzept", sagte Bürgermeisterin Renate Wels darauf und versicherte der Feuerwehr ihre größtmögliche Unterstützung entsprechend der Gemeindemittel.

Beerfeldes Ortsvorsteher Horst Wittig war vom Auftritt Bülows überrascht. Eine Inspektion der Wehren durch die Brandschutzbehörde im Frühjahr, sagte er, habe immerhin keine Defizite aufgezeigt. Demnächst will er sich mit dem Gemeindewehrführer zusammensetzen, die Lage beraten. "Es ist allerhöchste Zeit", sagt André Bülow.

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