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Lehrer aus Leidenschaft seit 25 Jahren

Seit 25 Jahren weiß Rainer Körber, wie er seine Schüler mit unkonventionellen Methoden begeistern kann.
Seit 25 Jahren weiß Rainer Körber, wie er seine Schüler mit unkonventionellen Methoden begeistern kann. © Foto: MZV
Jürgen Liebezeit / 26.09.2017, 08:24 Uhr
Mühlenbeck (OGA) Rainer Körber weiß, wie er Kinder begeistern kann. Der Lehrer aus Leidenschaft nimmt sie ernst und kommt auch mal verkleidet zum Geschichts- und Geografieunterricht. Zum Schuljahresbeginn feierte Körber sein 25-jähriges Dienstjubiläum als Leiter der Käthe-Kollwitz-Grundschule in Mühlenbeck.

Wenn Rainer Körber in der Pause auf den Schulhof geht, kommen sofort einige Kinder an und bombardieren ihn mit Fragen. Geduldig hört er den Mädchen und Jungen zu, gibt Antworten und Ratschläge, ermahnt die Kinder aber auch mit strenger Miene, wenn sie die Regeln nicht einhalten. Körber hat einfach einen guten Draht zu den Grundschülern. Das mag auch an seinem Unterricht liegen. Wenn das Mittelalter auf dem Lehrplan steht, bringt der 58-Jährige die Nachbildung eines Schwertes von Karl dem Großen mit in die Klasse. Wer sich traut, die scheinbar scharfe Klinge anzufassen, wird zum Ritter geschlagen. Das vergisst ein Kind nicht so schnell. Ebenso beeindruckt sind die Fünft- und Sechstklässler, wenn er im Dschallabija vor der Tafel steht. Im traditionellen Gewand der Nubier erklärt Körber, wie die Menschen am Nil vor tausenden von Jahren gelebt haben. Und die kleine Büste von Nofretete, die auf seinem Schreibtisch steht, hilft ihm manchmal, wenn Kinder zum Rapport zu ihm kommen müssen. "Nofretete sagt mir, ob du lügst oder nicht", erklärt er mit ernstem Gesicht. Das hat schon manche Zunge gelockert.

Körbers Karriere als Lehrer begann im Prenzlauer Berg, später zog er nach Hohenschönhausen. Kurz vor der Wende ging es dann nach Mühlenbeck an die damalige Polytechnische Oberschule. "Das war ein Paradies", erinnert er sich an die aufgeweckten Kinder aus dem Dorf. "Die beste Klassen aus Hohenschönhausen war vergleichbar mit der schlechtesten Klasse in Mühlenbeck." Als sich nach der Wende auch die pädagogischen Konzepte änderten, war Körber bereit, Verantwortung zu übernehmen. Er nahm schnell die Stelle des kommissarischen Schulleiters an der neuen Grundschule an. Ein Jahr später war er Schulleiter. "Das waren damals tolle Zeiten", erinnert er sich an die Aufbruchstimmung Anfang der 1990er-Jahre. "Wir haben viele Entscheidungen gemeinsam und unbürokratisch getroffen." Auch heute kann sich Körber immer noch auf sein inzwischen stark gewachsenes Team verlassen. "Das ist wichtig in einer Schule", so Körber, der sich als überzeugter Optimist bezeichnet: "Bei mir ist das Glas immer halb voll. Ich sehe zuerst immer das Positive."

So sind auch Krisen gut zu meistern. Kritisch ist der permanente Zuzug im Mühlenbecker Land. Inzwischen besuchen 426 Kinder die Käthe-Kollwitz-Grundschule. Zu Beginn seiner Dienstzeit als Direktor waren es gerade 250 Grundschüler. Trotz der zweimaligen Erweiterung der Schule muss immer nach Lösungen gesucht werden, wenn der Platz in der Ganztagsschule nicht reicht.

Wenn es seine Zeit zulässt, spielt der Hohen Neuendorfer gerne Schach und beschäftigt sich mit dem schulübergreifenden Wettbewerb "Geografiefuchs", den er sich vor 15Jahren ausgedacht hat. "Leider hat noch nie einer aus meiner Schule gewonnen", bedauert der Geschichts- und Geografielehrer.

Körber hat auch schon Kinder an seiner Schule unterrichtet, die richtig Karriere gemacht haben. So lernte der Fußballprofi Arne Feick in Mühlenbeck das Lesen und Schreiben. Heute kickt der 29-Jährige als gestandener Profi in der zweiten Bundesliga bei Heidenheim. Der Linksverteidiger Feick hatte vor einigen Jahren einen Marktwert von 1,25 Millionen Euro.

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