Das Nachrichtenportal für Brandenburg
Startseite Märkische Onlinezeitung - MOZ.de

Von gehaltvollen Telefonzellen bis zu eingemauerten Fledermäusen: Altenhof hat Überraschungen zu bieten

Entdeckungstour am Werbellinsee

Altenhof. Aus der Vogelperspektive offenbart der Werbellinsee seine ganze blaue Pracht.Fotos (7): MOZ/Thomas Burckhardt
Altenhof. Aus der Vogelperspektive offenbart der Werbellinsee seine ganze blaue Pracht.Fotos (7): MOZ/Thomas Burckhardt © Foto: MOZ/Thomas Burckhardt
Simon Rayß / 26.09.2017, 06:44 Uhr
Altenhof (MOZ) Da liegt er: der Werbellinsee. Schmal und langgezogen, grünblau und klar. Der See ist ein Magnet, er zieht die Menschen an. Einige für einen Urlaub, andere ein Leben lang. Beide, die Touristen und die sesshaften Werbellinsee-Fans, finden sich auch in Altenhof, einem 750-Seelen-Ort an seinem Ostufer.

Wer Kornelia Eberhardt fragt, warum es sie 1982 nach Altenhof verschlagen hat, bekommt drei Gründe von ihr zu hören: "In erster Linie der See, in zweiter Linie der See, und als drittes auch", sagt sie und lacht. Sie steht in ihrem wilden Garten Am Kiefernweg, dem Schlusspunkt eines Spaziergangs durch den Ort. Doch der Reihe nach.

Während der Garten von Kornelia Eberhardt nur Insidern ein Begriff ist, dürfte es der 2015 eingeweihte Fontane-Platz, am Beginn der Uferpromenade, mittlerweile zu einiger Bekanntheit geschafft haben. Dort beginnt zugleich der Dorfspaziergang und zwar vor einem der wenigen historischen Gebäude Altenhofs: einem Pumpen-Häuschen aus den frühen 1930er-Jahren. "Wir haben eigentlich zu wenig solcher Bauten", sagt Hajo Steinicke von der Altenhofer Bürgerinitiative AB14, die sich auch für die Namensgebung des Fontane-Platzes eingesetzt hat.

Der 76-Jährige ist einer von drei Einheimischen, die an diesem sonnigen Spätsommertag durch den Schorfheider Ortsteil führen. Früher habe das Häuschen Wasser in benachbarte Brunnen gepumpt, erläutert der gebürtige Altenhofer. "Heute ist dort die Elektroanlage für Feste und die Straßenbeleuchtung untergebracht", fügt Wolfram Malkus hinzu, Ortsvorsteher und zweiter im Bunde für den Spaziergang.

Malkus - in Finowfurt geboren, aber in Altenhof aufgewachsen - schlägt den Weg entlang der Promenade ein. "Wir haben sogar ein bisschen Wildnis hier", sagt der 56-Jährige und deutet nach rechts. Inmitten zweier Büsche steht eine gut ein Meter hohe Löwen-Statue - ein Geschenk aus dem Eberswalder Zoo. "Wenn mein Enkel da ist, müssen wir immer zu dem Löwen gehen", erklärt Gerd Thiele. Thiele macht das Trio komplett. Der 67-Jährige ist Mitte der 80er-Jahre Ortsbürgermeister gewesen und mittlerweile wie Steinicke in der Bürgerinitiative AB14 aktiv.

Gleich hinterm Löwen kommt der Gruppe auch schon ein Kind entgegen: der vierjährige Florian, der mit Vater Andreas Wolfram eine Tour auf dem Roller unternimmt. Der Altenhofer Wolfram ist in Schorfheide als Softeis-Mann bekannt. "Ich bin ursprünglich aus Britz, aber vor ein paar Jahren hergezogen", sagt er. Jetzt macht er mit seinem Sohn Pause an der "Baumelbank", einer extra hohen Bank zum Beine-baumeln-lassen, die seit drei Jahren direkt an der Promenade steht. "Hier so am Wasser - das ist eine schöne Sache."

Eine weitere Attraktion steht nur wenige hundert Meter weiter, direkt an der Badewiese: die Bücherbox im Gewand einer alten Telefonzelle, die im August dort aufgebaut wurde. Hinter dem Projekt steckt wiederum die Bürgerinitiative. Dort können die Altenhofer ihre alten Bücher tauschen oder einfach vor Ort schauen, was es so gibt. Das Angebot reicht von Dan Brown bis zu einem Leitfaden zur Betriebswirtschaftslehre. "Wir haben nur ein Problem", sagt Thiele: "Uns gehen die Kinderbücher aus."

Hinter der Bücherbox schlagen die Drei den Weg nach rechts ein, immer geradeaus bis zu einer brandneuen Wohnanlage in der Uferstraße. "In unsere neue Besiedlung ist schon ziemlich viel Leben eingezogen", sagt Malkus. Früher hat an dieser Stelle das August-Bebel-Heim gestanden, ein FDGB-Erholungsheim. "Auch Anna Seghers hat sich hier aufgehalten", berichtet Steinicke. Zuletzt glich die Anlage mehr und mehr einer Ruine. "25 Jahre hat's gedauert, bis hier wieder gebaut wurde", sagt Malkus. Und zwar mit einem hohen Standard: "Wir sind das erste Dorf, das 'ne Tiefgarage hat", sagt er. "Mit Fahrstuhl", fügt Thiele hinzu - für Autos wohlgemerkt.

Zu Zeiten des Zweiten Weltkriegs hat die Anlage noch als Lazarett gedient. "Dazu wurde ein Bunker gebaut, der noch immer da ist", erläutert Steinicke. Mittlerweile steht er leer - wobei: nicht ganz. "Irgendjemand hat 'rausgefunden, dass da Fledermäuse wohnen", sagt Malkus. Der Zugang sei daraufhin zugemauert worden - zumindest für die Menschen. Die Tiere können über eine Luke und einen Belüftungsschacht rein und raus.

Von der Eigenheimanlage geht es hinunter an die Joachimsthaler Straße, der die Gruppe ein Stück folgt, bis links die Straße Am Kiefernweg abzweigt. Dort, wo Kornelia Eberhardt ihren verwunschenen Garten pflegt. Zwischen den wuchernden Büschen, Blumen, Farnen und hohen Bäumen schauen Keramik-Tiere hervor: Fische, Frösche, Katzen. Eine professionelle Künstlerin sei sie aber nicht, sagt sie. "Damit kann man kein Geld verdienen." Aber es macht ihr Freude, genauso wie der Garten und die Nähe zum Werbellinsee. Am Eingang zu ihrem kleinen Paradies prangt ein Schild mit einem Gedicht von Thomas Rosenlöcher. Es lautet: "Gartenarbeit. Dem Birnbaum Mut zureden. Gras wachsen lassen, wo es wächst."

Leserforum

Um einen Kommentar zu schreiben, melden Sie sich bitte oben rechts an. Falls Sie noch keinen Login haben, registrieren Sie sich bitte.

Alle Leserkommentare geben ausschließlich die persönlichen Ansichten und Meinungen des Autors wieder und sind keine redaktionelle Meinungsäußerung. Für die Richtigkeit und Vollständigkeit der Inhalte übernimmt die Redaktion keinerlei Gewähr.

Ihr Kommentar zum Thema

Kommentartitel
Name
(öffentlich sichtbar)
Email
(wird nicht veröffentlicht)
(Ihr Name wird auch in der Zeitung veröffentlicht. Die Adresse wird nicht veröffentlicht.)
© 2017 MOZ.de Märkisches Medienhaus GmbH & Co. KG