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Trotz Erntezeit - viel zu tun hat Hohenfinower Betrieb in diesem Jahr nicht / Viele Äpfel in der Blüte erfroren

Frisch aus der Saftpresse

Viel Handarbeit: Lorenz Terpe von der Saftpresse Hohenfinow an der Packpresse. Für die kleine Lohnmosterei ist es die vierte Saison.
Viel Handarbeit: Lorenz Terpe von der Saftpresse Hohenfinow an der Packpresse. Für die kleine Lohnmosterei ist es die vierte Saison. © Foto: moz/Viola Petersson
Viola Petersson / 27.09.2017, 06:15 Uhr
Hohenfinow (MOZ) Flasche oder Tüte - das entscheidet der Kunde. Ist sozusagen Geschmackssache. Doch egal, wie der Apfelsaft abgefüllt wird, er fließt dieses Jahr spärlich. Auch in der Saftpresse Hohenfinow. Denn die Obsternte 2017 fällt nach Frösten während der Blüte sehr mau aus.

Sonnabend, 12.30 Uhr, in der "Saftpresse" Hohenfinow. Kein Kunde, kein Obst. Lorenz Terpe und Rolf Simpfendörfer, die Inhaber, warten. Für 13 Uhr hat sich noch ein Interessent angesagt. Mit immerhin 300 Kilo. Für die derzeitigen Verhältnisse eine Menge.

Normalerweise würde im September das Geschäft brummen, sagen die Zwei, die den Saftladen im Herbst 2014 in der ehemaligen Fleischerei von Gut Hohenfinow eröffnet haben. Doch in diesem Jahr herrsche Ebbe. Nicht nur hier. "Voriges Jahr haben wir mehr als 25 000 oder 30 000 Liter Saft gemacht. In diesem Herbst kommen wir vielleicht auf 500", schätzen der 32-jährige Terpe und der 36-jährige Simpfendörfer den Markt ein. Die Obsternte falle allgemein mager aus. Viele Bäume, darunter die Äpfel, seien im April in der Blüte einfach erfroren. Ein Problem, das nicht nur den Barnim und Brandenburg betrifft, sondern deutschlandweit zu massiven Einbußen führt, wie die Hohenfinower Geschäftsleute wissen. Sie können es verschmerzen. Denn sie betreiben die Lohnmosterei im Nebenerwerb.

Ein Transporter rollt auf den Hof. Der avisierte Kunde. Steffen Meese aus Wilhelmsfelde (Neukünkendorf) lädt mit einem Freund sogleich säckeweise Äpfel und Birnen aus. Er sei das erste Mal in Hohenfinow. "Sonst sind wir immer nach Crussow in die dortige Mosterei gefahren", erzählt der Uckermärker. Wegen der geringen Nachfrage habe die in diesem Jahr jedoch gar nicht erst geöffnet.

Also habe er sich nach einer Alternative umgeschaut - und sei im Barnim fündig geworden. "Wichtig war uns, dass der Saft im Beutel abgefüllt werden kann", fügt der Mann hinzu. Diese Verpackungsvariante, so sagt Meese, sei einfach praktischer. Die Fünf-Liter-Tüten kämen in Kartons. Die ließen sich viel besser stapeln und nähmen weniger Platz weg.

Und sogleich kommen Kunde und Geschäftsmann ins Fachsimpeln über die vermeintlich bessere Variante. "Die Flasche ist Liebhaberei", sagt Rolf Simpfendörfer, während sein Kollege die Presse angeworfen hat und die ersten Ladungen "durchlaufen". Beides - Flasche und "Bag-in-Box" (Saftbeutel im Pappkarton) - habe seine Vorteile. Aus wirtschaftlicher Sicht spreche vieles für die Saftbox. Ökologisch würden sich die Varianten nichts nehmen, glaubt Simpfendörfer, der im benachbarten Niederfinow wohnt und forstwirtschaftliche Dienstleistungen anbietet. Lorenz Terpe zieht derweil nebenan von den zum Turm aufgestapelten Holzrosten die Reste des gepressten Obstes, den Trester, ab. Weiter geht's. Die nächste Fuhre. Meese und sein Freund sorgen sogleich für Nachschub. Die Äpfel und Birnen stammen aus dem eigenen Garten. Ein bisschen was habe man auch auf Streuobstwiesen eingesammelt, berichtet der Kunde. Bei 300 Kilo könnten um die 200 Liter Saft rauskommen, hofft der Uckermärker. Am Ende werden es sogar noch mehr. Reiner April-Birnen-Saft, naturtrüb. Vitamine für Herbst und Winter. Ein paar Kartons gehen auch an Freunde, Nachbarn, verrät Steffen Meese.

Die Ausbeute bei der sogenannten Packpresse, mit der die Hohenfinower arbeiten, sei etwas höher als bei der "Bandpresse", erklärt Rolf Simpfendörfer. Liege bei etwa 70 bis 80 Prozent. Heißt: 100 Kilogramm Obst ergeben um die 70 bis 80 Liter Saft. Doch nicht nur der Ertrag ist höher. "Die Qualität ist auch besser", ist der Niederfinower überzeugt. Die Kehrseite: "Die Packpresse macht mehr Arbeit." Weshalb sein Kollege Lorenz Terpe ständig in Aktion sei. Stapeln, abziehen, neu packen ...

Minuten später füllt sich der Tank. Mit dem Saft. Jetzt ist Rolf Simpfendörfer dran. Die Flüssigkeit muss auf 78 Grad erhitzt werden. Dieses Pasteurisieren mache das Getränk haltbar, erläutert er, um kurz darauf die ersten Beutel an die Abfüllanlage anzuschließen. Steffen Meese hilft beim Verpacken.

Wie sind Simpfendörfer und Terpe überhaupt auf den Saft gekommen? "Ganz einfach. Durch den eigenen Garten", so Simpfendörfer. Er habe selbst vor der Frage gestanden, wie die eigene Obsternte sozusagen in die Flasche kommt. Die einzige Barnimer Mosterei, ein Betrieb in Liepe, hatte gerade zugemacht. Und so stiegen Simpfendörfer und Terpe, dessen Hauptgeschäft Webdesign ist, ein. Sie übernahmen die Maschinen aus Liepe. Die Abfüllanlage wurde neu angeschafft. Ihr Angebot richtet sich vor allem an private Gartenbesitzer und an Studenten, die Obst von Wiesen und Alleen lesen. Verarbeitet werden neben Äpfeln und Birnen vor allem Quitten.

Die Obstbauern in Brandenburg rechnen für 2017 mit drastischen Einbußen. Beim Apfel wird eine Erntemenge von 17 800 Tonnen erwartet. Im vorigen Jahr wurden noch knapp 28 000 Tonnen gepflückt. Steffen Meese ist hingegen zufrieden, als er mit dem Wagen voll Saft vom Hof rollt.

Saftpresse Hohenfinow: nur samstags bis 12 Uhr, nächster Termin 7. Oktober, auf Anmeldung unter Tel. 033458 647050

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