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Buckower Bahnhofsgebäude wird versteigert / Stark sanierungsbedürftig / 2500 Euro Mindestgebot

Unterm Hammer

Erinnern sich an vergangene Tage: Karl-Heinz Schulz und Martin Rintisch (v. l.) kommen aus Buckow. Mit dem Bahnhofsgebäude im Ort sind sie aufgewachsen - und haben ihre Fahrkarten noch dort am Schalter gekauft.
Erinnern sich an vergangene Tage: Karl-Heinz Schulz und Martin Rintisch (v. l.) kommen aus Buckow. Mit dem Bahnhofsgebäude im Ort sind sie aufgewachsen - und haben ihre Fahrkarten noch dort am Schalter gekauft. © Foto: MOZ/Jörn Tornow
Tatjana Littig / 27.09.2017, 06:20 Uhr
Buckow (MOZ) Das ehemalige Buckower Bahnhofsgebäude wird samt zweier Schuppen am Freitag in Berlin versteigert. Bei 2500 Euro liegt das Mindestgebot, zuzüglich Courtage und Grunderwerbssteuer. Der Zustand des Ende des 19. Jahrhunderts erbauten Gebäude ist stark sanierungsbedürftig.

Die Fenster eingeschlagen, das Gelände eingezäunt: Das einstige Bahnhofsgebäude in Buckow hat schon bessere Tage gesehen. Dass es überhaupt einen Bahnhof im Ort gibt, sei Gutsbesitzer Schade zu verdanken, berichtet Martin Rintisch. Schade setzte sich im 19. Jahrhundert im Kampf um den Streckenverlauf von Frankfurt (Oder) nach Berlin gegen Gutsbesitzer aus Trebatsch und Falkenberg durch, die natürlich wollten, dass der Zug bei ihnen im Ort hält.

Damit Landwirtschaftserzeugnisse wie Zuckerrüben und Kartoffeln auch nach Berlin gebracht werden konnten, musste ein Verladebahnhof in Buckow her. Gesagt, getan: Am 20. September 1898 sei der Bahnhof fertig gewesen, teilt der Ortschronist mit. Einen Tag später fuhr der erste Zug nach Berlin.

Soviel zur Historie. Am Freitag kommt das Bahnhofsgebäude samt Güterschuppen und Abstellraum in Berlin unter den Hammer. Interessenten aus dem Ort sind Martin Rintisch und dem stellvertretenden Ortsvorsteher Karl-Heinz Schulz nicht bekannt. Ob die Gemeinde Rietz-Neuendorf sich an der Auktion beteiligen möchte? "Kein Interesse", gibt Bürgermeister Olaf Klempert zu Protokoll. "Für die Dorfgemeinschaft gibt es genug Räumlichkeiten im Ort. Ein zusätzliches Objekt ist nicht notwendig", sagt er.

Schulz und Rintisch hoffen indes, dass sich jemand findet, der den Gebäudekomplex erhalten möchte. Die beiden Buckower können sich noch gut an das Treiben früher am Bahnhof erinnern. Der Eingang ins Bahnhofsgebäude lag auf Seiten des Bahnsteigs. Hinter der Tür: der Warteraum. Linkerhand befanden sich Stellwerk und Gepäckraum. Ebenfalls links: der Fahrkartenschalter. Es muss Ende der 1960er-Jahre gewesen sein, als sich Schulz seine letzte Fahrkarte dort gekauft hatte für die Fahrt von Buckow nach Rostock - wo er studierte.

In den Warteraum wurde später ein Schanktresen mit Gaststättenbetrieb installiert. "Man konnte sich also seine Fahrkarte kaufen und dann ein Bier trinken", erzählt Schulz lachend. Weil der Wirt ein Radio hatte, kamen Buckower einst auch zum Radiohören zu ihm. Anfang der 50er-Jahre schloss die Gaststätte wegen fehlender Kundschaft. In den beiden Stockwerken über dem Empfangsbereich lag der Wohnbereich des Bahnhofsvorstehers. Der letzte war Konrad. Seine Frau habe sich rührend um den kleinen Garten hinterm Bahnhofskomplex gekümmert, erinnert sich Schulz.

"Der Bahnhof steht bereits einige Jahre leer und wartet auf einen kreativen Investor, der ihn aus dem "Dornröschenschlaf' erweckt", teilt Auktionator Matthias Knake mit. Das zugehörige Grundstück ist etwa 6 377 Quadratmeter groß. Eigentümerin ist die Deutsche Bahn.

Exposé mit Vertragsbedingungen erhalten Interessenten unter Tel. 030 8904856; Auktion am Freitag, 14 Uhr, im Quartier 110, Friedrichstraße 180, 10117 Berlin.

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