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Mit Hinweistafeln an der Landesstraße 312 und 313 startet der Landkreis Barnim Schilderaktion

Klare Botschaft gegen Müllsünder

Patrizia Czajor / 27.09.2017, 06:44 Uhr
Birkholz (MOZ) Immer häufiger kippen Unbekannte im Barnim ganze Wagenladungen von Sondermüll an Landstraßen ab. Besonders betroffen ist der Bernauer Ortsteil Birkholz. Neben Hinweisschildern soll ab Oktober eine Müllstreife im Landkreis für Ordnung sorgen.

Es sind Rohre, Farbeimer, Styropor und Schläuche, die sich inmitten von weiterem Bauschutt, das zum Teil schon aus gerissenen blauen Säcken heraustritt, zu großen Haufen auftürmen. Diejenigen, die hier kostenlos ihren Sondermüll am Straßenrand der Landesstraße 312 zwischen Birkholz und Blumberg abgeladen haben, hätten sich, wie Ortsvorsteher Dieter Geldschläger es formuliert, nicht einmal die Mühe gemacht, den Abfall feldeinwärts an den Windkraftanlagen zu verstecken. "Das ist frech", kommentiert er knapp.

Das Problem ist keine neuartige Erscheinung im besonders betroffenen Bernauer Ortsteil Birkenholz. Bereits im vergangenen Jahr hat der Ortsvorsteher gemeinsam mit Kindern kleine Schilder aufgestellt. Sie sollten Bürger, die ihren privaten Abfall am Waldrand entsorgten, zum Nachdenken anregen.

Mittlerweile nimmt diese "kleine Müllentsorgung" ab. Sorgen bereitet dem Ortsvorsteher seit Beginn des Jahres vor allem die illegale Entsorgung "überdimensionaler Mengen" Sonderabfalls, etwa an der Landesstraße 312 - in Richtung Blumberg wie auch Bernau. In diesem Jahr sind laut Geldschläger sechs solcher Abfallberge allein in seinem Umkreis vorgefunden worden.

Im gesamten Barnim seien schon seit Beginn dieses Jahres Kosten in Höhe von 94 000Euro für die Entsorgung des Sondermülls entstanden, rechnet Joachim Hoffmann, Leiter des Barnimer Bodenschutzamtes, vor. "Dabei verfügt der Landkreis über eine komfortable Recyclingsituation", meint der Amtsleiter und erwähnt etwa die Recycling- und Wertstoffhöfe in Bernau oder Wandlitz.

Die Täter, sagt er, scheuten aber nicht den Aufwand. "Sie wollen sich die Entsorgungskosten sparen", sagt Hoffmann und spricht aufgrund des Ausmaßes von "kriminellen Machenschaften". In der "Suche nach Anonymität" sei Birkholz gerade am Dreieck Barnim für die Täter geografisch von Vorteil. "Sie fahren nachts hier von der Autobahn runter und können unbeobachtet alles auskippen", äußert der Amtsleiter.

Er wie auch Geldschläger vermuten, dass die illegalen Entsorgungen wahrscheinlich auf das Konto von Tätern aus Berlin gehen. Dafür spreche etwa, dass gerade die Kommunen im Berliner Umland mit der illegalen Abfallentsorgung zu kämpfen hätten, schildert Hoffmann.

Die Überführung eines Müllsünders ist ihnen allerdings noch nicht geglückt. Jetzt unterstützt das Bodenschutzamt des Landkreises Barnim den Ortsvorsteher mit fünf neuen Hinweisschildern. Mit Botschaften wie "Bau keinen Mist!" oder "Gib uns den Rest! Ab zum BDG-Recyclinghof!" sollen sie an den Landesstraßen 312 zwischen Birkholz und Bernau sowie an der L 313 zwischen Birkholz und Schwanebeck zumindest eine erste Abschreckungswirkung entfalten, so die Hoffnung von Geldschläger. Gemeinsam mit den Bürgern soll jetzt entschieden werden, welche konkreten Standorte für die Aufstellung der Hinweise am sinnvollsten sind.

Die Beschilderung ist hingegen nur ein Bestandteil der Pläne. Zusätzlich will der Landkreis ab Oktober mit einer Müllstreife gegen die Umweltsünder vorgehen, wie Hoffmann erläutert. Zeitgleich mit dem Einsatz der Müllstreife sollen die Bürger ebenso die Möglichkeit bekommen, Hinweise zu möglichen Tätern rund um die Uhr über eine Webseite zu melden.

Derzeit suchen der Landkreis, die Stadt Bernau sowie das zuständige Landesministerium außerdem nach einer Lösung zur Sanierung des noch nicht beräumten Abfalllagers der ehemaligen Firma GEAB mbH in Bernau. Erst kürzlich wurden per Helikopter Lasermessungen auf dem Deponie-Gelände vorgenommen. Wie die Antwort auf eine Anfrage des Abgeordneten Benjamin Raschke (Bündnis 90/Die Grünen) kürzlich ergeben hat, sind der Landesregierung insgesamt 148 dieser illegalen Abfallansammlungen in Brandenburg bekannt. Im Barnim befinden sind demnach fünf illegale Mülldeponien mit insgesamt 692000 Tonnen Abfall, die in der Zuständigkeit des Landes liegen. Keine der Anlagen ist bislang komplett beräumt worden.

Weitere Informationen: www.muellstreife-barnim.de

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