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Virtuoser Spaß auf höchstem Niveau

"Vokalkolorit" in der Stöllner Dorfkirche.
"Vokalkolorit" in der Stöllner Dorfkirche. © Foto: wetzel
Sylvia Wetzel / 27.09.2017, 16:17 Uhr
Stölln (MOZ) Einen außergewöhnlichen Hörgenuss erlebten die Gäste eines Konzerts a in der renovierten und neu verputzten Stöllner Kirche. Die Kirche inklusive der Empore war an diesem strahlenden Herbstnachmittag, 23. September, so gut gefüllt, dass die Veranstalter noch zusätzliche Stühle holen mussten. "Schuld" daran waren sechs sangesfreudige Herren des Vokalensembles "Vokalkolorit".

Sie sind längst keine Unbekannten mehr in Stölln, gaben sie doch im Rahmen der Reihe "Kultur auf Tour" des Rathenower Kulturzentrums inzwischen ihr drittes Konzert in der Kirche.Die begeisterten Sänger verschiedener Berliner Chöre starteten mit bekannten Titeln der Comedian Harmonists. "Ach bitte, lass' mich doch dein Badewasser schlürfen, ..." sorgte für Schmunzeln und Amüsement beim Publikum, und beim "kleinen, grünen Kaktus" war endgültig das Eis gebrochen. Mit faszinierender Harmonie ihrer Stimmen, die zu einem Klangkörper verschmelzen, begeisterte "Vokalkolorit" vom ersten Moment an und brauchte sich hinter ihren musikalischen Vorbildern nicht verstecken. Jeder Ton, vom Bass bis zum Countertenor, saß perfekt. Applaus und Jubelrufe waren Dankeschön und Motivation zugleich. Souverän meisterten die Sänger raffinierte Harmonien und Tempowechsel. Ganz offensichtlich hatte auch das Ensemble selbst großen Spaß am gemeinsamen Musizieren und verstand es, diesen augenblicklich auf das Publikum übergehen zu lassen. Charmant wurde das Publikum durch den Nachmittag geführt. Eins stand fest: Am Vortag zur Bundestagswahl hatte das Publikum bereits eine sehr gute Wahl getroffen, denn es hatte sich für die sechs Stimmen entschieden, vereint in einem Konzert in

Nach den Popklassikern "Californian dream" und "How deep is your love?"ging es träumerisch und romantisch weiter. Mit den Minnesängern von Robert Schumann wurde klassische Männerchorliteratur des 19. Jahrhunderts präsentiert. Auch hier bewiesen die sechs Herren ihr schauspielerisches Talent und man nahm jedem einzelnen die Rolle als Minnesänger ab.

Danach wurde es "kriminell", denn das 20. Jahrhundert schickte die Zuhörer in die "Kriminaltango"- Taverne. Herrlicher Hörgenuss! Ein grandios aufgebauter Spannungsbogen untermalt mit akustischen Effekten - selbst der Schuss klang täuschend echt, war er aber dann zum Glück doch nicht! Der quasi vorgezogene Sonntagabend-Tatort begeisterte das Publikum, das bereits seit den ersten Titeln der Commedian Harmonists mitschnippte, mitsummte oder leise mitsang. Ohne Vorwarnung ertönten plötzlich laute "Knutsch"-Geräusche. "Vokalkolorit" präsentierte mit gespitzten Kussmündern einen bekannten Ohrwurm der Prinzen. In tiefer Verbundenheit zu den Prinzen und deren Heimat folgte darauf die Ankündigung, dass jetzt Weltliteratur erklingen würde. Allerdings wurde kurzerhand die sächsische Mundart an den Rhein verlegt, und so klang es erst etwas irritierend "Ich weeß nich, mich isses so gomisch. Und ärchendwas macht mich verstimmt. Ich globe, des is anadomisch, Wie das bei de Menschen so kimmt ..." Vokalakrobatik auf höchstem Niveau

"Mad world" in einem Arrangement der Wise guys und "Fields of Gold" von Sting gingen unter die Haut und wurden perfekt interpretiert. Auch hier überzeugten die Stimmen, sowohl als Solo als auch in Harmonie miteinander in ihrer Erstklassigkeit.

Mit den darauf folgenden drei Liebeserklärungen neigte sich der Nachmittag auch schon dem Ende zu. John Davids "You are the new day", "New York, New York"- dem "berühmtesten Lied über die bekannteste Stadt der Welt" und 1985 vom damaligen Bürgermeister zur offiziellen Hymne New Yorks erklärt, und das "Hallelujah" von Leonard Cohen bildeten das Ende eine ganz besonderen Konzerts.

Die Bitte um eine Zugabe wurde gern erfüllt, und so hallten plötzlich Techno-Klänge in der Kirche. Das Kinderlied "Alle meine Entchen" würde "Vokalkolorit" auf jeder Techno-Party zur Ehre gereichen. Der Song "Am Ende des Tages", ebenfalls von den Wise Guys, verführte viele der Zuhörer die Augen zu schließen und in sich hineinzusehen, heißt es doch: "Am Ende des Tages, wenn die Nacht beginnt, denkst du an die Menschen, die dir wichtig sind, lehnst dich zurück, machst die Augen zu ... wen siehst du?"

Obwohl das der gelungene Konzertabschluss gewesen wäre, wollte das Publikum die Sänger noch nicht gehen lassen. Draußen im Kirchengarten gab noch das "Ännchen von Tharau", einen Klassiker der deutschen Männerchorliteratur.

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