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Fürs neue Antlitz gerüstet

Über den Dächern der Stadt: Joachimsthals Pfarrerin Beatrix Spreng und Architekt York Stuhlemmer sind das Gerüst bis zu den Zwillingstürmen hinaufgestiegen, deren Spitzen künftig aus Kupfer statt aus Zink sein werden.
Über den Dächern der Stadt: Joachimsthals Pfarrerin Beatrix Spreng und Architekt York Stuhlemmer sind das Gerüst bis zu den Zwillingstürmen hinaufgestiegen, deren Spitzen künftig aus Kupfer statt aus Zink sein werden. © Foto: MOZ/Marco Marschall
Marco Marschall / 28.09.2017, 06:40 Uhr
Joachimsthal (MOZ) Die Schinkelkirche gibt sich derzeit in neuem Gewand. Ein bis zu 28 Meter hohes Gerüst umspannt die Hälfte des Gotteshauses. Die Fassade wird in ihren ursprünglichen Farbton getaucht. Restaurierungsarbeiten, bei denen es aufs Detail ankommt.

Das runde Fenster unter der Kirchenuhr wird von freigelegtem rotem Backstein umringt. Erst mit der Sanierung der Hülle kam er zum Vorschein. "Zahnfries" nennt das der Fachmann. Stuckateur Jens Beutel ist dabei, die kaputten Ziegel wieder in ihre alte Form zu bringen. Wie viele Details an der Außenhaut des Gotteshauses blieb der Fries lange Zeit im Verborgenen. Mit der Neuverputzung 1987 gingen solche schmuckvollen Finessen verloren.

"Keine Ahnung wo die Denkmalspflege damals war", sagt Architekt York Stuhlemmer. Es ärgere ihn maßlos, dass so sorglos mit dem historischen Bauwerk umgegangen wurde. Nun sollen auch die feinen Rillen an den Fensterrahmen wieder zum Vorschein kommen. Die Außenhülle wird mittels Lasurtechnik in gelben Gesteinston getaucht, so wie Schinkel das beim Wiederaufbau 1817 bis 1820 vorgesehen hatte.

Auf etwa 1000 Quadratmetern wird derzeit der Putz repariert und am Ende mit der Originalfarbe versehen. Bis Jahresende sollen die Arbeiten abgeschlossen werden. 2018 ist die andere Hälfte der Schinkelkirche an der Reihe.

Bis das Gotteshaus in neuem Glanz erstrahlt und das monströse Gerippe aus Brettern und Metallstangen rund um das Bauwerk verschwindet, wird es wohl noch etwas dauern. Beste Gelegenheit für Pfarrerin Beatrix Spreng ihre Kirche mal aus anderem Blickwinkel wahrzunehmen. Unerschrocken klettert sie mit dem Architekten bis zur Spitze der Zwillingstürme, wo man weit über die Stadt und den Grimnitzsee schauen kann. Eifrig macht sie dort oben Fotos mit dem Smartphone und füttert einen Interblog mit Neuigkeiten über das Baugeschehen."Diese Details, die jetzt wieder herausgearbeitet werden, motivieren mich total", sagt die Joachimsthaler Pfarrerin.

Zum neuen Gewand wird auch mehr Kupfer gehören. Teile des Daches, die derzeit aus Zink sind, werden künftig bräunlich glänzen und mit der Zeit korrosionsbedingt ins Grüne wechseln. So zum Beispiel die Spitzen der Zwillingstürme.

Für Beatrix Spreng ist die Bauphase auch deshalb spannend, weil die viele Bürokratie rund ums Sanierungsvorhaben nun zu etwas Greifbarem führt. Antrag um Antrag hat die Pfarrerin auch für die laufende dritte Bauphase am Haus stellen müssen. Das Projekt wird von verschiedenen Institutionen gefördert. Darunter das Land Brandenburg, die Deutsche Stiftung Denkmalschutz, die Stiftung zur Bewahrung kirchlicher Baudenkmäler, Landkreis und Kirchenkreis. Etwa 800000Euro betragen die Gesamtkosten, verteilt auf mehrere Jahre. In jedem Jahr muss die Kirchengemeinde 20000Euro Eigenmittel aufbringen, was nur dank vieler Spender möglich ist. Die Gönner aller größeren Beträge sind an der Westseite der Fassade auf einem Transparent aufgeführt.

Allein der laufende Bauabschnitt kostet 262000Euro. Er enthält auch einzelne Reparaturen der Decke im Kircheninneren. Denn die habe durch die Bauarbeiten am Dach in den vergangenen beiden Jahren ziemlich gelitten, erklärt Beatrix Spreng. In einer ersten Bauphase nämlich wurden hoch oben diverse Balken ausgetauscht oder stückweise vom Schwamm befreit. Dafür wurden teilweise 15 Meter lange Bauteile mit dem Kran hinaufbefördert. Im zweiten Abschnitt 2016 wurde das Dach dann neu eingedeckt.

Wenn Ende nächsten Jahres die Fassade runderneuert ist, wäre das Mammutprojekt im kleinen Barnimer Städtchen zunächst eigentlich abgeschlossen. Doch ein paar Träume hat die Pfarrerin noch. Dazu gehört zum Beispiel, den Raum hinter dem runden Fenster auf der Nordseite für Jugendarbeit herzurichten.

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