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Wisent-Fall soll Konsequenzen haben

Ines Weber-Rath / 29.09.2017, 07:00 Uhr
Lebus/Podelzig (MOZ) "Den selben Vortrag sollten Sie vor den Lebuser Stadtverordneten noch einmal halten." Den Rat gab Landrat Gernot Schmidt am Dienstagabend, in der Beratung des Lebuser Amtsausschusses, Amtsdirektor Heiko Friedemann. Jener hatte zuvor aus dem Bericht zu den Ereignissen um den Abschuss des Wisentbullen am 13. September am Lebuser Oderdeich zitiert. Auch für die drei Lebuser Vertreter im Gremium waren die Fakten neu.

"Ich war nur am Anfang vor Ort, habe den Oder-Neiße-Radweg aus einer Richtung mit meinem Auto abgesperrt und die Leute gewarnt", sagt die Lebuser Bürgermeisterin Britta Fabig. Als die Feuerwehr das Sichern übernahm, sei sie nach Hause gefahren.Insofern sei sie selbst nicht in der Lage gewesen, die Stadtverordneten zu informieren, erklärt Fabig auf entsprechende Vorwürfe.

In einer Diskussionsrunde am Dienstagabend im Lebuser Anglerheim, an der sieben Stadtverordnete teilgenommen hatten, waren Zweifel an der offiziellen Begründung laut geworden, der Abschuss sei erfolgt, weil Gefahr in Verzug gewesen sei. Dass es kein anderes Mittel gegeben habe, bezweifelte unter anderem Tierarzt Dr. Joachim Naumann.

Die schärfste Kritik hagelte es jedoch, was die Bilder nach dem Abschuss betrifft, die im Fernsehen und in sozialen Netzwerken zu sehen waren. Dass der abgetrennte Wisent-Kopf auf einer Palette präsentiert wurde, sei "schrecklich und völlig inakzeptabel", meinte der Mallnower Michael Karcher. In Polen kursiere das Gerücht, die Lebuser hätten mit dem Wisentfleisch eine Grillparty veranstaltet, wusste der Stadtverordnete Urs Walter.

Alle in der Runde, einschließlich dem Landrat, waren sich einig: Der Vorfall muss Konsequenzen haben. Zum Beispiel, was die Verbesserung der Kommunikation mit der polnischen Seite betrifft. Er gehe davon aus, dass Wildtiere wie Elch und Wisent noch öfter über die Oder kommen werden, erklärte Gernot Schmidt. Immerhin soll die Wisent-Herde im Warthebruch schon auf 80 Tiere angewachsen sein. Dass Jungbullen vertrieben werden, sei normal.

"Adler und Wisent sind den Polen heilig", weiß Jäger Bernd Miodecki aus Schönfließ. Er hatte vor polnischen Medienvertretern in Gorzow zu vermitteln versucht und klar gemacht: Der Abschuss war eine naturschutzrechtliche Straftat.

Entschieden wurde nach dem Ordnungsrecht, erinnerte der Landrat und sagte: "Wir müssen Jäger, Feuerwehrleute und andere auf solche Situationen besser vorbereiten."

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