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Am Frankfurter Klinikum nimmt ein neuer Palliativbereich für unheilbar kranke Patienten seinen Betrieb auf

Die etwas andere Station

Thomas Gutke / 30.09.2017, 07:30 Uhr
Markendorf (MOZ) Zum 4. Oktober nimmt die Palliativstation am Klinikum ihren Betrieb auf. Der neue, eigenständige Klinikbereich für unheilbar Kranke bietet neben Zimmern für neun Patienten auch Platz für Angehörige. Medizinisches Ziel ist weniger die Sterbebegleitung, sondern ein erträgliches Leben trotz schwerer Erkrankung.

Lange Gardinen, ausladene Balkone, gemütliche Sessel: Die Palliativstation ist anders als andere Stationen am Klinikum, weit entfernt von Krankenhausatmosphäre. "Uns war wichtig, dass die Zimmer einen wohnlichen Charakter bekommen", erklärt Katrin Jäger, leitende Palliativschwester. Erkennbar ist der Anspruch vor allem an Details. Medienanschlüsse zur Versorgung sind hinter einer Wand versteckt, die Halterung für Infusionen dezent neben dem Bett angebracht und die Balkone mit Sichtschutz und Markisen versehen. Viele der Ideen kamen dabei von den Mitarbeitern selbst.

Ab nächsten Mittwoch wird sich zeigen, wie das Konzept von den Patienten angenommen wird. Dann geht die Palliativstation offiziell an den Start. "Wir werden gleich voll belegt sein", berichtete Dr. med. Reinhard Wurm am Freitag bei einer hausinternen Eröffnungsfeier.

Der Chefarzt für Strahlenheilkunde und Radioonkologie hat die palliativmedizinische Versorgung in Markendorf in den vergangenen Jahren mit aufgebaut.Die Betreuung schwerstkranker Patienten gilt brandenburgweit inzwischen als beispielhaft. "Um unsere Infrastruktur werden wir beneidet", sagt Reinhard Wurm. Die Palliativstation ist dabei ein letzter, lange geplanter Baustein.

Denn bereits seit 2010 gibt es am Klinikum den palliativmedizinischen Konsiliardienst. Er arbeitet interdisziplinär auf allen Stationen, von der Onkologie über die Neurologie bis hin zum Kinderzentrum. Spezialisierte Ärzte, Pflegekräfte, Therapeuten, Sozialarbeiter und Seelsorger betreuen schwerkranke Patienten während ihres Aufenthaltes am Klinikum mit. Gründe dafür, dass der Konsiliardienst zum Einsatz kommt, können medizinische Probleme wie Schmerzen, Luftnot, Erbrechen sein, aber auch soziale Fragen wie Patientenverfügungen. "Ziel der Palliativmedizin ist es, die Lebensqualität der Menschen zu verbessern und sie möglichst wieder nach Hause zu entlassen", erläutert Reinhard Wurm. Behandelt werden Symptome, nicht die meist ohnehin unheilbare Krankheit selbst.

2016 kam zum Konsiliardienst eine palliativmedizinische Einheit mit sieben Betten für Patienten mit erhöhten Behandlungsbedarf hinzu. Diese wird nun um die Palliativstation im erst kürzlich eröffneten Haus 1C ergänzt. Die Station besteht aus neun Patientenzimmern, in denen jeweils ein Bett - zum Beispiel für Ehepartner - mit dazu gestellt werden kann. Außerdem gibt es ein Zweibettzimmer für Angehörige, einen Snoezelenraum, ein Loungebereich mit Fitnessgeräten und eine eigene Küche. Alle Räume verfügen über Zugänge zu den Balkonen, auf denen übrigens auch geraucht werden darf.

Weitere Besonderheit: Die Betreuung ist personalintensiver als auf anderen Stationen. "Es sind drei neue Ärzte eingestellt worden", berichtet Reinhard Wurm. Dazu 13 Krankenpflegern (12,5 Stellen). Komplettiert wird das Team von Physio-, Ergo-, Musik- und Kunsttherapeuten sowie Sozialarbeitern und Seelsorgern.

Reinhard Wurm macht klar: "Eine Palliativstation ist keine Sterbestation. Wir wollen auch nicht mit einem Hospiz in Konkurrenz treten, sondern die Patienten fit für die Häuslichkeit machen". Auch mit unheilbaren Erkrankungen lasse es sich für Betroffene - unterstützt von der Palliativmedizin - mitunter noch viele Jahre lang gut leben. Als Beispiele nennt Wurm schwer Demenzkranke oder Patienten mit chronischen Lungenerkrankungen wie COPD.

Dennoch spielt das Sterben auf der Palliativstation natürlich eine größere Rolle als anderswo. Patienten können kurz vor ihrem Tod auf die Palliativstation verlegt werden. Um Schmerzen zu lindern, über Ängste zu reden - und sich zu verabschieden.

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