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Hiphop-Party überzeugt mit engagierten Rappern

Geht doch: Das Hennigsdorfer Publikum braucht lange, um in Partystimmung zu kommen. Als der Berliner Rapper Damion Davis schon in der Nacht die Bühne betrat, gab es kein Halten mehr. Der Stargast aus Berlin wurde auf Händen getragen.
Geht doch: Das Hennigsdorfer Publikum braucht lange, um in Partystimmung zu kommen. Als der Berliner Rapper Damion Davis schon in der Nacht die Bühne betrat, gab es kein Halten mehr. Der Stargast aus Berlin wurde auf Händen getragen. © Foto: Aileen Hohnstein
Aileen Hohnstein / 01.10.2017, 21:32 Uhr
Hennigsdorf (HGA) Ein Festival des Hennigsdorfer Hiphops sollte es am Sonnabend im Stadtklubhaus werden. "Guter Move" hieß es und wurde zum ersten Mal veranstaltet. Vier Hiphop-Gruppen aus der Region und der Berliner Rapper Damion Davis traten auf und gaben ihr Bestes, nur das Publikum fehlte. Am Ende explodierte die Stimmung dennoch.

"Es ist ein Experiment, was wir heute Abend machen. Mal sehen, was dabei herumkommt", sagt Michael Glinka, Klubhaus-Chef, am Sonnabend und ist schon gespannt. Zum ersten Mal soll das Stadtklubhaus die Bühne für die Veranstaltung "Guter Move" bieten. Hennigsdorf ist schon so etwas wie die Hiphop-Hochburg der Region, trotzdem fehlte bislang ein Konzertevent in größerem Rahmen. Das soll am Sonnabend geändert werden.

Wie auf einem Festival treten drei Hiphop-Gruppen aus Hennigsdorf und eine aus Velten auf. Auch der Berliner Damion Davis ist mit dabei. Die Idee dazu entstand eher spontan vor gut einem Dreivierteljahr. Ein Rapper fragte bei Michael Glinka an, ob das Stadtklubhaus für einen Videodreh genutzt werden dürfe. Daraus entspann sich schnell die Planung, gemeinsam mit Hennigsdorfer Hiphoppern und der Jugendeinrichtung "Konradsberg" einen Konzertabend für ein jüngeres, hiphop-begeistertes Publikum auf die Beine zu stellen. "Ich hoffe nur, dass mehr als 100 Leute kommen, dann ist die Stimmung besser", sagt Glinka.

Die Hoffnung erfüllt sich am Ende nicht wirklich. Um die 130 Konzertbesucher trudeln im Laufe des Abends ein und verteilen sich großzügig im bis zu 400 Personen fassenden Saal. Dass die Anzahl der Hiphop-Fans nicht entscheidend ist für eine tolle Atmosphäre, wird sich ein paar Stunden später zeigen. Doch erst einmal beginnt der Abend eher schleppend. Seltsam motivationslos stehen die Leute vor der Bühne. An der Leistung der Rapper kann es nicht liegen. Die geben alles, musikalisch und stimmungstechnisch.

Frauen, Drogen, Machogehabe - dass die Musiker mehr draufhaben, stellen sie auf der Bühne unter Beweis. Da wird es bei Rico Rush & Key schon mal emotional. In einem Lied über Verlust, Familie und Liebe fließt bei Rico Rush auch eine kleine Träne. XLNT, der geschniegelt im Anzug auftritt, feuert extraschnelle Wortsalven ab. Doch treffen auch sie nicht bei jedem im Publikum ins Herz.

Da helfen selbst Aufwärmübungen und Motivationsparolen wenig, die Ralle, Moderator des Abends, immer wieder an-bringt. Sprüche wie "Macht mal eure Hüften warm. Ich will euch springen sehen" oder "Ihr gefallt mir nicht, ihr seid alle so steif" können die Leute nur kurz aufwecken. Was seltsam ist in Anbetracht des süßlichen Dufts von Energydrinks, der durch den Saal wabert. Immer wieder leert sich der Raum, so dass Ralle irgendwann entnervt anmerkt: "Das kann echt nicht sein. Die Jungs reißen sich hier den Arsch auf der Bühne auf und ihr quatscht draußen."

Die Künstler selbst geben den Abend nicht auf. Immer wieder spornen sie ihr Publikum an und spätestens bei den Hennigsdorfern von Mundfasching springt der Funken dann langsam über. Das Duo schwitzt auf der Bühne, und davor tanzen nun endlich auch einige Fans. "Geil, ich dachte schon, ihr seid eingeschlafen", bekommt das Publikum anerkennend von der Band zu hören, und am Ende sind Zugabe-Rufe zu hören. Bei MC Onit-One wird begeistert der Text mitgegrölt und am Ende röhrt es lautstark "846" durch den Raum. Lokalpatriotismus pur. Stehen die Zahlen für die Buchstabenfolge im Alphabet doch für H-d-f, also Hennigsdorf.

Mit dem Auftritt des Berliners Damion Davis kennt die Begeisterung schließlich keine Grenzen mehr. Zwar sind am späten Abend längst nicht mehr alle Zuschauer da, doch die Stimmung explodiert förmlich. Mit viel Freude verlässt der Rapper die Bühne, um direkt im Publikum seine Show abzuliefern. Mit dem Stück "Alter" singen sich alle, die sich sofort um den Musiker drängen, warm. Alter, Alter, Alter - das Wort hat Konjunktur, die Leute rasten aus und haben Spaß. Alle folgen Damion Davis bereitwillig, der die Konzertbesucher fröhlich dirigiert - im wahrsten Sinne des Wortes. Auf sein Wort hin tauschen alle die Plätze - Rapper vor der Bühne, alle anderen darauf. Wie ein Dirigent steht er dann vor allen, klettert auf Lautsprecher, rappt mal oder singt Reggae. Er springt in die Menge, lässt sich auf den Händen der Fans über Köpfe tragen und bringt alle zum Mitmachen. Geht also doch, dass die Hennigsdorfer Hiphop-Fans ordentlich feiern können.

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