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Alten Strom von Schlamm befreien

Der Schein trügt: Was auf Spaziergänger wie eine idyllische Landschaft wirkt, birgt Probleme in sich. Der Alte Strom - ein Seitenarm der Havel - wächst langsam zu und verschlammt.
Der Schein trügt: Was auf Spaziergänger wie eine idyllische Landschaft wirkt, birgt Probleme in sich. Der Alte Strom - ein Seitenarm der Havel - wächst langsam zu und verschlammt. © Foto: MZV
Roland Becker / 03.10.2017, 11:05 Uhr - Aktualisiert 04.10.2017, 12:06
Hennigsdorf (HGA) Idyllisch wirkt die alte Havel, die sich beim Stadthafen durch die Landschaft schlängelt. Bäume beugen ihren Blätterwald ins Wasser, von Stürmen abgebrochene große Äste ragen aus dem Wasser. Was der Spaziergänger als pure Natur empfindet, ärgert den Wassersportler. Ein noch größeres Problem ist dabei gar nicht sichtbar: die Verschlammung.

"Wir haben seit längerem Hinweise erhalten, dass im Alten Strom die Verlandung beginnt", berichtete Dirk Asmus, im Rathaus für den Fachdienst Öffentliche Flächen zuständig, jüngst im Bauausschuss. Wenn die Stadt nichts unternehme, würde der Altarm der Havel irgendwann kaum noch Wasser führen. Ebenso wie jene, die dort die Bootsstege nutzen, als auch der Vorstand des Erholungs- und Wassersportvereins Henngisdorf (EWV) mahnen an, dass die Stadt aktiv wird.

Jüngst erfolgte Messungen der Wassertiefen haben ergeben, dass es höchste Zeit wird, den Seitenarm zu retten. Für gut 100 000 Euro sollen Bagger den Schlamm aus dem Grund des Flusses holen. Im Zuge dieser Arbeiten soll auch ein Teil des Stadthafens vom Schlamm befreit werden. Für die gerade im Entstehen befindliche Marina Flexmarine dürfte das Ausbaggern sogar überlebenswichtig fürs Geschäft sein, damit Wassersportler auf Dauer genügend Wasser unterm Kiel haben. Die geplanten Arbeiten beziehen sich auf den Alten Strom zwischen Hafenbecken und Brücke Havelstraße sowie auf Teile des südlichen Hafenbeckens hin zum Havelkanal.

Da im Rathaus bereits längst damit begonnen wurde, das Projekt vorzubereiten, könnte nach der endgültigen Beschlussfassung im Hauptausschuss am 11. Oktober eigentlich durchgestartet werden, zumal die Ausschreibung bereits im selben Monat erfolgen soll. Asmus erläuterte, warum das nicht möglich ist: "Die Fische ziehen sich jetzt zum Überwintern in solche Gewässer zurück." Daher sei es nur zwischen April und September erlaubt, den Schlamm mit einem Saugbagger zu bergen. Ziel sei es, damit im April nächsten Jahres zu beginnen, um die Aktion im Juni abschließen zu können.

Mit dem Ausbaggern sei das Problem noch nicht gelöst. Da es sich bei dem zu entsorgenden Schlamm um belasteten Aushub handelt, muss dieser in Schuten - einer Art flacher, antriebsloser Schiffe - getrocknet werden. Das Wasser- und Schifffahrtsamt hat angeordnet, den trockenen Schlamm dann auf die Art der Kontamination zu prüfen. Erst danach könne entschieden werden, wie der Aushub entsorgt werden kann. Dann dürfte auch feststehen, ob die bislang geplanten 106 000 Euro ausreichen werden. Die Stadt muss die Kosten zu 100 Prozent selbst tragen. Eine Beteiligung der Pächter entlang des Ufers - wie es sie für Grundstücksbesitzer an Straßen per Satzung geregelt ist - ist nicht möglich. Das leitet sich aus den Pachtverträgen ab, in denen keine Kostenbeteiligung der Anrainer festgelegt ist.

Horst Brandenburg (Bürgerbündnis) befürchtete im Bauausschuss, dass im Altarm immer wieder Schlamm angespült wird - und liegt damit vollkommen richtig. "In 10 bis 15 Jahren werden wir die Wassertiefe wieder prüfen müssen", bestätigte Asmus.

Zuletzt waren das Hafenbecken und die Wasserläufe in den Havelauen bei der Renaturierung, die zwischen 1997 und 2002 in Angriff genommen wurde, ausgebaggert worden.

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