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Wo sich gute Freunde treffen

Grenzen hinweggefegt: Symbolträchtig reichen sich Müllheims Bürgermeisterin Astrid Siemes-Knoblich und Hohen Neuendorfs Stadtchef Steffen Apelt die Hände. Grafikdesigner Andreas Werner (vor dem Graffito) hat das Mauersegment an der Florastraße mit den sic
Grenzen hinweggefegt: Symbolträchtig reichen sich Müllheims Bürgermeisterin Astrid Siemes-Knoblich und Hohen Neuendorfs Stadtchef Steffen Apelt die Hände. Grafikdesigner Andreas Werner (vor dem Graffito) hat das Mauersegment an der Florastraße mit den sic © Foto: MZV/Heike Weißapfel
Heike Weißapfel / 03.10.2017, 20:30 Uhr - Aktualisiert 04.10.2017, 13:53
Hohen Neuendorf (OGA) Mit einem so berührenden wie beschwingten Festakt in der evangelischen Kirche sind in Hohen Neuendorf die Feierlichkeiten zum 25-jährigen Bestehen der Städtepartnerschaft mit dem badischen Müllheim zu Ende gegangen.

Am Tag der Einheit gewinnt die Städtefreundschaft der Hohen Neuendorfer und Müllheimer als Festtag noch eine zusätzliche Bedeutung. In der voll besetzten Kirche erinnert Bürgermeister Steffen Apelt (CDU) in seiner nachdenklichen Rede an die Zeit der DDR mit Mauer, Stacheldraht und Toten an der innerdeutschen Grenze. Er nennt auch die Namen der vier jungen Menschen, die in der damaligen Grenzkommune Hohen Neuendorf starben, als sie versuchten, aus dem Land zu flüchten. "Der 3. Oktober gehört zu den guten Tagen in unserer Geschichte", meint Apelt. "Erinnerungsveranstaltungen werden jedes Jahr ein bisschen wichtiger", sagt er auch mit Blick auf die jungen Menschen aus Müllheim in der Kirche, die diese Zeit nicht mehr miterlebt haben und in den vergangenen Tagen vielleicht sogar erstaunt vor dem Mauersegment in der Florastraße gestanden haben.

Müllheims Bürgermeisterin Astrid Siemes-Knoblich (parteilos) erklärt in ihrer engagierten Ansprache, sie sei dieser Tage "ein bisschen in Sorge um unser Land". Die Wahl habe gezeigt, dass es einen Riss in Deutschland gebe. "Es ist wichtig, dass wir miteinander reden, uns zuhören, ins Gespräch kommen, voneinander lernen." Zwischen Müllheim und Hohen Neuendorf funktioniere das aber schon längst. "Wir reden bemerkenswert offen miteinander", findet sie.

Ein heiterer Rückblick auf die Jahre der Freundschaft ist Hohen Neuendorfs Alt-Bürgermeister Günter Siebert (SPD) vorbehalten, der die aus den evangelischen Kirchengemeinden hervorgegangene Städtepartnerschaft vor 25 Jahren mit Müllheims damaligem Bürgermeister Hanspeter Sänger (CDU) begründet hat. Siebert erhält für seine offensichtlichen Kenntnisse über die Stadt und ihre Ortsteile, die er gut 20-Mal besucht hat, und für gefühlvollen Worte stehende Ovationen. "Die hatten nicht so eine West-Art", war sein Eindruck von den Müllheimern, als er als erster frei gewählter Bürgermeister das erste Mal dorthin fuhr. "Der Markgräfler hat so'n bisschen Charme. Der kann noch etwas sagen, ohne dass es weh tut", sagt Siebert. Er erinnert sich an den stolzen Augenblick, als er für den ersten Ehrenbürger der Stadt Hohen Neuendorf, Müllheims Pfarrer Alfred Schönbucher, die Laudatio hält. Aber auch den peinlichsten hat Siebert nicht vergessen. Das weiße XL-Oberhemd, das er sich in Müllheim in aller Eile vor einem Festakt kauft, hätte besser XXL sein sollen, da am Abend leider mehrere Knöpfe absprangen. Damals sicher unangenehm, wird es nun zur vergnüglichen Anekdote. Durchaus ernst gemeint ist aber Sieberts Appell an die anwesenden Stadtverordneten, ein mögliches neues Wohnviertel in Hohen Neuendorf mit Müllheimer Straßennamen zu benennen.

Schon am Abend zuvor hatten Alt-Bürgermeister Siebert und seine Frau Ursula mit 300 anderen Gästen in der Stadthalle einen höchst unterhaltsamen Abend erlebt. Akteure beider Kommunen zeigten, was die Städtepartnerschaft auszeichnet. Sportlerinnen, Vereine und zahlreiche Musiker in verschiedenen Formationen und in allen Altersgruppen sorgten für eine vielfältige Mischung aus Musik, Akrobatik und Tanz. Das üppige Büffet konnte bis in die Nacht gleich wieder abgetanzt werden. Als "eine Wahnsinnsparty", bezeichnet Astrid Siemes-Knoblich den von Marketing-Fachbereichsleiterin Ariane Fäscher gekonnt moderierten Abend.

Astrid Siemes-Knoblich sowie die Vorsitzenden der Partnerschaftskomitees, Hannelore Keil und Fred Bormeister, haben das Jubiläum unter den Augen aller Kirchenbesucher nun mit ihrer Unterschrift im Hohen Neuendorfer Ehrenbuch festgehalten. Präsente befestigen die Freundschaft: Den Gullydeckel, der Hohen Neuendorfs Wappen trägt und die Müllheimer Hauptstraße zieren soll, halten die Bürgermeister gern zur Ansicht hoch - als Papp-Bild. Eine junge Eiche hat Astrid Siemes-Knoblich mitgebracht. Sie soll in Hohen Neuendorf gedeihen und die Nachhaltigkeit dieser Freundschaft versinnbildlichen. In 200 Jahren könnte mal ein Fass draus werden, in das die Nachfahren Wein füllen - badischen natürlich.

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