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Laufen, kämpfen und nie aufgeben

Los geht's: Tim Berger (Mitte) und Kumpel Justin Kalow (r.) machen sich auf den Weg auf die Super-Strecke.
Los geht's: Tim Berger (Mitte) und Kumpel Justin Kalow (r.) machen sich auf den Weg auf die Super-Strecke. © Foto: MOZ/Britta Gallrein
Britta Gallrein / 03.10.2017, 20:41 Uhr - Aktualisiert 04.10.2017, 13:54
Finowfurt (MOZ) "Aroooo"! Mit dem Schlachtruf der antiken Spartaner Krieger gingen auf dem Gelände des Finowfurter Luftfahrtmuseums 2500 Sportler bei der Premiere des Spartan Race Berlin auf die Strecke. Eine Cross-Lauf-Strecke und Hindernisse, die es in sich hatten, warteten auf die Athleten.

"Was seid ihr?", brüllt der schwarz gekleidete Mann auf dem Podest. "Spartaner!" brüllen die Sportler, die in der nächsten Startwelle stehen. "Ich kann euch nicht hören! Was seid ihr?" "Spartaaaaaaaaaner!" kommt es auf 50 Kehlen zurück. Die Männer und Frauen, die hier in der Startzone warten, sind heiß darauf, 13 Kilometer zurückzulegen. Aber nicht nur das. Denn mit einem einfach Volkslauf kann man kaum mehr einen Hund hinterm Ofen hervor locken. Das haben findige Veranstalter längst erkannt. In der alten Baumwoll-Jogginghose alleine durch den Wald rennen ist out. Heute geht es um mehr. Tough Mudder, Athletics, Toughrun, Muddy Angels Run, Cross Challnge, Iron Viking - schier endlos ist die Liste der Events. Es geht um das gemeinsame Erleben oder, wie es Stephan Flock, Organisator des ersten Spartan Race in Finowfurt erklärt, es geht um den "Thrill".

Den bieten die zu 20 Hindernisse auf der 5- oder 13-Kilometer-Strecke. Die Sportler müssen Holzwände oder die Hangars des Flughafens überwinden, durch Schlammgruben und unter Stacheldraht kriechen, Speere werfen und schwere Ketten schleppen. Sie müssen sich quälen, auspowern und an ihre Leistungsgrenzen gehen.

Spartan Race, das ist auch ein bisschen sowas wie ein Sportler-Laufsteg. Ein Spartaner ist mutig, stark und trainiert. Und das soll auch jeder sehen. Trotz frösteliger 8 Grad am Morgen läuft ein sehr großer Teil der männlichen Starter mit freiem Oberkörper, auf dessen definierten Muskeln sich allerlei martialische Bodypaintings befinden. Natürlich tragen auch die Damen hier bevorzugt hauteng und schwarz, das Gesicht verziert mit dekorativen Streifen, die offenbar Kampfeswillen demonstrieren sollen. Eine besonders adrette Blondine mit kunstvoll geflochtenem Zopf rückt ihre angesagte verspiegelte Sonnenbrille zurecht - noch schnell ein Selfie vor dem Start.

Auch Tim Berger und Freund Justin Kalow sind startklar. Die beiden 18-Jährigen aus Eberswalde haben schon ein paar solcher Eventläufe mitgemacht, beim Spartan Race aber noch nie. Beide machen Fitnesstraining und joggen regelmäßig etwa zehn Kilometer. Seine Zeit über diese Strecke weiß Tim gar nicht. "Keine Ahnung", erklärt der schlacksige Abiturient. Eine Aussage, die jedem Hobbyläufer, der seine Zeiten meist auf den Kilometer genau aufzählen kann, die Schweißperlen auf die Stirn treiben würde. Aber hier geht es den meisten eben nicht um die Zeit, sondern um den Spaß.

Die Hindernisse kennen die Läufer vorher nicht. "Aber die wiederholen sich ja meistens", weiß Tim. Sein Ziel: "Ich will einfach nur durchkommen." Freund Justin zieht missbilligend die Augenbraue hoch. "Naja, Justin will immer Erster werden, aber mit geht es um den Spaß", erklärt Tim lachend, bevor beiden in Richtung Startblock schlendern.

Dorthin begibt sich auch Cindy Fritze. Die 40-jährige Bernauerin startet ebenfalls im Team mit Kumpel Lars Schüler. Auch ihr Ziel: durchkommen. Ein paar Hindernisse hat sie sich schon angesehen. "Die haben es echt in sich", weiß die Bernauerin, die regelmäßig joggt und Krafttraining macht. Vor welchem Hindernis hat sie am meisten Angst? "Also wenn man in eiskaltes Wasser tauchen muss, das finde ich nicht so toll", gesteht sie.

Der schwarz gekleidete Einpeitscher auf der Bühne hat sich jetzt so richtig in Stimmung gebrüllt. "Seid ihr bereit?" "Arooooooo!" Dann geht es los.

Der Start beim Spartan Race erfolgt in Wellen, damit vor den Hindernissen keine Staus entstehen. 13 Kilometer geht es nun über das Flugplatzgelände und nun kann jeder zeigen, was er drauf hat und ob das viele Training sich auszahlt. Ganz vorne weg laufen die, die sich für die Welt- und Europameisterschaften qualifizieren.

Die letzten vier Hindernisse liegen im Zielbereich. Hier können die Zuschauer nochmal anfeuern. Die Spartan-Profis hangeln sich mit atemberaubender Geschwindigkeit durch das viertletzte Hindernisse. Rund 20 Meter muss man sich hier an Stangen und Griffen entlang hangeln. Arm- und Griffkraft sind gefragt, aber auch Geschicklichkeit. Wer den Schwung mitnimmt, hat schon die halbe Miete. Die Profis haben den Dreh raus. Bei den anderen sieht das schon nicht mehr ganz so spielerisch aus. Viele sind hier, ein paar hundert Meter vor dem Ziel, ganz schön ausgepowert. Aber als Spartaner hilft man sich gegenseitig. Ein Ehrenkodex unter den Sportlern. Und der wird manchmal sehr weit ausgelegt. So helfen einige Männer den Frauen im Team, indem sie sie einfach auf den Schultern tragen. Eigentlich nicht erlaubt. Aber hier drücken die Aufpasser, die an jedem Hindernis postiert sind, ein Auge zu.

Wer ein Hindernis nicht schafft, muss 30 Burpees machen, aus dem Fitnesssport bekannte Liegestütz-Hock-Strecksprünge. Am Ende wird da auch nicht mehr genau nachgezählt. Eine junge Frau weint vor Erschöpfung und muss von ihren Teamkollegen gestützt werden. Die meisten lachen aber noch.

Und dann ist sie endlich da, die heiß ersehnte Ziellinie. Noch einmal über eine Linie aus brennenden Holzscheiten springen und dann ist man angekommen. Und ist ein Spartaner - was für eine Ehre. Cindy ist nach 2:51 Stunden erschöpft, aber glücklich wieder im Ziel. "Zum Schluss war ich auch echt kaputt, aber es hat trotzdem Spaß gemacht."

Das finden auch Justin und Tim. Der musste richtig beißen. "Nach der Hälfte hatte ich Krämpfe, musste immer wieder anhalten." Ans Aufhören, sagt er, habe er jedoch keine Sekunde gedacht. Deshalb ist auch Kumpel Justin stolz auf ihn. "Er hat weiter gemacht. Das war das Wichtigste." Dann gehen die Freunde sich erstmal eine Bratwurst holen. Belohnung muss sein, auch für Krieger.

Weitere Informationen unter www.spartanrace.de

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