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Grabungseinsatz zwischen Klessin und Podelzig / Noch immer werden tote Weltkriegssoldaten geborgen

Gebeine unter dem Maisfeld

Josefine Jahn / 04.10.2017, 19:31 Uhr
Klessin (MOZ) Vor dem ehemaligen Schloss Klessin tobten die Kämpfe zum Ende des Zweiten Weltkrieges besonders heftig. Etliche deutsche und sowjetische Soldaten werden unter den Äckern noch vermutet. Der Verein zur Bergung Gefallener in Osteuropa ist derzeit vor Ort, um nach Überresten zu graben.

Bis zum Mittwochmittag waren es zehn. Zehn sterbliche Überreste, die acht sowjetischen und zwei deutschen Soldaten zugeordnet werden konnten. Die Männer starben zwischen Januar und März 1945 auf dem Schlachtfeld Klessin. Während deutsche Soldaten das gleichnamige Schloss verteidigen wollten, wurde es von Soldaten der Roten Armee eingekesselt. Demnach war der Grund der Kampfhandlungen meistens, "die Verbindung zu Klessin wieder herzustellen", erklärt Albrecht Laue, Vorsitzender des Vereins zur Bergung Gefallener in Osteuropa (VBGO). Er leitet vier Grabungsmannschaften mit insgesamt 35 Personen an, die für eine Woche lang auf der Ackerfläche zwischen Podelzig und Klessin ehemalige Schutzgräben ausheben, Markierungen setzen, mit Metalldetektoren die Gänge absuchen und Kriegsschrott und vor allem die Gebeine von vor über 70 Jahren gefallenen Soldaten bergen. Etliche Schicksale gefallener und als vermisst gemeldeter Soldaten sind seither aufgeklärt worden. "Diese Soldaten zu finden, Angehörigen Nachricht geben, ist eine der Zielsetzungen des VBGO", sagt Laue. Seit über zehn Jahren ist der in Hamburg ansässige Verein mit der Suche beschäftigt, die eine nationalübergreifende ist. "Wir haben Vereinspartner aus Russland und Polen, mit denen wir kooperieren und Gegenbesuche machen", sagt Laue. Weitere Vereinshelfer kommen aus den Niederlanden, der Schweiz, Italien und Deutschland. "Wir als Enkelgeneration sollten global auf das Ereignis schauen", findet er. Wichtig sei es, die Würde gegenüber denjenigen zu wahren, die auf beiden Seiten den Tod fanden.

Seitens der Podelziger und Klessiner käme viel Unterstützung, Leute brächten Kaffee und Kuchen vorbei, erzählt Albrecht Laue. Auch einige Angehörige und Überlebende der Kampfhandlungen kämen vorbei. "Und Frank Tiggemann hat mit Rücksicht auf uns gewisse Stellen vorzeitig abgeerntet, das ist keine Selbstverständlichkeit", dankt der Vereinsvorsitzende dem Landwirt. Sechs kleine, hölzerne Sarkophage stehen am Rand des Ackers nebeneinander, davor ein Holzkreuz und eine Kerze. Sie beinhalten die bereits aufgelesenen Gebeine der acht gefundenen Gefallenen. Dort werden sie aufbewahrt, bevor sie von der Deutschen Dienststelle (WASt) abgeholt werden.

"Wir sind unter anderem dafür zuständig, den Nachlass an Angehörige weiter zu geben und die Sterbefälle anzuzeigen", erklärt Birgit Wulf von der WASt. Aus dem Zweiten Weltkrieg würden nach wie vor eine Million deutsche Soldaten als vermisst gelten, berichtet Birgit Wulf.

Einer der Funde, die noch nicht in einen Sarkophag verpackt wurden, liegt wie aufgebahrt in einem der Gräben, 1,80 Meter tief. "Ein sowjetischer MG-Schütze", erläutert Laue. Umgekommen sei er vermutlich durch den Granatsplitter in seinem Schädel. Fundlage, Beifunde und auch Zahnstrukturen geben Auskunft darüber, ob es sich um einen Soldaten deutscher oder sowjetischer Herkunft handelt.

VBGO-Mitglied Daniel Herrmann sucht einen anderen Grabengang via Metalldetektor ab. "Das ist einfach interessant", erklärt er seinen freiwilligen Einsatz im Oderbruch, für den er und alle anderen vorab geschult wurden. Am Rand der Klessiner Straße hat eine weitere Arbeitsgruppe die Skelette eines deutschen und eines sowjetischen Soldaten dicht beieinander gefunden. "Vier Knöpfe, Telefondraht, ein Stück Schulterblatt, Sterum, Rippen, Wirbelsäule und ein Teil vom Unterarm", gibt Hartmut Zimmermann seinem Kollegen Werner Schulz vom Landesdenkmalamt zu Protokoll. Der zeichnet alles in einer Schablone ein.

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