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Mit einem Ausbildungsvertrag in der Tasche bereist Mirco Tornow ein Jahr Kanada

Auf sich allein gestellt

Leichtes Gepäck: Einen handlichen Rucksack und ein Styropor-Surfbrett mit Kanada-Flagge gab es für Mirco Tornow aus Mittweide zu seiner Geburtstags- beziehungsweise Abschiedsfeier geschenkt. Seit rund zwei Wochen ist er nun in Kanada.
Leichtes Gepäck: Einen handlichen Rucksack und ein Styropor-Surfbrett mit Kanada-Flagge gab es für Mirco Tornow aus Mittweide zu seiner Geburtstags- beziehungsweise Abschiedsfeier geschenkt. Seit rund zwei Wochen ist er nun in Kanada. © Foto: MOZ/Jörn Tornow
Tatjana Littig / 05.10.2017, 05:29 Uhr
Mittweide (MOZ) Es gibt Dutzende Möglichkeiten für junge Menschen, um eine Zeit lang im Ausland zu leben. Eine von ihnen: Work and Travel von einem Anbieter oder selbstständig organisiert. Mirco Tornow aus Mittweide hat sich für die zweite Variante entschieden - und ist nun in Kanada.

Die ersten Bilder aus Toronto haben seine Familie und Freunde bereits erreicht. Es scheint dem 18-Jährigen gut zu gehen. Er arbeitet jetzt auf einer Farm unweit der Metropole. Vor etwa anderthalb, zwei Jahren hat er den Entschluss gefasst, seiner Heimat für eine Zeit den Rücken zu kehren. Raus aus Deutschland, eigene Erfahrungen machen, reisen, das habe ihn gereizt, erklärt er kurz vor seinem Abflug. Seine Familie hat er von Anfang an in seine Überlegungen einbezogen.

Recht schnell war dem Abiturienten aus Mittweide klar, dass es ein Work and Travel werden soll. Übersetzt heißt das: Arbeiten und Reisen. Geliebäugelt hat er mit Australien und Kanada als Reiseziel. Bei seiner Entscheidung ging er schließlich pragmatisch vor. "Ich hasse Wärme", sagt Mirco Tornow - damit ist Australien aus dem Rennen.

"Ich will ein Jahr aussetzten, bevor ich mich wieder in eine schulische Institution begebe", berichtet er. Pläne für die Zeit nach seiner Rückkehr hat der 18-Jährige nämlich schon. Während viele junge Menschen die Zeit im Ausland nutzen, um sich zu orientieren, sich der eigenen Stärken und Schwächen bewusst zu werden, startet Mirco Tornow mit einem Ausbildungsvertrag in der Tasche in sein Jahr in Kanada. Er wird danach 3D-Animation in Köln lernen. "Ich mag Animationsfilme", erklärt er seinen Berufswunsch und lacht. Auf einer Jobmesse in Berlin ist er auf das Unternehmen aus Kanada aufmerksam geworden - nach einem Workshop und einem Vorstellungsgespräch wusste er: Das will ich machen. Die Ausbildung findet auf Englisch statt. "Mein Englisch ist noch nicht so gut. Da bietet sich das Work and Travel auch an."

In Kanada wird Mirco Tornow auf sich allein gestellt sein. Bei der Frage, ob er mit einer Organisation reisen möchte oder ohne, hat er sich für Letzteres entschieden. Dabei war er anfangs ein Befürworter der organisierten Variante. Doch schon früh im Vorbereitungsprozess hat er sich einer Work-and-Travel-Gruppe auf Facebook angeschlossen. In der Gruppe wurden Fragen und Erfahrungen ausgetauscht. Dabei habe er angesichts der Unsicherheiten von Reisenden, die eine Organisation im Rücken haben, festgestellt, dass das nicht notwendig sei, erzählt er. Flug, Visum, Job, Unterkunft, Sozialversicherungsnummer, Bankkonto, Handyvertrag - um alles muss er sich selbst kümmern.

Vor allem die erste Unterkunft bereitet dem 18-Jährigen vor der Abreise Sorgen, als das geklärt ist, ist der Druck weg, beschreibt er. Für die erste Woche hat er sich eine Bleibe über die Plattform Airbnb gesichert, danach möchte er bei einem Fremden auf der Couch schlafen.

Offenheit ist der Schlüssel zum Glück - das gilt nicht nur für die Heimat, sondern erst recht auf Reisen. Auch über Jobs vor Ort hat sich Mirco Tornow im Vorfeld Gedanken gemacht. "Am liebsten in die Gastronomie", lautet sein Credo. In der Nähe von Toronto gibt es ein Ski-Gebiet. Dort würde er gern sein Geld verdienen. Auf eine Farm hingegen wolle er nicht, erklärt er im Vorfeld, "vielleicht zwischendurch, aber nicht dauerhaft". Wo er nun seinen ersten Job gefunden hat? Ironischerweise gerade auf einer Farm. Doch noch bleibt ihm genügend Zeit, verschiedene Sachen auszuprobieren. Was er sich von der Reise verspricht - neben den Sprachkenntnissen? "Ich möchte selbstständiger werden, viele Erfahrungen sammeln und viele Leute kennenlernen", sagt er. Und fügt an: "Wenn ich mir was in den Kopf setze, dann ziehe ich es durch."

Trebatsch (lit) Amerika hat es Sophie Bogan angetan, genauer gesagt Kalifornien. Am 16. Oktober ist es soweit: Dann geht es für die 18-Jährige aus Rocher bei Trebatsch in das Land ihrer Träume. Die ersten Tage wird sie in New York verbringen, danach reist sie mit dem Bus weiter nach Doylestown. Die Stadt liegt etwa 55 Kilometer nördlich von Philadelphia im US-Bundesstaat Pennsylvania. "Seit ich 14 Jahre alt bin wollte ich raus aus Rocher", erzählt die Abiturientin. Ihre Begründung folgt prompt: Sie und die vier Jahre ältere Schwester Caro waren die einzigen in diesem Alter im Ort.

Wenig später unternimmt Sophie Bogan einen ersten Schritt in diese Richtung: Sie zieht mit ihrer Mutter nach Beeskow und lebt dort die vergangenen drei Jahre. Mit dem Abitur vom Rouanet-Gymnasium in der Tasche soll es nun in die USA gehen. Seit Februar plant die 18-Jährige ihren Auslandsaufenthalt. Früher dachte sie immer daran, ein Work and Travel zu machen, zu arbeiten und zu reisen. Doch in den USA sei eine derartige Arbeitserlaubnis nicht ohne Weiteres zu bekommen, erklärt sie. Eine Freundin vom Gymnasium fragt sie schließlich: Warum machst du kein Au-Pair? Die Frage treibt Sophie Bogan um, und sie entscheidet, den Versuch zu wagen.

Ein Au-Pair unterstützt eine Gastfamilie im Ausland bei der Kinderbetreuung und am Rande bei einfachen Haushaltsaufgaben. Erfahrungen im Umgang mit Kindern bringt die gebürtige Rocherin zur Genüge mit. Ihre ältere Schwester Jule betreibt die Integrationskita Sputnik in Fürstenwalde. Dort absolviert Sophie Bogan ein Schülerpraktikum, hilft danach immer mal aus und babysittet. "Kinder sind so lebensfroh und unvoreingenommen", sagt sie und lächelt.

Die 18-Jährige hat sich für ihr Au-Pair an eine Organisation gewendet, die bei der Vermittlung hilft. Auf sie gestoßen ist sie ebenfalls über die Freundin aus der Schule - die gerade auch in den USA arbeitet. Das Programm der Organisation sieht einen Aufenthalt von 13 Monaten vor, zwölf in der Familie und einen zum Reisen. Ihre Gastfamilie kennt die Abiturientin schon von Skype und WhatsApp: Vater, Mutter, zwei Mädchen, ein und drei Jahre alt, sowie ein kleiner Hund erwarten sie. "Super freundlich", so ist ihr erster Eindruck von der Familie. "Der Gast-Papa freut sich schon, dass dann jemand mit ihm Football sieht", erzählt sie. Noch immer ist das alles ein wenig surreal für sie. "Man träumt so lange davon und jetzt ist es so nah", beschreibt die 18-Jährige. Besuch der Familie ist jedenfalls fest geplant - und dann sollte Brot mit. Denn: "Deutsches Brot wird mir fehlen", verrät Sophie Bogan.

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