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Burow: Herrin der Pilze

Fleißige Sammlerin: Johanna Dalchow zeigte auf dem Gramzower Hoffest, welche Pilze es unter anderem in der Region gibt.
Fleißige Sammlerin: Johanna Dalchow zeigte auf dem Gramzower Hoffest, welche Pilze es unter anderem in der Region gibt. © Foto: Sandra Jütte/MOZ
Sandra Jütte / 05.10.2017, 06:55 Uhr
Burow (GZ) 64 Pilzsorten hat Johanna Dalchow auf dem Gramzower Hoffest präsentiert - alle in der Region gesammelt. Mindestens 200 verschiedene gibt es laut der Pilzexpertin in der Region. Für Anfänger bietet die Burowerin Beratungen und Pilzwanderungen durch die Wälder rund um Menz an.

Essbar sind von den 64 Pilzen, die zur besseren Anschaulichkeit fein drapiert und beschriftet auf dem Holztisch ausgebreitet sind, nur rund ein Drittel. "Die Zahl variiert aber täglich", sagt Johanna Dalchow - je nachdem, wann und wo man sammeln gehe. Jetzt, im September und Oktober, ist Hochsaison für Pilze. Besonders Maronen und Butterpilze seien gerade häufig zu finden, sehr zeitig waren in diesem Jahr die Pfifferlinge und Steinpilze dran. Das feuchte Wetter in den vergangenen Monaten habe die Organismen sprießen lassen. "Im vorigen Jahr war es viel zu trocken. Dagegen gibt es momentan sehr viele Pilze", sagt die 69-Jährige, die schon als Kind mit ihren Eltern die Fruchtkörper sammeln ging. In der Biologie werden Pilze weder den Pflanzen noch den Tieren zugeordnet, sondern gelten als eigene Gattung.

Dabei wächst ihr Wurzelgeflecht, das so genannte Myzel, meist unter der Erde oder an Bäumen, gepflückt wird nur die Frucht. "Einen Pilz, den man kennt, schneidet man am besten mit einem Messer ab. Alle anderen sollten herausgedreht werden, um zu sehen, ob sie eine Knolle haben", empfiehlt Johanna Dalchow, die seit 1989 zertifizierte Pilzberaterin ist.

Die Knolle könne nämlich ein erstes Warnzeichen sein. Auch viele giftige oder ungenießbare Sorten wüchsen in der Region, deren Verzehr zu Magenschmerzen oder Schlimmerem führen kann. Auch in diesem Jahr habe sie schon Notrufe aus dem Krankenhaus erhalten, bei denen sie um Einordnung gebeten wurde. "Eltern etwa sollten im Wald aufpassen, was ihre Kinder in den Mund nehmen", sagt die Burowerin. Besonders gefährlich sei der Grüne Knollenblätterpilz, da die Symptome erst bis zu zwei Tage nach dem Verzehr auftreten können. "Da denkt dann keiner mehr daran, dass er Pilze gegessen hat, und die Hilfe kommt zu spät." In jedem Fall helfe es, wenn der Betroffene noch einen der Pilze aufbewahrt hat.

Vorsicht sei auch beim Grünling geboten, der seinen Namen der braun-grünlichen Färbung verdankt. "Der gilt seit zehn Jahren als giftverdächtig, da er einen Stoff enthält, der den Herzmuskel zersetzt", erklärt die Expertin. Jedem Anfänger empfiehlt sie, sich zunächst beraten zu lassen. "Nur, wer genauere Kenntnisse hat, bewahrt sich vor einer Pilzvergiftung", gibt die Burowerin zu Bedenken. Vieles sei auch noch nicht erforscht.

Die Klassiker - wie Marone, Steinpilz oder Pfifferling - können dagegen bedenkenlos geerntet werden. "Aber nur für den eigenen Bedarf", betont Johanna Dalchow. Mehr sei nicht erlaubt. Dabei bieten Brandenburgs Wälder einen guten Nährboden für die Organismen. "Grundsätzlich mögen Pilze feuchten Boden, aber es gibt auch Sorten, die auf sandigem Untergrund wachsen", erklärt sie. An Kiefernbäumen gibt es beispielsweise die Krause Glucke zu entdecken, die einen holzigen Geruch ausströmt und an einen hellbraunen Schwamm erinnert. Totes Buchenholz mag der Ästige Stachelbart, der ebenfalls essbar ist.

Diese Vielfalt sei es auch, die sie so an Pilzen möge, erklärt die 69-Jährige. Manche Sorten, wie der giftige Kahle Krempling, könnten etwa auch zum Einfärben von Wolle benutzt werden. Wichtig sei nur, dass die Pilze möglichst schnell nach dem Pflücken weiterverarbeitet werden. Ihr Wissen vermittelt Johanna Dalchow nicht nur in persönlichen Beratungen, sondern auch während ihrer Führungen, etwa diesen Sonnabend ab 9 Uhr ab dem Naturparkhaus in Menz.

Pilzberatung: Johanna Dalchow, Waldstraße 9, Burow, Telefon 033082 50341

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