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Peter Herbert ist einer der Protagonisten bei den Colonietagen in Güstebieser Loose

Was Senf mit Kunst verbindet

Hält nichts von Feiern: Peter Herbert stellt seit Mai 2007 seinen eigen Senf her. Produzieren darf er ihn unter anderem bei seinem Kollegen Sven Durau in Wriezen.
Hält nichts von Feiern: Peter Herbert stellt seit Mai 2007 seinen eigen Senf her. Produzieren darf er ihn unter anderem bei seinem Kollegen Sven Durau in Wriezen. © Foto: MOZ/Anett Zimmermann
Anett Zimmermann / 06.10.2017, 06:15 Uhr
Güstebieser Loose (MOZ) ei den Colonietagen am Wochenende in Güstebieser Loose darf Senfproduzent Peter Herbert nicht fehlen. Warum das so ist und noch einiges mehr, wollte Anett Zimmermann von ihm wissen.

Herr Herbert, wann haben Sie das erste Mal Senf probiert?

Als Kind. Ich war vier oder fünf Jahre alt und hatte so meine Schwierigkeiten mit dem Essen. Aber eine Butterstulle mit Erfurter Born-Senf ging immer.

Butter unter dem Senf?

Ja, das schmeckt mir heute noch. Viele Leute kennen Senf statt Butter. Das geht auch. Es gibt einige Senfsorten, die sich dafür eignen.

Was bedeutet Senf heute für Sie?

Die Rückholung einer vergessenen Kultur, nicht nur in Bezug auf die DDR (deutsche demokratische Republik - Anm. der Red.). Aber da ist Sven Durau in Wriezen einer der letzten Mohikaner. Er ist befreundete Konkurrenz vom Feinsten, denn bei ihm darf ich mithelfen und auch meinen eigenen Senf produzieren. Mich interessiert vor allem die klassische Senfwürze, der medizinische Senf ohne Essig. Da sind wir wieder bei der Kultur. Senf gab es einst nicht im Lebensmittelhandel, sondern in der Apotheke und zum Selbstanrühren. Da kam nur Wasser hinzu und der Senf war extrem scharf. Es gab nur ein Problem - die sehr kurze Haltbarkeit. Vor zehn Jahren hatte ich eine Variante gefunden, die meinen Senf acht Wochen haltbar macht.

Wo wird Senf noch verwendet?

Er ist ein Heilmittel, das schon die alten Römer kannten. Es lindert unter anderem Beschwerden der Atemwege und hilft bei Erkältungen. Er wirkt zudem antibakteriell und desinfizierend und kann damit auch als Reinigungsmittel eingesetzt werden. Als Zwischenfrucht ist er bis heute auch in der Landwirtschaft bekannt. Er wirkt sich positiv auf die Mikroorganismen im Boden aus. Alter, also nicht mehr scharfer Senf eignet sich übrigens hervorragend zum Haarewaschen.

Wozu gehört Senf aus Ihrer Sicht unbedingt dazu?

Wenn man ihn herstellt zu allem. Zum Beispiel habe ich beim Hoffest bei Michael Rubin in Zollbrücke Besuchern Holunderblütensenf empfohlen. Essigfreier Senf passt selbst zu Sahnetorte und Obstsalat. Manch einer streicht Fleisch, das nicht mehr ganz so frisch ist, damit ein, ehe er es weiterverarbeitet. Senf macht Fleisch wie zum Beispiel Rouladen generell zarter.

Wie viele Sorten Senf gibt es überhaupt?

Unendlich viele, wenn man all die Zutaten bedenkt, mit denen man ihn vermengen kann. Es gibt allerdings nur sechs Pflanzenarten, die sich zu Senf machen lassen. Ich habe fünf Sorten meines Loosen Senfs im Angebot und dabei bleibe ich auch. Es sei denn, ein Kunde möchte etwas Besonderes und bestellt das auch extra bei mir.

Also kommt doch kein Senf in Ringform?

Ach, das war ursprünglich nur eine Geikelei für den ersten Oderbruch-Ringmarkt des Museums Altranft im Juni. Ich bin gefragt worden, ob mir etwas zum Thema Ring einfallen würde. Da bin ich in Falle getappt. Die Idee an sich war dann gut, aber alles andere würde mir zu viel.

Wie verträgt sich Senf mit Kunst?

Mein Senf wurde auf unserem Loose-Hof erfunden. Also wird er hier auch zu den Colonietagen erwartet. Die Herstellungsart ist ebenfalls eine Kunst. Aber natürlich profitiere ich auch von meiner Frau, die Grafikerin ist. Da wird die Erscheinungsform meines Senfes schon mal am Abendbrottisch diskutiert.

Wo geben Sie Ihren Senf sonst noch dazu?

Kommunalpolitisch beim Thema Biber und generell, wenn ich weiß, dass man etwas besser machen kann. Ich rede gern, etwa bei Ausstellungen von Künstlern, die ich kenne. Wenn es Spaß macht, sich einzubringen. Wie in der Hofgesellschaft Neulewin, einem Verein ohne Vereinsmeierei, der die alte Bautradition im Oderbruch erhalten will.

Colonietage: an diesem Sonnabend und Sonntag zwischen 11 und 18 Uhr auf den Höfen von Grafikerin Sophie Natuschke und Senfproduzent Peter Herbert, Güstebieser Loose 47, sowie von Keramikerin Heidi Köhler, Güstebieser Loose 49

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