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Weiche für Testphase gestellt

Ruhe vor dem Fahrgast-Sturm: Im Herbst 2018 soll auch am Bahnhof Friedrichswalde wieder ein Zug halten.
Ruhe vor dem Fahrgast-Sturm: Im Herbst 2018 soll auch am Bahnhof Friedrichswalde wieder ein Zug halten. © Foto: MOZ/Marco Marschall
Marco Marschall / 06.10.2017, 06:20 Uhr
Joachimsthal (MOZ) Ab Herbst 2018 soll der Personenzugverkehr zwischen Joachimsthal und Templin wieder rollen. Eine Testphase, die sich das Land Brandenburg mehr als eine Million Euro Zuschuss kosten lässt. Auch die Kommunen müssen einen Beitrag leisten.

"Wenn wir uns dagegen entscheiden, stirbt das Ganze auch", machte Joachimsthals Bürgermeister René Knaak-Reichstein in der Stadtverordnetenversammlung bewusst. Anzeichen dafür gab es aber von vornherein keine. Einstimmig votierten die Mitglieder im Gremium dafür, den geplanten Testbetrieb auf der Zugstrecke zwischen Joachimsthal und Templin in den Jahren 2018, 2019 und 2020 mit jeweils 5000Euro zu bezuschussen.

Ein eher symbolischer Betrag, wie mit Blick auf die Gesamtkosten von mehr als einer Million Euro, in erster Linie vom Land bezahlt, deutlich wird. Sieben Zugpaare sollen täglich zwischen der Kurstadt in der Uckermark und dem Städtchen im Norden des Barnims verkehren. Die beiden Landkreise und die Stadt Templin werden ihrerseits ebenfalls einen Beitrag zum Unterfangen leisten müssen.

Kleinere Gemeinden an der Strecke sollen nach Informationen von René Knaak-Reichstein nicht zur Kasse gebeten werden. Friedrichswalde zum Beispiel, darauf habe man sich geeinigt, müsse nichts zahlen. "Ob die Dörfer Hurra schreien, bleibt abzuwarten", blickte Knaak-Reichstein in der Sitzung der Stadtverordneten voraus. Grund: Der Busverkehr könnte im Zuge der Wiederbelebung der Bahnstrecke ausgedünnt werden.

Was in punkto Busse genau passiert, ist allerdings noch nicht raus. Wie die Märkische Oderzeitung in einem Gespräch mit Barnims Kreispressesprecher Oliver Köhler erfuhr, werden verschiedene Varianten diskutiert. Noch gebe es nichts Konkretes. Und auch die Summe, mit der der Landkreis an der Wiederbelebung der Strecke beteiligt wird, steht laut Köhler noch nicht fest. Da es sich beim Bahnverkehr um eine Landesaufgabe handelt, dürfte der Zuschuss ebenfalls nur ein symbolischer sein, meint er.

In Templin ist dieser Zuschuss zum Pilotprojekt reine Formsache. Die selbsternannte Perle der Uckermark soll 2018 den Betrag von 10000Euro zum Testbetrieb beisteuern. Genau die Summe, bis zu der Bürgermeister Detlef Tabbert Entscheidungen treffen darf, ohne die Stadtverordneten zu fragen. Darüber informiert Templins Wirtschaftsförderin Dana Schöttler. Von den Stadtverordneten habe Tabbert den Auftrag, sich für die Wiederbelebung der Strecke einzusetzen. Daher dürfte die Bereitstellung des höheren Beitrags in den Folgejahren ebenfalls ausgemacht sein.

Als Starttermin für den Zugverkehr ist der Beginn des Schuljahres 2018/19 avisiert. An den Bahnhöfen von Joachimsthal, Friedrichswalde, Milmersdorf, Ahrensdorf und Templin wird der Zug der Hanseatischen Eisenbahn dann halten. Das Unternehmen hat in den vergangenen 13 Jahren in Brandenburg, Mecklenburg-Vorpommern, Sachsen-Anhalt und Niedersachsen mehr als 400 Gleiskilometer übernommen, die für die Deutsche Bahn nicht mehr wirtschaftlich waren. Ein Beispiel für erfolgreiche Wiederbelebung ist die Strecke zwischen Mierow und Neustrelitz.

Begleitet werden soll das Projekt Joachimsthal-Templin, wo der Personenverkehr seit zehn Jahren ruht, von einer entsprechenden Marketingkampagne, die fürs Überleben des Betriebs nach der dreijährigen Testphase sorgen soll. Wie in Joachimsthal andiskutiert, könnte eine Direktverbindung Templin-Eberswalde, die Attraktivität für Bahnreisende noch einmal deutlich erhöhen. Nach derzeitiger Planung müsste man in Joachimsthal umsteigen, um in die Waldstadt weiterzufahren.

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