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Ideen für die Rettung des Klubhauses

Einst ein prächtiger Saal: Die Studenten ließen sich bei einer Begehung von der Architektur des 1850 errichteten Gebäudes inspirieren. Nach einem Brand wurde das eigentlich zweigeschossige Haus um 1900 auf drei Geschosse erhöht.
Einst ein prächtiger Saal: Die Studenten ließen sich bei einer Begehung von der Architektur des 1850 errichteten Gebäudes inspirieren. Nach einem Brand wurde das eigentlich zweigeschossige Haus um 1900 auf drei Geschosse erhöht. © Foto: MZV
Marco Winkler / 06.10.2017, 06:30 Uhr - Aktualisiert 07.10.2017, 08:34
Kremmen (OGA) Seit Mitte der 1990er-Jahre ist das Klubhaus mitten in Kremmens Altstadt dem Verfall preisgegeben. Nachdem die Bäckerei Plentz Mitte Juni dieses Jahres die untere Etage bezog, überlegen sich derzeit Potsdamer Studenten, wie es mit den anderen Etagen und vor allem dem großen Tanzsaal weitergeht.

Gasthof, Hotel, Flüchtlingsunterkunft und Polizeikaserne nach dem Zweiten Weltkrieg, Unterrichtsräume mit Turnhalle für Oberschüler, Karnevalskulisse, Kulturstätte und Ausstellungsfläche für Hundezüchter. Das Klubhaus mit seinem einst prächtigen Saal in der ersten Etage ist Teil Kremmener Geschichte. Vor gut vier Monaten zog Bäckerei Plentz ins Erdgeschoss. Die Eröffnung wurde im großen Saal ein paar Treppenstufen höher gefeiert. Putz bröckelt hier von den Wänden, lose Kabel hängen aus der Decke, Schimmelflecken breiten sich aus. Ein grünes Banner vom Kremmener Schützenfest im Jahr 1982 ziert eine Wand.

Das alles nahmen 17Studenten und zwei Professoren der Potsdamer Fachhochschule diese Woche genau unter die Lupe. Sie ließen sich erst inspirieren und nahmen im Anschluss Maße aller Räume. Der Master-Studiengang Bauerhaltung befindet sich mitten in einem Praxisprojekt. "Wir werden immer wieder nach Kremmen kommen, sollten wir etwas brauchen", so Silke Straub-Beutin, Professorin für Baukonstruktion an der Hochschule. Der Hintergrund: Die Studenten aus den Bereichen Bauingenieurswesen, Architektur und Restaurierung werden der Stadt Ideen liefern, wie das Klubhaus wieder genutzt werden kann. Am 17.Januar sollen einige Projektvorschläge in einer öffentlichen Veranstaltung vorgestellt werden.

Auf die Idee des studentischen Kreativwettbewerbs kam Bäckermeister Karl-Dietmar Plentz. In seiner Filiale im Veltener Bahnhof hat er mit dem gleichen Prinzip schon positive Erfahrungen sammeln können. "Die neuen Impulse, die jetzt von außen kommen, sehe ich als Chance", so Plentz. Für die Studenten und das denkmalgeschützte Gebäude sei es eine Win-win-Situation: Das Gebäude verfällt nicht, und die Studierenden haben die Möglichkeit, dass einer ihrer ersten Entwürfe gleich umgesetzt wird. Praktisch ginge das recht schnell, wie Bauamtsleiterin Susanne Tamms erklärt: "Wir haben eine Baugenehmigung für das Gebäude." Es ist allerdings nicht der erste Versuch, das Klubhaus neu zu gestalten. Als vor Jahren Pläne eines Potsdamer Architekturbüros präsentiert wurden, gab es keinen Konsens. Zankapfel: die Bühne. Laut Architekturbüro sollte die wegfallen. "Kremmen hängt aber an der Bühne", so Susanne Tamms. Deshalb gab es eine Auflage für die Studenten: Die Bühne muss bleiben. Untätig war die Stadt in den vorigen Jahren dennoch nicht. Das Dach wurde 2012/13 erneuert, Fenster und die zur Straße zeigende Fassade ebenfalls. Doch das Innenleben des Gebäudes ist nicht nur marode. Schon auf den ersten Blick ist erkennbar, dass viel Geld fließen muss, um alles wieder auf Vordermann zu bringen und überhaupt begehbar zu machen. "Das Budget ist natürlich nicht endlos", so die Bauamtsleiterin. Es werde versucht, Fördermittel auszuschöpfen. "Der Rest wird aus Eigenmitteln finanziert werden müssen." Eine Kostenschätzung kann es noch nicht geben. Das hängt von den Ideen der Potsdamer ab.

Im kommenden Jahr, nach der Präsentation und Diskussion einiger Vorschläge, geht es laut Bürgermeister Sebastian Busse (CDU) in eine Genehmigungsphase. "Schon 2019 oder 2020 könnten wir dann theoretisch damit anfangen, alles herzurichten", so Busse.

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